Second-Screen-WM

Die Fußball-WM 2014 auf Mobilgeräten

Praxis & Tipps | Tipps & Tricks

Dem Fußball-Fan stehen anlässlich der Fußball-WM auf dem Tablet und dem Smartphone so viele Zusatzinformationen und Schmankerl zur Verfügung wie noch nie. Aber auch abseits vom Fernseher und Second Screen kann man die Fußball-WM verfolgen.

Statt immer nur das eine Bild zu sehen, das die Bildregie für sie auswählt, werden Fußball-Begeisterte bei der Fußball-WM 2014 ihre Kamera individuell auswählen können – zumindest auf dem Second Screen. Die beiden das Ereignis übertragenden Fernsehsender, ARD und ZDF, haben dafür zur WM ihre Second-Screen-Angebote ausgebaut.

Die ARD bringt eine eigens für das Großereignis entwickelte Sportschau WM App heraus. Sie soll ab dem 1. Juni für Smartphones und Tablets mit iOS und Android verfügbar sein. Dort kann der Benutzer Highlights und Spielszenen aus den Perspektiven von bis zu 20 Kameras betrachten, die in einem WM-Stadion installiert sind. Zusätzlich zu den von der ARD übertragenen Spielen soll die App die Zuschauer mit aktuellen Informationen und Ergebnissen zu allen Begegnungen sowie mit Hintergrundinformationen versorgen.

Perspektivwechsel

Auf sportschau.de wird die ARD sämtliche ihrer WM-Spiele ebenfalls als Video-Livestreams übertragen. Gefällt dem Zuschauer der Kommentator nicht, kann er hier auf den Ton der Hörfunk-Vollreportage wechseln. Darüber hinaus liefert die ARD im Web viele Hintergrund- und Zusatzinformationen. Ein Online-Reporter etwa berichtet aus dem Quartier und von den Spielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Für die umfassende Rund-um-die-Uhr-Versorgung hat sich die ARD zudem das Online-Format „WM live“ ausgedacht. Dort findet der Zuschauer Video-Livestreams und Live-Ticker sowie einen „interaktiven Liveblog“ mit Geschichten aus den sozialen Netzwerken.

Wer kein Smartphone oder Tablet besitzt, findet Informationen zu allen Begegnungen im Teletext. Der Einstieg ist hier auf Seite 800. Ein Liveticker informiert kompakt über alle Spielsituationen, der sogenannte „Tor-Ticker“ über alle Treffer. „Teletwitter“ auf Seite 777 veröffentlicht ausgewählte Twitter-Beiträge. Hörgeschädigte finden auf Seite 150 Live-Untertitel für alle Spiele, die die ARD überträgt.

Mit dem Zweiten

Das ZDF hat keine eigene App entwickelt, sondern bohrt sein bisheriges Angebot auf, also die Mediathek sowie die Sport-Website www.zdfsport.de. Sämtliche WM-Inhalte werden dort zu einem Schwerpunkt gebündelt und die vom ZDF ausgestrahlten Spiele im Livestream übertragen. Auch das ZDF bietet einen individuellen Blick auf das Spielgeschehen. Hier heißt die Rubrik „MyView“.

Im Second Screen begleitet ZDFsport.de ausgewählte Partien. Die Redaktion präsentiert während des Spiels Meinungen, satirische Grafiken und andere Fundstücke aus den sozialen Netzwerken. So kann man immer mal schauen, was das Netz zum Spiel sagt, wenn sich auf dem Platz gerade nichts Spannendes ereignet. Sämtliche Funktionen sollen auch in der Mediathek-App zur Verfügung stehen. „Kurz vor der WM“ will das ZDF ein Update der App für iOS und Android bereitstellen. Der ZDFtext berichtet ab Seite 200 von der WM.

Alles in allem scheinen ARD und ZDF mit ihren First- und Second-Screen-Angeboten schon ein recht umfassendes Angebot an Informationen rund um das Geschehen auf und neben dem Platz geschnürt zu haben. Testen konnten wir die Angebote nicht, weil die Websites und Apps erst kurz vor der WM fertig werden.

