Auf Schritt und Tritt

Fitnessarmbänder mit Herzfrequenzmessung

Test & Kaufberatung | Test

Bislang waren Aktivitätstracker und Sportuhren klar voneinander getrennte Produktkategorien. Doch neue Fitnessarmbänder protokollieren nicht nur Schritte und Schlaf, sondern zeigen auch beim Sport die Herzfrequenz an.

Mancher Sportler hat für Aktivitätstracker nur ein müdes Lächeln übrig – vor allem, wenn er das oft deklarierte Ziel von 10 000 Schritten am Tag „schon“ mit einem Lauf von sechs bis acht Kilometern erreicht. An dieser Einstellung dürften die getesteten Fitnessarmbänder Garmin Vivofit, Polar Loop und Samsung Gear Fit nichts ändern, die mittels integriertem Sensor (Samsung) oder über per Funk gekoppelte Brustgurte die Herzfrequenz des Nutzers messen. Sie sind etwa für Menschen gedacht, die sich im täglichen Leben mehr bewegen möchten und dafür auch einmal einen Lauf oder eine Radtour einlegen, auf „Schnickschnack“ wie eine Streckenaufzeichnung aber verzichten können.

Video: Fitnessarmbänder mit Herzfrequenzmessung

Mangels Kopplung mit Radsensoren ermitteln die Fitnessarmbänder beim Fahrradfahren selbst weder Trittfrequenz noch zurückgelegte Distanz. Die Impulse durch die Beinbewegungen reichen für den integrierten Schrittzähler nicht aus, um auf brauchbare Werte zu kommen. Zeigt er dennoch Schritte an, liegt das eher an vom Lenker auf die Arme übertragene Erschütterungen. Samsung löst dieses Dilemma mit einem speziellen Radfahrmodus, in dem das gekoppelte Smartphone die per GPS ermittelte Geschwindigkeit liefert. Bewältigten Stockwerke registriert keiner der Testkandidaten.

In Verbindung

Alle drei Tracker arbeiten an sich autark, benötigen für Einrichtung, bestimmte Einstellungen und Firmware-Updates aber eine Verbindung zu einem Rechner (nur möglich bei Garmin und Polar, jeweils Windows-PCs und Macs) oder einem Smartphone beziehungsweise Tablet. Gewöhnlich stellen die Setup-Apps auf den Smartphones die vom Tracker empfangenen Daten auch gleich in Tabellen und Diagrammen dar und laden sie auf das Online-Portal des Herstellers hoch. Bei Samsung läuft die Auswertung über zusätzliche Apps wie „S Health (Sleep)“.

Die Verbindung zwischen den getesteten Geräten und Handys läuft jeweils über Bluetooth 4.0 Low Energy (LE). Obwohl iPhones seit dem 4S und ausgewählte Android-Smartphones diesen Funkstandard unterstützen, ist die Auswahl an passenden Handys aktuell beschränkt: Nur Garmin hat eine passende App für beide Betriebssysteme in den offiziellen Stores, Polar bot zum Redaktionsschluss nur ein App nur für iOS an. Samsung hält den „Gear Fit Manager“ wiederum über seinen eigenen App Store zum Download bereit. Für andere Android-Smartphones mit LE-Chip bekommt man die App immerhin über eine eigens von Samsung eingerichtete Website, für iPhones erwartungsgemäß gar nicht.

Polar nutzt Bluetooth Smart beim Loop auch für die Anbindung des Brustgurts, Garmin koppelt diesen hingegen über das zu Bluetooth inkompatible Funkprotokoll ANT+. Auch die Verbindung zum Rechner läuft hier über ANT+, der nötige Empfänger liegt in Form eines USB-Steckers bei.

