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Fire TV: Amazon drängt ins Wohnzimmer

Amazon hat in den USA seine Settop-Box „Fire TV“ vorgestellt. In der Box (11,5 cm × 11,5 cm × 1,7 cm) steckt ein Quad-Core-ARM-Prozessor (Qualcomm Krait 300, bis 1,7 GHz) nebst dediziertem Grafikchip (Adreno 320), 2 GByte RAM, 8 GByte Flash und MIMO-WLAN. Fire TV soll dreimal leistungsfähiger als das Apple TV sein und vollen Zugriff auf Amazon Instant Video gestatten. Fire TV spielt Videos bis zu 1080p ab und unterstützt Dolby Digital Plus bis 7.1.

Gegenüber den Konkurrenten will Amazon vor allem Streaming und Bedienung verbessert haben, um dem Anwender das Herumdrücken auf dem Steuerkreuz der kleinen Bluetooth-Fernbedienung zu ersparen: Fire TV nimmt Suchanfragen stattdessen per „Voice Search“ entgegen. Man drückt die Mikrofontaste auf der Fernbedienung und spricht hinein. Per Sprachbefehl kann man nach Inhalten, Schauspielern, Apps und Spielen suchen. In ersten Tests funktionierte das bei guter Internet-Anbindung fix, bei mittelmäßigem WLAN fielen die Reaktionen schon etwas träge aus, weil die Verarbeitung in der Cloud geschieht. Noch hat die Sprachsuche Kinderkrankheiten: Sie reagiert mitunter überempfindlich und liefert Unfug, vor allem bei Ansagen, die nicht auf Englisch gesprochen werden.

Video: Erster Eindruck: Amazon Fire TV

Das übersichtlich in Kategorien eingeteilte Menü läuft flüssig. „ASAP“ (Advanced Streaming and Prediction) soll für kürzere Wartezeiten vor dem Videostreaming sorgen, indem es die Sehgewohnheiten analysiert und gerne gesehene Inhalte bereits vorhält. Das adaptive Streaming braucht allerdings oft recht lange, um das höchste Bildniveau zu erreichen. Immerhin: Filme und Serien starten selbst bei einem frischen Account sekundenschnell. Was ASAP bringt, lässt sich daher noch nicht beurteilen. Übers lokale Netz kann man Inhalte derzeit nur mit der kostenpflichtigen Plex-App (99 US-Cent) auf die Box streamen.

Auf dem Fire TV laufen neben Amazons eigenen auch Dienste weiterer Anbieter wie Hulu, Netflix und Vimeo. Bei Verwendung von Instant Video liefert die auf dem Fire HDX laufende Second-Screen-App „X-Ray“ Zusatzinfos zum laufenden Video oder zu den Schauspielern. Bei Musik soll die App synchron Songtexte anzeigen können. Momentan fehlen solche Musikdienste aber noch. Ab Mai soll man mit Fire TV in den USA auf die bei Amazon gekaufte Musik zugreifen können.

Von den eingebauten 8 GByte Speicher der Box sind nur 5,5 GByte verfügbar, sodass man durch App- und Spiele-Installationen recht schnell an die Grenzen stößt. Glücklicherweise lässt sich per Deinstallation recht bequem Platz schaffen.

Apropos Spiele: Während man bei Apple darauf wartet, macht Amazon Nägel mit Köpfen und liefert Android-Spiele für Fire TV. Mit Disney, EA, Gameloft, Sega, Telltalegames und Ubisoft sind namhafte Spieleanbieter an Bord; momentan gibt es rund 150 Spiele, ab Mai sollen es Tausende sein. Gesteuert werden diese über die Fernbedienung, eine App oder den Fire Game Controller für 40 US-Dollar.

Für einen Kurztest der Fire TV nutzten wir einen per USB angeschlossenen Xbox-Controller, der anstandslos funktionierte, sowie eine USB-Tastatur. Die Grafik der Spiele kann sich sehen lassen; sie erreichte annähernd das Niveau einer Xbox 360. Beispiel: Das von den Amazon Game Studios entwickelte „Sev Zero“ (6,99 US-Dollar oder 699 Amazon Points) – eine Kombination aus Tower Defense und Ego-Shooter – sieht zwar schick aus, kann spielerisch aber nicht überzeugen.

Per Voreinstellung ist eine Authentifizierung nicht erforderlich; daher kann jeder Nutzer des Fire TV – Kinder oder Gäste – ohne weitere Nachfrage Filme mieten und Apps kaufen. Um das zu verhindern, muss man die „Parental Controls“ aktivieren; so kann man den Zugang zu Instant Video und In-App-Käufen mit einer PIN belegen. Letztere lassen sich in den Einstellungen des Amazon Appstore auch komplett unterbinden.

