Nehmen und geben

Open-Source-Lizenzen und ihre Implikationen

Wissen | Recht

Open-Source-Software von Android über Firefox bis OpenOffice ist für viele Anwender zu einem täglichen Begleiter geworden. Programmierer und Softwarehersteller finden in den offenen Quelltexten einen gewaltigen Pool an Know-how – dessen Nutzung aber Einschränkungen unterliegt. Wir schlagen einen Pfad durch den Dschungel der Open-Source-Lizenzen.

Krebsgeschwür – mit dieser ebenso unschönen wie plakativen Metapher bezeichnete der damalige Microsoft-Chef Steve Ballmer einst Open-Source-Software; genauer gesagt die populärste Open-Source-Lizenz, die General Public License (GPL). Damit wollte Ballmer ausdrücken, dass jeder Programmcode, der mit GPL-Software in Berührung kommt, ebenfalls zu GPL-Bedingungen lizenziert werden müsse. In dieser Verallgemeinerung ist das Unfug, es steckt aber auch ein Körnchen Wahrheit darin: Was genau die GPL unter welchen Bedingungen mit Nicht-GPL-Code von Dritten anstellt, ist eine Frage, die Entwickler, Unternehmen und Juristen bis heute beschäftigt und Einfluss auf die gesamte Open-Source-Landschaft hat.

Probleme entstehen nämlich immer dann, wenn freier Code unter unterschiedlichen Open-Source-Lizenzen miteinander oder mit proprietärer Software kombiniert werden soll. Was Open Source ausmacht, legen die Open-Source-Definition der Open Source Initiative (OSI) und die vier Freiheiten der Free Software Foundation (FSF) in ganz ähnlicher Weise fest (siehe Kasten). Populäre Open-Source-Lizenzen sind neben den verschiedenen GPL-Varianten die Apache- und die BSD-/MIT-Lizenz; insgesamt zählt die OSI 70, die FSF rund 90 verschiedene Open-Source-Lizenzen.

Um gleich einen verbreiteten Irrtum aufzuklären: Der Autor einer Software gibt sein Copyright nicht auf, wenn er Code unter eine Open-Source-Lizenz stellt; er erteilt lediglich eine Lizenz zur Nutzung der Software, die – verglichen mit proprietären Software-Lizenzen – ziemlich viele Rechte einräumt. Die Beibehaltung von Copyright-Hinweisen ist sogar eine wichtige Bedingung vieler Open-Source-Lizenzen: Die Würdigung aller Autoren einer Software ist eines der größten Anliegen der Szene.

Das zweite große Anliegen vertritt vor allem die FSF: Enthält ein Programm Open-Source-Code, muss dieses ebenfalls unter einer freien Lizenz stehen. Dieser „Copyleft“-Effekt soll dafür sorgen, dass Arbeit, die auf freiem Code aufbaut, selbst wieder frei verfügbar ist, also der Allgemeinheit und damit auch dem ursprünglichen Entwickler zugute kommt. Nicht alle Open-Source-Lizenzen enthalten ein Copyleft. ...

Was ist Open Source?

Damit sich eine Software als Open Source oder freie Software qualifiziert, muss sie einige grundlegende Bedingungen erfüllen:

 Keine Einschränkung der Nutzung: Es dürfen weder einzelne Nutzungsarten, beispielsweise kommerzielle Nutzung, noch spezielle Nutzergruppen, etwa Militär, ausgeschlossen werden.

 Zugang zu den Quelltexten: Die Quelltexte sind verfügbar und deren Veränderung ist erlaubt.

 Freie Weitergabe: Jeder darf die Software weitergeben, ohne dass dafür Lizenzgebühren berechnet werden.

 Abgeleitete Werke: Veränderte Versionen der Software dürfen erstellt und weitergegeben werden.

Freie Software und Open Source

Mit dem Begriff „Freie Software“ stellt die Free Software Foundation die Freiheiten für den Anwender in den Vordergrund, die man mittels Copyleft-Lizenzen aufrechterhalten will. FSF-Gründer Richard Stallman wird nicht müde, die Freiheit der Software gegen alle Anfeindungen (und Argumente) zu verteidigen. Dieses kompromisslose Gebaren führte letztlich zur Gründung der Open Source Initiative, deren Inhalte bis heute durch ihren Mitgründer Eric S. Raymond geprägt sind.

Die OSI wollte vor allem kommerziellen Anwendern den Zugang zu Open Source erleichtern, indem sie sich vom Aktivismus der FSF-Anhänger distanziert. Sie verwendet den Begriff Open Source und betont so die offenen Quelltexte, die über einen gemeinschaftlichen Entwicklungsprozess letztlich eine bessere Produktqualität garantieren sollen. In der Praxis werden beide Begriffe synonym gebraucht, häufig findet sich auch die politisch korrekte Abkürzung FLOSS für Free/Libre Open Source Software – das „Libre“ soll deutlich machen, dass „Free“ im Sinne von „frei“, nicht von „gratis“ gemeint ist.

Beide Organisationen sind sich weitgehend einig über die Definition freier und Open-Source-Software. Aber die FSF empfiehlt Open-Source-Entwicklern FLOSS-Lizenzen mit Copyleft, allen voran die diversen GPL-Varianten. Die OSI präferiert hingegen weniger restriktive Lizenzen wie die Apache-Lizenz 2.0, die auch die Kombination mit proprietärem Code erlauben.

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c't 15/2014, Seite 144 (ca. 5 redaktionelle Seiten)
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Artikel-Vorschau
  1. General Public License
  2. Was man darf
  3. GPL v3 und Verwandte
  4. Permissive Lizenzen
  5. Um- und Mehrfachlizenzierung
  6. Unlizenzierter Code
  7. Lizenzen vor Gericht
  8. Fazit
  9. Freie Software und Open Source
  10. Ein Beispiel aus der Praxis
  11. Was ist Open Source?
  12. Mit Rat und Tat

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Infos zum Artikel

Kapitel
  1. General Public License
  2. Was man darf
  3. GPL v3 und Verwandte
  4. Permissive Lizenzen
  5. Um- und Mehrfachlizenzierung
  6. Unlizenzierter Code
  7. Lizenzen vor Gericht
  8. Fazit
  9. Freie Software und Open Source
  10. Ein Beispiel aus der Praxis
  11. Was ist Open Source?
  12. Mit Rat und Tat
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