Tablet mit Notebook-Ambitionen

Microsofts Surface Pro 3 mit hochauflösendem 12-Zoll-Bildschirm

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Microsoft schickt die dritte Generation seines Windows-Tablets Surface Pro ins Rennen. Das neue Tablet ist mit einem 12-Zoll-Display etwas größer als sein Vorgänger, zugleich aber auch dünner und leichter. Der eingebaute Klappständer ist nun stufenlos einstellbar. Dazu präsentierte Microsoft neue Tastatur-Cover und eine Docking-Station.

Auf einer Presseveranstaltung in New York hat Panos Panay, der Surface-Chef bei Microsoft, die dritte Generation des Windows-Tablets Surface vorgestellt. Obwohl man auf 10-Zoll-Tablets wunderbar Filme gucken und im Internet surfen könne, seien sie zum produktiven Arbeiten zu klein. Somit habe man sich entschlossen, das Surface Pro 3 größer zu machen: Der Touchscreen hat nun eine Diagonale von 12 Zoll. Gleichzeitig wurde das Seitenverhältnis auf 3:2 geändert (Surface Pro 2: 10,6 Zoll im 16:9-Format), um bei vertikaler wie horizontaler Nutzung genug Bildfläche zu haben. Andere Windows- oder Android-Tablets mit 11,6- oder 12-Zoll-Diagonale haben allesamt Bildschirme im Breitformat.

Mit der Diagonale wurde auch die Auflösung erhöht: Statt vormals Full-HD-Auflösung stehen nun 2160 × 1440 Pixel zur Verfügung – macht 216 dpi. Einzelne Pixel sind so fein, dass man sie nicht mehr erkennt; Microsoft bezeichnet den Bildschirm deshalb als „pixelfree“. Ohne Skalierungsfaktor lassen sich Windows und Anwendungen auf solchen Hoch-DPI-Bildschirmen nicht bedienen; wo es derzeit noch hakt, hat c’t erst kürzlich ausführlich beleuchtet [1].

Das Surface Pro 3 ist nur noch 800 Gramm schwer und durchgängig 9,1 Millimeter dünn – beim Vorgänger standen 970 Gramm und 13,5 Millimeter im Datenblatt. Es kommen weiterhin leistungsstarke Core-Prozessoren von Intel bis hinauf zu einem Core i7 zum Einsatz. Die Laufzeit soll um gut 15 Prozent steigen; beim Web-Surfen sind laut Microsoft bis zu neun Stunden möglich.

Besonders stolz ist Panay auf den (wegen der potenten Intel-CPUs zwingend vorhandenen) Lüfter. Man habe ihn in vielerlei Hinsicht überarbeitet, sodass einem das Surface Pro 3 wie ein lüfterloses Tablet vorkomme: Man könne den Lüfter weder hören noch den Luftstrom spüren – und das Metallgehäuse bliebe dennoch kühl.

Kritik angenommen

Microsoft hat sich die Kritik an den Vormodellen zu Herzen genommen, etwa zum integrierten Ständer. Dieser kannte bisher nur zwei Aufstellwinkel; beide waren recht steil. Um wie bei Notebooks jederzeit den optimalen Einblickwinkel beim Betrieb auf Tisch oder Schoß zu haben, erlaubt der Ständer nun stufenlos Aufstellwinkel von steilen 22° bis hin zu fast liegenden 150°.

Als Zubehör gibt es wieder ein anklippbares Type Cover mit Tastatur und Touchpad, letzteres wurde laut Panay nach massiver Kritik von Testern wie Nutzern stark verbessert. Von einem alternativen Touch Cover wie bisher war keine Rede. Damit sich das Type Cover beim Arbeiten auf dem Schoß nicht verwindet, kann man es nach dem Andocken am Tablet über zusätzliche Magnete am unteren Display-Rand befestigen. Dank der Versteifung soll man wie bei einem Notebook tippen können – oder auf dem Schreibtisch die Hände ergonomischer auf der keilförmig aufgestellten Tastatur platzieren. Für den Einsatz am Schreibtisch gibt es wahlweise ein Dock, das das Surface Pro 3 mit zusätzlichen Schnittstellen – darunter ein 4K-fähiger Monitorausgang – zum vollwertigen PC macht.

Der Bildschirm lässt sich nicht nur mit Fingern bedienen, sondern auch per Stift; die Technik dazu kommt nun von N-Trig statt von Wacom. Wie üblich ignoriert der Bildschirm den Handballen, wenn es einen druckempfindlichen Stift erkennt. Zudem hat Microsoft nette Gimmicks eingebaut: Drückt man das hintere Ende des neuen Stifts, öffnet das Tablet automatisch die Notiz-App OneNote – wie bei Kugelschreiber und Notizblock soll man also sofort losschreiben können, wenn man einen Gedankenblitz hat. Doppeldrückt man den Stift in der Kamera-App, wird das Foto in OneNote übertragen, wo man es zurechtschneiden und beschriften kann.

Microsoft hat fünf Konfigurationen des Surface Pro 3 für den deutschen Markt bestätigt, die man seit dem 21. Mai in Microsofts deutschem Online-Store vorbestellen kann. Die Auslieferung soll bis Ende August erfolgen. In den USA und Kanada gehen zumindest i5-Modelle bereits ab Mitte Juni an Vorbesteller. Weil Windows 8.1 auf der SSD installiert ist, steht für eigene Dateien, Apps & Co. wie bei allen Windows-Tablets entsprechend weniger Speicherplatz zur Verfügung. Beim Vorgänger waren es mindestens 27 GByte Platzverlust.

Der optionale N-Trig-Stift kostet 50 Euro, das in fünf Farben erhältliche Type Cover satte 130 Euro – und eine daran anklebbare Schlaufe zur Stiftbefestigung nochmals extra. Für ein Ersatz-/Zweitnetzteil (36 Watt) werden 80 Euro fällig. Das angekündigte Dock ist bis Redaktionsschluss nicht im Store aufgetaucht; Microsoft Deutschland konnte auf Nachfrage weder Preis noch Verfügbarkeit nennen. Im Vorfeld der New-York-Veranstaltung war eigentlich ein kleineres 8-Zoll-Tablet erwartet worden, doch davon fehlte jede Spur. Laut der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg wurden die Arbeiten an einem solchen „Surface Mini“ durch Microsoft-CEO Satya Nadella und den von Nokia kommenden neuen Hardware-Verantwortlichen Stephen Elop in letzter Sekunde auf Eis gelegt. (mue)

Literatur
  1. [1] Martin Fischer, Jan-Keno Janssen, Scharfmacher, 4K an Mac und PC, c’t 10/14, S. 116

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