Prozessorgeflüster

Von Kontra Intel und Kontra-Umsatz

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Nun sind sie da, die ersten Power8-Systeme, die ersten Bestandteile einer von vielen Industriepartnern unterstützten Initiative, Intels Vormachtstellung bei den Servern aufzubrechen. Aber Intel hat viele Eisen im Feuer.

Die auf dem Open Innovation Summit in San Francisco vorgestellten und im Juni lieferbaren Systeme (S. 24) liegen recht gut im Rahmen des Terminplans der OpenPower Foundation. Diese Foundation hat sich im August 2013 auf Initiative von IBM, Google, Nvidia, Mellanox und Tyan gegründet, um irgendeine Alternative zu Intel im oberen Serversegment aufzubauen. Die Idee kam in der Szene gut an. Inzwischen findet man Altera, Fusion-IO, Hitachi, Hynix, Micron, Samsung, Suzhou PowerCore, Xilinx und viele bekannte Namen mehr in der Mitgliederliste. Auch in Deutschland tut sich was: Das Forschungszentrum Jülich trat kürzlich als assoziatives Mitglied bei. Klar, Jülich betreibt mit JuQueen eines der größten Supercomputer der Welt und muss sich in Zukunft um Power kümmern, will man bei IBM bleiben. Die BlueGene-Linie will IBM nämlich zugunsten von Power auslaufen lassen.

Der aktuelle Power8 ist allerdings mehr auf Cloud-Dienste, Datenbanken und Data Analytics ausgelegt – und das übrigens mit speziellen Optimierungen im Instruktionssatz, die das IBM-Team in Böblingen ausgeheckt hat. Power9, so klang inzwischen durch, wird dann wieder stärker für High Performance Computing (HPC) optimiert sein.

Auf den muss die HPC-Community aber nicht warten, denn sie soll vor allem von der Zusammenarbeit mit Nvidia profitieren, die ihre leistungsfähigen Tesla-GPUs über ein neues cachekohärentes Protokoll (CAPI) physisch via PCIe 3.0 an den Prozessor ankoppeln will.

Nvidia hat CAPI aber noch ein wenig zu Nvlink weiterentwickelt. Darüber sollen auch mehrere GPUs miteinander schnell und cachekohärent kommunizieren können. Die erweiterte Technologie will Nvidia an die anderen OpenPower-Mitglieder lizenzieren, IBM plant sie für die nächste Prozessorgeneration ein.

Die ersten CAPI-tauglichen Designs wird man wohl zunächst mit FPGA-Acceleratoren für bestimmte Aufgaben – etwa Monte-Carlo-Simulationen – von Altera und Xilinx bewundern dürfen. CAPI-taugliche Nvidia-GPUs stehen für Anfang nächsten Jahres an. Bis dahin wollen zahlreiche OpenPower-Mitglieder eigene Power8-Server anbieten. Google und Tyan präsentierten bereits erste selbst designte P8-Mainboards und die chinesische Firma Suzhou PowerCore hat angekündigt, bald eigene Server und Storage-Systeme herauszubringen. Von OpenPower-Mitgliedern wie Hitachi, Inspur, Servergy, ZTE und Lemote kann man ebenfalls Serverprodukte erwarten. IBM springt zudem über diverse Schatten der Vergangenheit und öffnet sich verstärkt Linux bis hin zu Ubuntu für Power. Zusätzlich forciert man im Linux-Bereich das Intel-kompatible Little-Endian-Datenformat, um es den Entwicklern einfacher zu machen.

Hier braut sich also was zusammen, etwas, das durchaus das Potenzial hat, Intel Paroli zu bieten und die Totaldominanz bei Servern aufzubrechen, sofern die Foundation auch preislich attraktive Angebote im Köcher hat.