Garmin Vivofit

Beim Auspacken des Vivofit bekommt man leicht das Gefühl, Garmin habe das Ladekabel vergessen. Tatsächlich läuft der bis 50 Meter wasserdichte Tracker mit zwei Knopfzellen – und zwar bei gewöhnlichem Gebrauch bis zu einem Jahr am Stück. Dabei ist seine Anzeige immer an. Damit das klappt, wurde die Elektronik des Gerätes konsequent stromsparend konzipiert: Als Bildschirm kommt ein monochromes E-Paper-Display zum Einsatz, der einzige Farbfleck ist ein roter Balken, der bei Inaktivität des Nutzers wächst. Mangels Beleuchtung ist die im Sonnenlicht gut ablesbare Anzeige im Dunkeln nicht zu gebrauchen. Eine Rückmeldung über Töne oder Vibration gibt es nicht. Verbindungen zum Brustgurt, zum Rechner oder zum Smartphone baut das Gerät erst nach einem Druck auf den einzigen Knopf auf.

Geht oder läuft man mit Schuhen, zählt der Vivofit die Schritte sehr genau. Ist man hingegen im Haus auf Stümpfen unterwegs, verpasst er hingegen schon mal den einen oder anderen Schritt. Die Herzfrequenzmessung klappte einwandfrei, außer dem aktuellen Wert erfährt man aber nichts.

Das Schlatracking aktiviert und deaktivert man per Knopfdruck am Vivovit, die Auswertung erfolg über Rechner oder Smartphone. Die Anzeigen in der App sind eher nüchtern, Trophäen für 5000, 10 000, 25 000 und so weiter zurückgelegte Schritte sind das Höchste der Gefühle.

Polar Loop

Dass man Polars Loop mit einer Schere an den Umfang des eigenen Handgelenks unumkehrbar anpassen muss, sorgt erst einmal für Unbehagen. Danach aber trägt man ein recht stylisches Fitnessarmband, dessen Display aus 5 × 17 roten LEDs für einige Sekunden aufleuchtet, wenn man den einzigen kapazitiven Knopf am Gehäuse drückt. Der ist manchmal zickig, wenn der Finger trocken ist – oder löst bei Kontakt mit Wasser schon mal von alleine aus.

Polar gibt als maximale Laufzeit 6 Tage an. Da der Loop aber bei fast jedem Tastendruck versucht, die Daten mit dem gekoppelten Smartphone bei laufender Polar-App zu synchronisieren und den Brustgurt anzukoppeln, war sein Akku bei unserem ersten Testdurchgang mit viel Knöpfchendrücken nach nicht einmal 3 Tagen am Ende. Ärgerlich ist, dass der Loop seinen aktuellen Ladestand nicht offenbart, sondern nur irgendwann nach Strom schreit. Immerhin lässt er sich in rund 90 Minuten über das erwähnte Kabel komplett aufladen.

Der Loop schreibt rund fünf Prozent mehr Schritte gut als von uns gezählt; zudem werden sie mit einer spürbaren Verzögerung angezeigt. Beim Sport mit einem Brustgurt erfährt man auf Knopfdruck nicht nur für einige Sekunden seine akkurat ermittelte Herzfrequenz, sondern auch, ob man gerade in der Fitness- oder in der Fettverbrennungszone trainiert. Der Loop ist bis 20 Meter wasserdicht und kann beim Schwimmen getragen werden.

Der Loop ermittelt Schlafenszeiten automatisch, die Auswertung aller Daten erfolgt über die App oder am Rechner. Dabei wird auch ersichtlich, dass der Tracker zwischen fünf Aktivitätsstufen unterscheidet. Die Analysen sind recht umfangreich und schließen eine Rückmeldung in Textform ein. Verbessern ließe sich die Funkverbindung zwischen Tracker und Smartphone: Wir brauchten im Test oft mehrere Anläufe, um die Trainingsdaten zu übertragen.

