20 Jahre und kein Update

@ctmagazin | Editorial

"Medien nehmen heute eine zentrale Stellung in der privaten und beruflichen Lebenswelt sowie in der öffentlichen Meinungsbildung ein und beeinflussen, prägen und strukturieren nachhaltig die Erfahrungen eines jeden einzelnen - vor allem aber der Kinder und Jugendlichen." So beginnt eine einstimmig beschlossene Erklärung der Kultusministerkonferenz (KMK) - das war 1995.

Das Problem mit Allgemeinplätzen dieser Art: Sie bewegen nichts. Nötig wären konkrete Vorgaben zur Versorgung der Schulen mit Breitband-Internetzugängen, zur Lehrerausbildung, zu einheitlichen Bildungsstandards. Nach wie vor ist nicht verbindlich festgelegt, wie Medienbildung und Informatikkenntnisse an Schulen vermittelt werden sollen. Nur in 3 von 16 Bundesländern steht Informatik in der Mittelstufe als Pflichtfach auf dem Stundenplan. 2010 fand eine Analyse aller in den Bundesländern geltenden Richtlinien sage und schreibe 43 verschiedene Informatik-Lehrpläne.

Besserung ist nicht in Sicht. So gibt es keinen Zeitplan für die flächendeckende Ausstattung aller Schulen mit Breitbandanschlüssen. Es fehlt immer noch ein bundesweit gültiger Bildungsstandard, wie ihn die KMK für viele andere Fächer festgelegt hat. In der gymnasialen Oberstufe können Schüler mit Informatik nicht ihre Belegungsverpflichtung für die Naturwissenschaften erfüllen, denn Informatik ist den Fächern Biologie, Chemie und Physik nicht gleichgestellt. Trotz Interesse am Fach entscheiden sich Schüler deshalb häufig gegen Informatik im Abitur.

An den oft gescholtenen Lehrern liegt es nicht. Die bei der Recherche zu den Artikeln ab Seite 100 befragten Lehrer standen uns auch weit nach Feierabend Rede und Antwort und blieben geduldig bis hartnäckig, wenn die Verbindung durch Funklöcher unterbrochen wurde. Sie berichteten mit sehr viel Enthusiasmus von ihrer Arbeit. Deutlich wurde aber auch ihr Unverständnis für das zögerliche Handeln der Bildungspolitiker.

Die kommen nämlich beim Thema Schul-IT nicht recht voran. Erst unmittelbar vor Druckschluss dieser Ausgabe erhielten wir eine Mail der KMK mit Antworten auf eine Reihe von fast drei Wochen alten Fragen. Darin steht: "Neue Medien sind aus der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Auch in der Schule gewinnen neue Medien an Bedeutung. Sie eröffnen Chancen für einen Unterricht, der das individualisierte Lernen in den Mittelpunkt rückt. Neue Medien können damit einen wichtigen Beitrag zur Förderung von Lernprozessen leisten." Dreimal "neue Medien" in vier Sätzen ... aber inhaltlich leider so gar nichts Neues.

Dorothee Wiegand Dorothee Wiegand

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