Fire TV ist in den USA ab sofort für 99 US-Dollar erhältlich. Wann es in Deutschland verfügbar sein wird, ist noch unklar. (vza)

Funktionsnachschub für Adobes Videoprodukte

Adobe hat Neuigkeiten für Premiere Pro und After Effects angekündigt, die bald für Creative-Cloud-Abonnenten verfügbar sein sollen.

Live-Text-Vorlagen sollen in Premiere Pro CC die Zusammenarbeit mit After Effects CC beschleunigen. Anwender können Texte aus After-Effects-Kompositionen laut Adobe direkt in Premiere Pro bearbeiten. Projekte speichert das Videoschnittprogramm auf Wunsch automatisch und regelmäßig im Online-Speicher der Creative Cloud.

Die Zuweisung von Effekten soll sich besser automatisieren lassen. Masken, mit denen man etwa Gesichter oder Logos unkenntlich machen möchte, folgen den maskierten Objekten automatisch. Eine Funktion für Master-Clip-Effekte wendet die Effekte eines gewählten Original-Clips automatisch auf alle weiteren Video-Clips in der Timeline an, ohne dass der Anwender sie manuell von Clip zu Clip übertragen müsste; das soll auch im Farbkorrekturwerkeug Speedgrade funktionieren.

Beim Effekt- und Animationsprogramm After Effects sind die Neuigkeiten überschaubar. Es bringt neue Freistellungseffekte für komprimiertes Filmmaterial mit, die bei qualitativ minderwertigen Green-Screen-Aufnahmen bessere Resultate liefern sollen. Der Key Cleaner hilft ähnlich wie Photoshops Freistelldialog „Kante verbessern“, Farbkontamination zu bereinigen.

Premiere Pro und After Effects erhalten Zugriff auf mehr als 700 Schriftarten der Typekit-Bibliothek. Außerdem bringt After Effects das Farbwahlwerkzeug Kuler mit.

Adobe Anywhere, über das mehrere Anwender an einem Projekt arbeiten können, macht Videomaterial in den Programmen Premiere Pro, After Effects und Prelude übers Netzwerk zugänglich, etwa in einer Produktionsfirma für Videofilme. Projekte lassen sich mit dem Dienst in Echtzeit sichern. Den Rohschnitt aus Prelude können Anwender über Anywhere in Premiere Pro übernehmen.

Über Direct Link soll Premiere Pro nun besser mit Speed Grade kommunizieren. Das Audioprogramm Audition unterstützt nun Dolby Digital und Dolby Digital Plus und verbessert die Arbeit mit mehreren Audiokanälen. (akr)

4K-Kracher: Profi-Camcorder mit Wechsel-Sensor

Blackmagic hat auf der Broadcast-Messe NAB einen Profi-Camcorder vorgestellt, dessen Sensor-Modul sich wie ein Wechselobjektiv tauschen lässt. Mit der 6000 US-Dollar teuren Kamera bläst Blackmagic zum Frontalangriff auf die etablierten Hersteller des Profi-Lagers.

Die Blackmagic URSA mit Super35-Sensor sorgt für Furore: Sie speichert 4K mit 3840 × 2160 Pixeln mit 23,98/24/25/29,9 und 30 Bildern/s und liefert natürlich auch Full HD, das dann mit bis zu 60p. Gespeichert wird auf CFast-2.0-Karten mit Datenraten bis zu 350 MByte/s. Sensor und Objektivanschluss lassen sich gegen künftig zu entwickelnde Hardware austauschen. Schon jetzt gibt es einen Global Shutter (wie bei der Production Cam aus gleichem Hause), einen Dynamikumfang von zwölf Blendenstufen und die Speicherung als verlustfrei kodierte 12-Bit-Videos in Cinema DNG RAW oder als Apple ProRes 422.

Über gleich drei Displays wird die Schulter-Kamera bedient. Der zur Bildkontrolle dienende Ausklapp-Monitor ist beeindruckende 10 Zoll groß. Zwei seitlich rechts und links am Gehäuse angeordnete Touchscreens zeigen beispielsweise Audio-Hüllkurve und Timecode und erlauben den Zugriff auf die weiteren Funktionen und Parameter. Unter anderem stehen die Anschlüsse 12G-SDI, Timecode In/Out, XLR-Audio-In (48 V Phantom) sowie LANC zur Verfügung. Zur Stromversorgung dient eine 4-polige XLR-Buchse (12 bis 30 V).

Blackmagic will die URSA in unterschiedlichen Varianten herausbringen, die mit EF- (5995 US-Dollar) oder PL-Mount-Bajonett (6495 US-Dollar) ausgestattet sind. Obendrein ist eine Broadcast-Version mit Ultra-HD-Sensor und B4-Mount sowie eine Variante ohne Sensor und Objektiv geplant, die via HDMI als Recorder fungiert. Laut Blackmagic sollen erste Exemplare voraussichtlich bereits ab Juni/Juli dieses Jahres lieferbar sein. (uh)

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