Prozessorgeflüster

Von schnellen Himmelsbrücken und langsamen Justizmühlen

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SkyBridge, so heißt AMDs Projekt für 2015, das ARM, x86, Grafik und HSA miteinander verbinden will. AMDs Technikchefin Lisa Su führte nun auch den ARMv8-Prozessor Seattle lauffähig vor – aber auch bei x86 soll es kräftig vorangehen.

Ambidextrous soll nach den Worten von AMD-Chef Read das Computing werden – und das kann beidhändig, aber auch hinterhältig heißen. Jedenfalls will AMD die ARM- und x86-Welt geschickt miteinander verbinden. Der erste große Schritt dahin ist mit dem Opteron A1100 „Seattle“ mit acht Cortex-A57-Kernen in 28-nm-Technik weitgehend gemacht. Das Testsystem, das AMD nun im Ritz Carlton in San Francisco präsentierte, konnte immerhin einen LAMP-Stack (Linux, Apache, MySQL, PHP), Wordpress und Video-Serving unter Fedora abarbeiten. Wenn, wie geplant, in der zweiten Jahreshälfte die Systeme ausgeliefert werden, soll es dafür auch genug Software-Infrastruktur geben.

Fürs nächste Jahr ist dann die große Familienzusammenführung geplant – niemand sonst kann schließlich so was bieten. Mit ein und demselben Pinout, als BGA oder auch für einen Sockel sollen dann ARMv8- oder x86-SoCs in 20-nm-Technik erscheinen, hier bestückt mit Low-Power-Versionen des Cortex-A57, dort mit x86-Puma+-Kernen. Hinzu kommt jeweils ein Graphics Core Next (GCN) sowie voller HSA-Support, gedacht als erste HSA-Android-Plattform.

Im Jahr drauf will AMD dann in die Vollen gehen, mit einem eigenen 64-bittigen ARM-Design. Die nötige Architekturlizenz hat AMD bereits – und mit Jim Keller seit zwei Jahren wieder einen legendären CPU-Architekten, der einst den K8 mit auf den Weg brachte und der zwischenzeitlich auch für Apples A4/A5 mitverantwortlich zeichnete. K12 soll der neue ARM-Kern in alter K-Tradition heißen, zuerst ausgerichtet auf Server. Parallel dazu soll aber x86 nicht vernachlässigt werden; man hörte von einem Kern mit völlig neuer Mikroarchitektur – Jim Keller ist alles zuzutrauen, vielleicht sogar eine neu aufgelegte Translation-Technik à la Transmeta.

Performanceregionen

In welchen Performanceregionen die Serverkonkurrenz jetzt schon schwebt, hat IBM nun im Power Systems Performance Report vom Mai 2014 dargelegt. Hier findet man erste Benchmark-Werte der Power8-Rechner, wenn auch noch nicht zu den speziellen Linux-Systemen. CPU2006-Werte listet IBM bislang aber nur zu einem System auf, zum S824 mit zwei Prozessoren und 24 Kernen à 3,5 GHz unter AIX. So ein System ist samt 192 GByte Speicher gemäß IBMs Webprice für 65 291 US-Dollar zu haben.

Nach dem Report kommt dieses S824 auf 1280 SPECint_rate_base2006 und 1140 SPECfp_rate_base2006 und liegt damit gut im Rahmen der vorab proklamierten Steigerungen von 2,2 oder 2,3, jedenfalls wenn man es mit dem Power7+ mit 16 Kernen bei 3,55 GHz im Modell 740 unter AIX vergleicht (510 bzw. 450 Punkte).

Bei spec.org sind diese Power8-Ergebnisse bislang allerdings noch nicht als offizielle Einreichung aufgetaucht. Dafür findet man in der Liste vom Mai zahlreiche CPU2006-Werte aus IBMs xSeries-Welt. Neben neuen Nextscale- und Xeon-E7-Systemen sind diesmal nach über zwei Jahren Pause auch mal wieder ein paar Opteron-Systeme x3755 M3 darunter. Diese kommen mit AMD Opteron 6376 und neuen Compilern auf inzwischen 911/719 Punkte. Damit bleiben sie zwar unter der Hälfte dessen, was IBMs E7-Spitzensystem x3850 X6 mit viermal E7-4890v2 (2300/1690) so leisten kann, kosten dafür, sogar mit schnellerem Opteron 6380 und mit 192 GByte bestückt, mit rund 14 000  US-Dollar weniger als ein Viertel.

Offenbar dreht IBMs x86-Abteilung derzeit noch einmal ordentlich auf, kurz bevor der Laden an Lenovo übergeht. Allgemein erwartet man in Kürze die Zustimmung der US-Aufsichtsbehörden. Auch in Europa ist kein Einspruch der zuständigen EU-Behörden in Sicht; hier rechnet man mit einer Übergabe im November. Die EU-Wettbewerbsabteilung hat kurz vor den Wahlen erst einmal Samsung und Motorola – das ja ebenfalls bereits Lenovo versprochen ist – abgewatscht, ihre Patentmacht missbraucht zu haben. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia gab den Beschwerdeführern Apple und Microsoft Recht, auf eine Geldstrafe verzichtete er jedoch. Da war Vorgängerin Neelie Kroes einst unnachgiebiger. Das bekam die Firma Intel zu spüren, die über eine Milliarde Euro wegen wettbewerbsverzerrenden Verhaltens gegenüber AMD berappen musste. Seit drei Jahren läuft nun bereits Intels Einspruch, jetzt will die siebte Kammer des europäischen Gerichts (erster Instanz) in Luxemburg am 12. Juni im Grünen Saal ihre Entscheidung verkünden. Intel hofft zumindest auf eine deutliche Reduzierung der Geldbuße, kann aber notfalls – nun auch mit Verweis auf das milde Abschneiden von Motorola – noch Rechtsmittel vor dem Europäischen Gerichtshof einlegen.

Copyright für APIs

Amerikanische Gerichte urteilen bei Patent- und Copyright-Fragen offenbar weniger im Interesse der Verbraucher als die EU-Kommission. So scheiterte Google vor einem District Court in Kalifornien im Streit um die Verwendung des Java-API in Android. Die Richter hoben damit ein voriges Urteil auf, demzufolge APIs nicht dem Urheberrechtsschutz unterliegen. Die Vorinstanz muss sich nun erneut mit dem Fall beschäftigen und vor allem die Frage klären, ob die Nutzung der geschützten APIs der „Fair Use“-Doktrin des US-Urheberrechts entspricht oder ob Google Schadensersatz leisten muss. „Eine Niederlage der Computerwissenschaft“, so der Tenor vieler Journalisten.

In der Tat betrifft der Ausgang nicht nur Android, sondern geht weit darüber hinaus. Der neue Trendsetter im Big-Data-Bereich namens Hadoop etwa arbeitet mit dem von Google entwickelten Map-reduce unter Java Framework. Da sieht man nun schon Oracle demnächst mit dem Klingelbeutel herumwetzen, so wie es einst SCO mit Linux vorhatte. Und selbst dieser Fall ist noch nicht ganz ausgestanden, vor einem Jahr wurde er von einem District-Gericht in Utah wieder aufgenommen.

Und schließlich könnten auch andere API-Schöpfer hellhörig werden, selbst bei Open Source. Es obliegt nun allein Google, mit einer Berufung vor dem US-Appellationsgericht in Washington für die Rettung des Open-Source-Gedankens und der Computerwissenschaften überhaupt einzutreten. (as)

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