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Wie Google als einflussreichstes High-Tech-Unternehmen das Netz beherrscht

Wissen | Hintergrund

Google steuert mit seiner Suchmaschine die weltweiten Surfer-Ströme, dominiert die Online-Werbung, kontrolliert mit seiner Plattform Android den Smartphone-Markt und setzt mit seiner immensen Entwickler-Power technische Standards im Web. Jetzt macht sich der Online-Riese daran, das Internet der Dinge zu erobern.

Viertel nach fünf am Nachmittag. Mein Handy vibriert. Google Now meldet: „Fahrtzeit nach Hause: 21 Minuten“. Die etwaige Aufbruchszeit, die Fahrtzeit, das Verkehrsmittel Fahrrad und das Ziel stimmen. Aber woher weiß Google das? Ich habe Google meine Adresse nie gegeben und auch so etwas wie meine Arbeitszeit nirgendwo hinterlegt.

Offenbar kennt Google mich verdammt gut. Ich benutze ein Android-Smartphone, die GPS-Lokalisierung habe ich oft eingeschaltet. Anscheinend hat Google oft genug mitgeschnitten, wann ich mich wo aufhalte und von wo nach wo fahre, und daraus auf meine Heim- und Arbeitsadresse geschlossen. „Das Ziel von Google ist es, die Informationen der Welt zu organisieren und für alle zu jeder Zeit zugänglich und nützlich zu machen.“ – Google Mission klang lange Zeit, wie ein hehres, abstraktes Ziel. Heute klingt das Motto fast wie eine Drohung.

Google ist zu einem Riesen gewachsen, ohne den mittlerweile kaum etwas geht im Web und im Mobilfunkmarkt – und der jeden Tag größer wird. Wir Google-Nutzer versorgen ihn ja gerne mit unseren Informationen. Die Suche, Android, YouTube und Co. sind einfach zu attraktiv, um ganz auf Google zu verzichten.

Machtfaktor Suche

Der zentrale Hebel für Googles Dominanz ist die Suchmaschine. In etlichen Ländern ist „suchen im Internet“ gleichbedeutend mit googeln. In Europa etwa liegt der Marktanteil bei 92, weltweit bei mehr als 70 Prozent. Aus dieser Dominanz ergibt sich die schlichte Wahrheit: Wen Googles Suche nicht findet, der existiert nicht im Web. Wer also eine Website betreibt, muss Googles Regeln einhalten. Google gibt vor, wie eine gut gestaltete Seite auszusehen hat und was als Spam aussortiert wird. Webmaster, die sich nicht daran halten, müssen damit rechnen, von Google abgestraft und auf schlechte Ränge in den Suchergebnisseiten verbannt zu werden, die niemand anklickt (siehe auch den Kasten auf S. 133).

Für seine Benutzer ist die Suchmaschine eine Art Vorkoster. Da sie in der Regel nur die Treffer der ersten zwei, drei Suchergebnisseiten abrufen, entscheidet Googles Ranking, welche Seiten sie zu einem bestimmten Suchbegriff sehen und besuchen. Als meistfrequentierte Site schlechthin dirigiert Google so die weltweiten Surferströme im Netz. Mit anderen Worten kontrolliert der Suchmaschinenbetreiber den Zugang zum Weltwissen im Web: eine unvergleichliche Machtposition. ...

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c't 11/2014, Seite 128 (ca. 6 redaktionelle Seiten)
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Artikel-Vorschau
  1. Machtfaktor Suche
  2. Geldmaschine Werbung
  3. Geballte Entwickler-Power
  4. Politik mit Technik
  5. Lobbyismus auf allen Kanälen
  6. Der neue Gorilla
  7. Riesenerfolg Android
  8. Facebook gekontert
  9. Frühjahrsputzaktionen …
  10. … und Experimente allerorten
  11. Fazit
  12. Hiergeblieben!
  13. Matt Cutts: Der Suchmaschinen-Deuter

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  • Google finanziert die Denkfabrik Collaboratory in Berlin, wo kluge Köpfe die „die Wechselwirkungen zwischen Internet und Gesellschaft“ untersuchen sollen.

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