Ohnehin wird sich erst im Live-Betrieb zeigen, ob die Sender ihre Server mit genug Kapazität ausgestattet haben, um den gleichzeitigen Zugriff Hunderttausender zu handhaben. Wie man ein Spiel mobil sehen kann, wenn die App des übertragenden Senders lahmt, zeigt der Artikel ab Seite 70.

Empfangskanäle

Die meisten Spiele dieser WM liegen für uns Europäer recht arbeitnehmerfreundlich in den Abendstunden ab 18 Uhr. Dennoch hat nicht jeder Zeit und Lust, die Matches live im Bild zu verfolgen. Internet und Smartphones sei Dank stehen zur Info-Versorgung mittlerweile einige alternative Wege bereit.

Die Hörfunksender der ARD bleiben bei der guten Tradition, alle Gruppenspiele mit deutscher Beteiligung sowie die gesamte Finalrunde in ganzer Länge live zu übertragen. Die Sendungen laufen auf den jeweiligen Sonderwellen der ARD-Sender, in Norddeutschland also beispielsweise auf „NDR info Spezial“ – per UKW und DAB+, aber auch im Browser oder den Radio-Apps der Sender. Internet-Sender wie sport1.fm müssen passen, weil sie die Rechte nicht erworben haben.

Anders als etwa bei sport1.fm gibt es bei den ARD-Sendern nicht die Möglichkeit, die Bandbreite anzupassen – die ARD überträgt grundsätzlich in 128 KBit/s im MP3-Format, das nicht adaptiv ist. Vorsicht also, falls Sie die Apps nicht im WLAN, sondern via UMTS nutzen: Bereits nach acht Stunden Empfang wäre das Monatskontingent eines üblichen 500-MByte-Datentarifs verbraucht. Mit dem Bandbreitenrechner von heise online können Sie genau ermitteln, wie viele Stunden Hörgenuss in Ihrem Datentarif enthalten sind (siehe c’t-Link).

Die Versorgung mit Live-Tickern und sportlichen News rund um die WM ist unüberschaubar. Wer auf Bewährtes zurückgreift, läuft zumindest nicht Gefahr, besonders spannende Momente zu verpassen, weil unterdimensionierte Server streiken: Die Websites und Apps beispielsweise von kicker.de, spox.com oder auch ARD-Sportschau dürften auch einem großen Ansturm standhalten. Diese drei Quellen sind ohnehin erste Anlaufstellen, wenn es um solide Informationen geht.

Der 11-Freunde-Ticker hat das Potenzial, auch Second-Screen-Muffel vom Unterhaltungswert des zweiten Bildschirms zu überzeugen. Die Redaktion des Fußballmagazins dürfte ihre wahre Freude daran haben, Ronaldos Gockelgesten wortreich zu verspotten oder Béla Réthys Spielkommentierung zu geißeln. Für den Liveticker erhielt 11 Freunde übrigens 2013 zu Recht den Grimme Online Award. Der Ticker lässt sich via Web und App abrufen – aber wohl nur für ausgesuchte Spiele.

Zusatzinfos

Die großen Fußballturniere sind immer ein guter Anlass, sich mit Freunden oder Kollegen in Tipprunden zu messen. Möchten Sie selbst ein Tippspiel einrichten, können Sie das bei kicktipp.de tun. Firmen können hier gegen einen Obolus eine gehostete Tipprunde für ihre Mitarbeiter einrichten, die sich auch ins Intranet einbetten lässt. Das von T-Online betriebene TippGigant stellt eigens für die WM Tipprunden bereit, denen man sich anschließen kann. Ähnlich funktioniert das auch bei Tippmeile, wo die Tipprunden „Stammtische“ heißen.

Um die Qualität der Mannschaften richtig beurteilen zu können, benötigen Sie sicherlich Statistiken und Analysen. Auf transfermarkt.de finden sich in nagelneuem Layout, aber bewährtem Detailreichtum Informationen zu jeder Mannschaft und jedem Spieler. Live-Statistiken – beispielsweise die angesagten Heatmaps – stammen stets vom Dienstleister Opta, der sie selbst leider nicht veröffentlicht. Dafür werden sie aber gerne und oft beispielsweise von Spiegel Online und Focus.de in die Berichterstattung übernommen. Falls Sie Statistikwissen zur Historie der WM benötigen, sind sie bei planetworldcup.com gut aufgehoben. Mit dem Wissen, dass Deutschland bereits 12 Halbfinale, Brasilien aber erst 10 bestritten hat, kann man in den Halbzeitpausen im Biergarten prima Eindruck schinden.