Noch jedoch sitzt Intel fest im Server-Sattel und hat seine Haswell-Sprinter noch gar nicht ins Rennen geschickt. Auch so läufts auf dem Server-Markt gut, so kann dieser Bereich Verluste auf den anderen Märkten zum Teil wieder auffangen. Ganz reicht es nicht, denn für das erste Quartal 2014 ging Intels Nettogewinn gegenüber dem Vorjahresquartal um 5  Prozent auf 1,9 Milliarden US-Dollar zurück, trotz minimal auf 12,8 Milliarden Dollar gesteigertem Umsatz. Vor drei Jahren hatte Intel etwa bei gleichem Umsatz noch 3,2 Milliarden an Gewinn herausgezaubert.

Zahlenzauber

Intels Data Center Group – inklusive Workstation-, Storage- und Netzwerk-Chips, nun aber ohne Embedded – konnte ihren Umsatz um immerhin 11 Prozent auf 3,1 Milliarden US-Dollar steigern, während das Kerngeschäft der PC-Clients (Desktop-PCs, Notebooks, Settop-Boxen …) um ein Prozent auf 7,9 Milliarden abnahm. Immerhin steht Intel damit noch weit besser da als der allgemeine PC-Markt, der laut IDC im ersten Quartal 2014 um 4,4 Prozent einbrach, wobei die Windows-XP-Erneuerungswelle noch Schlimmeres verhütet hat.

Der Embedded-Bereich wurde von Intel mit den neuen Quark-Chips zur Internet of Things Group zusammengerührt und konnte um 32 Prozent auf 482 Millionen Dollar zulegen. Eher peinlich siehts hingegen bei Intels neu formierter Mobile and Communications Group aus. Die von dem Ex-Infineon-Manager Hermann Eul geleitete Abteilung umfasst die Tablet-, Smartphone-, WLAN-, LTE-, Bluetooth-, GPS- und Powermanagement-Chips, deren Umsatz heftig um 61 Prozent auf 156 Millionen Dollar absackte. Zwar reklamiert Intel 5 Millionen verkaufter Tablet-SoCs im ersten Quartal, was sich aber nicht so in den Umsatzzahlen niederschlagen konnte. Denn vermutlich wurde hierbei trickreich der sogenannte Gegenumsatz (contra revenue) herausgerechnet, den Intel seit Jahresanfang den Partnern als „Kompensation“ gewährt, als Ausgleich für den Mehraufwand an Zusatzchips gegenüber Lösungen mit ARM-SoCs. Gleichzeitig hält man sich mit dieser eher fragwürdigen Subvention auch den anderen x86-Mitbewerber im Tablet-Markt vom Leibe, dessen neues SoC Mullins wohl noch mehr Zusatzchips als Intels Bay Trail benötigt (S. 20).

AMD – so Chef Rory Read – will diesen ruinösen Subventionswettbewerb bei den Billig-Tablets aber nicht mitmachen und sich lieber auf höherwertige Tablets konzentrieren. Ein bisschen Zugewinn braucht AMD noch; dank der Spielkonsolen konnte AMD umsatzmäßig zwar ordentlich um 28 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar zulegen, allerdings musste die Firma wieder einen Nettoverlust von 20 Millionen Dollar einstecken. Immerhin, im Vorjahr waren es noch 146 Millionen Miese.

AMD hat aber noch einiges in petto, darunter eine fulminante, wassergekühlte 11-TFlops-Grafikkarte – ja, ja, mit einem Energieverbrauch von bis zu 630 Watt (S. 68). Auf dem Red Hat Summit in San Francisco, nahezu gleichzeitig zum oben erwähnten Open Innovation Summit, führte AMDs Serverabteilung auch erste Systeme mit dem „Berlin“ alias Opteron X2100 unter Fedora und Oracle Sumatra vor, der erste Server-Chip mit integrierter GPU, der die Heterogeneous System Architecture unterstützt. Vor allem aber warten wir auf die im Februar versprochenen Testsysteme mit den ARMv8-Prozessoren „Seattle“ – sollten die nicht schon längst da sein? (as)

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