Samsung Gear Fit

Samsungs Gear Fit sticht mit seinem gebogenen AMOLED, das sich auf jedem Winkel gut ablesen lässt, heraus. Das Display lässt sich über den einzigen Knopf am Gehäuse (einstellbar zwischen 10 Sekunden und 5 Minuten) einschalten; auf Wunsch wacht es auch auf, wenn man sein Handgelenk dreht. Letzteres passiert schon mal unabsichtlich.

Von den drei Testkandidaten hat der Fit den empfindlichsten Schrittzähler; die Differenz zu unseren Zählungen lag oft bei über 20 Prozent. Folglich erreicht man die (manuell einzustellende) Zielschrittzahl hier am schnellsten – was der Tracker mit einer virtuellen Medaille im Display belohnt. Vier feste Sportmodi lassen sich aufrufen, in denen man nach Zeit, Distanz oder Kalorienverbrauch trainieren kann: Laufen, Walken, Wandern und Radfahren. In letzterem Fall nervt, dass der Gear beim mehrminütigen Warten an Ampeln die Aufzeichnung toppt, weil er keine Bewegung feststellt.

Die Genauigkeit der Herzfrequenzmessung am Handgelenk lässt vor allem in den ersten Minuten sehr zu wünschen übrig und reicht auch danach nicht immer an die der Brustgurte von Garmin und Polar heran. Beim Laufen warnt eine „Coaching“-Funktion, wenn der Puls zu hoch ist. Das Schlaftracking muss man explizit aktivieren und deaktivieren, dafür lässt sich direkt am Tracker ablesen, wie viele Stunden man ruhig im Bett gelegen hat.

Gekoppelt mit einem passenden Android-Smartphone fungiert der Fit auch als Smartwatch. Im Unterschied zur großen Galaxy Gear gibt es weder Mikrofon noch Lautsprecher, zudem kann der Nutzer auf dieser Uhr keine Apps installieren. Neben einer Wetteranzeige bekommt man Benachrichtigungen zu allen möglichen Ereignissen, die im Zusammenhang mit dem gekoppelten Handy stehen – wie anstehende Termine und eintreffende Nachrichten. Am Handy eintreffende Anrufe kann man am Gear annehmen oder abweisen, zudem die Musikwiedergabe auf dem Smartphone steuern. Nett ist die automatische Aktivierung der Mustersperre am gekoppelten Smartphone, wenn man sich mit dem Gear Fit von diesem entfernt.

Die Laufzeit liegt nach unseren Erfahrungen bei 3 bis 4 Tagen, was für einen Aktivitätstracker kein toller Wert ist, für eine Smartwatch aber aktuell nicht übel. Vor allem die Ladestandanzeige hilft, die restliche Laufzeit abzuschätzen. Das komplette Aufladen des Gear Fit über seine proprietäre Ladeschale mit Micro-USB-Anschluss dauert etwas mehr als 2 Stunden. Der Fit ist wasserdicht nach IP67 (1 Meter Wassertiefe für maximal 30 Minuten), sollte also nicht mit beim Duschen oder Schwimmen getragen werden.

Fazit

Garmins Vivofit ist unter den Fitnessbändern praktisch das Arbeitstier – mit schlichtem Design ohne Schnickschnack, exakten Messwerten und extrem langer Laufzeit. Dazu passt auch die eher nüchterne Auswertung in der App. Polar hat hingegen etwas mehr aufs Design geachtet, der Loop wirkt wie ein modischer Armreifen. Auch die App wurde aufwendiger gestaltet. Bedienung und Anzeigen ließen sich aber hier noch optimieren. Samsungs Gear Fit fällt hinter den beiden Konkurrenten bezüglich der Messwerte zurück, bietet dafür aber eben Smartwatch-Funktionen. Das Gerät ist daher beispielsweise etwas für Anwender, die sich vor allem ein schickes, wenn auch nicht gerade preiswertes Accessoire zu ihrem Smartphone wünschen und die Tracking-Funktion als netten Bonus betrachten. (nij)

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