Die Taktik-Gurus von spielverlagerung.de werden zur WM in gewohnter Manier Finessen, Finten und Fehlleistungen der Trainer beurteilen. Zonal Marking, die Mutter aller Taktik-Blogs, gewährt einen weniger Deutschland-zentrierten Blick auf taktische Entwicklungen im internationalen Fußball. Michael Cox analysiert im Alleingang gekonnt Spiele in der britischen Premier League sowie internationale Begegnungen in der Champions League und natürlich der WM.

Geschichten, die auch abseits des Platzes spielen, erzählen die Blogger von Jogisjungs. Unter anderem geht es dort gerne um Trikot-Design und WM-Songs – Dinge, die die Blogosphäre auffällig heftig bewegen bei dieser WM. Die schlimmsten WM-Lieder haben sicherlich die witzigen 5 Freunde im Abseits aus den Tiefen des Webs gefischt. Den WM-Song „R.I.O. – es geht nach Rio de Janeiro“ des Herren-Duos „Fantasy“ hätte ohne die 5 Freunde wohl niemand bemerkt – dabei ist es doch der „beste WM-Song ever, ever, ever!“

Kritische Blicke

Wer sich gegen die WM-Euphorie in der Boulevard-Berichterstattung impfen will, sollte einige Beiträge des oft grummeligen Frank „Trainer“ Baade lesen. Hier spricht der ehrliche Kenner, der den Fußball liebt, ohne dabei unkritisch zu werden. Apropos Kritik: Die Fédération Internationale de Football Association (FIFA) als Ausrichter der Fußball-WM stand wohl noch nie so in der Kritik wie zum Turnier 2014. Der freischaffende Sportjournalist Jens Weinreich schreibt in seinem Blog über Filz und Skandälchen rund um die FIFA, UEFA und das IOC. Seine Beiträge zur WM 2014 sind zwar größtenteils von 2012. Doch wer sie liest, bekommt einen Eindruck davon, wie abgehoben von gesellschaftlichen Realitäten die FIFA ihre Entscheidungen trifft.

Viele dieser Entscheidungen haben dazu beigetragen, dass die Stimmung im Austragungsland Brasilien komplett ins Negative gekippt ist. Weite Teile der Bevölkerung tragen das Event nicht mit. Seit einem Jahr kommt es immer wieder zu Protesten und Ausschreitungen. Nicht auszuschließen, dass die Lage während des Turniers in Straßenschlachten mündet.

Seit August 2013 wird der Protest von brasilianischen „Medien-Ninjas“ dokumentiert und verstärkt. Dies ist eine Truppe von Guerilla-Reportern, die über die App „Mídia Ninjas“ jeden Bürger einladen, Ausschreitungen aufzuzeichnen und auf der Ninjas-Plattform weltweit zu veröffentlichen. Die stets aktuellen Bilder und Videos aus den Städten Brasiliens wirken wesentlich authentischer als vieles, was in der europäischen Berichterstattung serviert wird. Der Ninja-Protest über Web und Smartphones wirkt nach Meinung von politischen Beobachtern in Brasilien wie ein Katalysator, der den Widerstand aufrechterhält und eventuell zur WM eskalieren lässt.

Wer selbst nach Brasilien fährt, um sich Spiele anzusehen, findet auf der Website der deutschen Auslandsvertretungen in Brasilien eine sehr nützliche Anlaufstelle mit Reiseratschlägen, Infos zu Land und Leuten und Notfallhinweisen. Den besten brasilianischen Reiseführer gibts (allerdings auf Portugiesisch) bei Guia 4 Rodas. Auf Portalbrasil werden Statistikfreunde fündig, und unter 100 Paisagens do Brasil finden Sie wunderbare Fotos von Sehenswürdigkeiten in Brasilien, die einfach Lust machen, dieses tolle Land zu erkunden. (hob)

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