Neues Spiel, neues Fernsehglück

Trends der Breitbandmesse ANGA COM 2014

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Die diesjährige Kölner Fachmesse und Konferenz für Kabel, Breitband und Satellit (früher „ANGA Cable“) drehte sich zwar vorrangig um die in den kommenden Jahren startenden Ultra-HDTV-Ausstrahlungen. Es gab aber auch Neuheiten, die das Fernsehschauen kurzfristig schöner machen.

Where Broadband Meets Content“ lautete das Motto der diesjährigen ANGA COM – und tatsächlich war beim Messerundgang der Durst nach passenden Inhalten spürbar, ohne die auch fortschrittlichste Technik eine leblose Hülle bleibt: An allen Ecken und Ende wurde die Übertragung von Ultra-HDTV-Sendungen mit einer Auflösung von 3840 ×  2160 Punkten mit 50 oder 60 Vollbildern pro Sekunde mit ein und denselben Demoschnipseln demonstriert – allen voran Mittschnitte der Bundesligapartie FC Bayern München gegen Werder Bremen. In freier Wildbahn wird man das für Sportübertragungen und damit für Ultra-HDTV wichtige Format frühestens 2015 erleben; daher ist auch nicht dramatisch, dass die nötigen Decoder-Chips für die Ultra-HDTV-Receiver nicht vor Jahresende fertig werden.

Wesentlich stärker im Hier und Jetzt war das zweite große Messethema: das Streaming von Digitalfernsehen im LAN. Der große Wurf hätte da die Präsentation der neuen Fritzbox 6490 auf dem Stand des Kabel-Providers Unitymedia werden können, da dieser Kabelrouter eine Cable-IP-Funktion bietet – analog zur in c’t 22/13 vorgestellten Sat-IP-Technik, nur eben zur Übertragung von digitalem Kabel-TV. Allerdings konnte der in Nordrhein-Westfalen und Hessen tätige Provider auf Nachfrage nur sagen, dass der neue Router im zweiten Halbjahr verfügbar sein wird – jedoch nicht, ob besagte Cable-IP-Funktion auch aktivierbar sein wird.

Fritzbox-Hersteller AVM selbst zeigte aber einen WLAN-Repeater mit Kabelanschluss für rund 100 Euro, der dieses Feature mitbringt. Natürlich arbeitet der Repeater mit Cable-IP-Anwendungen zusammen, der Hersteller will aber auch eine App für Android und iOS herausbringen. Für Sat-TV-Gucker bringt Schwaiger zum gleichen Preis eine kleine Wandwarze, die mit der Schüssel empfangene Fernsehsignale im Sat-IP-Standard ins WLAN einspeist.

Humax zeigte mit dem iCord Pro seinen ersten Recorder mit integriertem HD+ Zugangssystem, der SAT-IP unterstützt – allerdings erwartungsgemäß nur bei unverschlüsselt übertragenen TV-Programmen. Mittels AirPlay lassen sich Multimedia-Inhalte von iPhones, iPads und Macs über den Receiver am TV wiedergeben. Der ab Juni für rund 380 Euro erhältliche iCord Pro hat zwei Sat-Tuner und eine 500-GByte-Festplatte.

Die Besonderheit der Linux-Box Prismcube Jet ist ihr modularer Aufbau aus zwei zusammensteckbaren Teilen. Der eigentliche Digital-TV-Receiver hat laut Hersteller die derzeit schnellste Settop-Box-CPU eingebaut (2 GHz, Dual Core, 5000 DIMPS), bietet ein flexibles Tuner-System (alle Empfangswege in Single- oder Dual-Ausführung) und die nahtlose Verbindung der XBMC-Oberfläche mit dem programmbegleitenden Online-Dienst HbbTV. Die fehlende Funktion zum Empfang von Pay-TV lässt sich über ein Modul nachrüsten, das ein Common Interface (CI) für CAMs (Conditional Access Module) samt Abokarte bereitstellt. Daneben hat der Zusatz ein Dock für externe 2,5-Zoll-Festplatten; allerdings kann der Jet seine TV-Mitschnitte auch direkt auf einen Netzwerkspeicher (NAS) ablegen. Der Preis steht noch nicht fest.

Kathrein will mit dem UFS connect 916 im August bei smarten Receivern ein neues Zeitalter einläuten. Bei dem 310 Euro teuren Sat-TV-Empfänger wurde dafür vor allem der EPG überarbeitet: So wird beim Aufruf einer Serienepisode automatisch angezeigt, wann und wo weitere Folgen zu sehen sind – und zwar quellenübergreifend. So integriert der Receiver auf bei YouTube abrufbare Episoden in die Liste. Bei Filmen erhält man beispielsweise weitergehende Informationen zu Schauspielern und Regisseuren – und begibt sich auch hier wieder per Knopfdruck auf die Suche nach verwandten Inhalten. Möglich macht dies die Anbindung an die Metadatenbank Gracenote.

Ebenfalls direkt in den elektronischen Programmführer eingebunden werden sollen die Mediatheken der TV-Sender. Nicht nur in diesem Zusammenhang ist die Ankündigung des WDR-Intendanten Tom Buhrow auf der ANGA-COM-Konferenz interessant, wonach die bislang geltende 7-Tage-Regelung (nach der viele Inhalte gelöscht werden) künftig durch eine längere Frist ersetzt werden soll. Über die neuen Reglements werde noch diskutiert. Zudem kündigte Buhrow ein Plug-in an, über das sich (Live-)Inhalte des WDR in andere Websites integrieren ließen. (nij)

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