Prozessorgeflüster

Von Wiederbelebung und Wiedergeburt

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Dem PC-Markt geht es nach längerer Durststrecke wieder etwas besser. Intel kann mit tollen Quartalszahlen glänzen, AMD legt ebenfalls zu, wenn auch unter den Erwartungen, und vom Alpha Centauri kommt vielleicht bald wieder jemand per Rücksturz zur x86-Erde.

Dass der frische Wind auf dem PC-Markt IBM bewogen haben könnte, die Chipwerke in East Fishkill erst mal doch zu behalten, ist eher unwahrscheinlich. Vielleicht war es die noch fehlende Zustimmung des US-Handelsministeriums zum geplanten Verkauf an Lenovo oder Bedenken der US-Regierung oder schlicht eine Nichteinigung beim Kaufpreis – jedenfalls kam der erwartete Deal mit Globalfoundries nicht zustande, noch nicht.

Den beschriebenen Aufwind auf dem PC-Markt hat offenbar vor allem das Ende von Windows XP entfacht und so insbesondere den Verkauf von Ultramobil-Notebooks angekurbelt. Laut Marktforschungsinstitut Gartner wird der weltweite Absatzrückgang in diesem Jahr nur noch 2,9 Prozent betragen, weit weniger als ursprünglich befürchtet. In den Jahren zuvor brach der Markt noch um jeweils mehr als 10 Prozent ein. Für 2015 sind die Gartner-Auguren noch optimistischer und sehen leichte Silberstreifen mit positiven Zuwächsen am PC-Horizont.

Vor allem die Industrieländer haben für Belebung gesorgt, hier zeichnet sich sogar bereits in diesem Jahr ein geringes Plus von 0,1 Prozent ab. Die Schwellenländer setzen hingegen weiterhin auf preiswerte Tablets und Smartphones – oder auf Macs. Nach Analysen von Needham & Co. konnte Apple bei den Macs in diesen Regionen zweistellige Zuwachsraten verbuchen, während in Europa und Japan die Mac-Verkäufe bislang rückläufig sind.

Ob nun PC oder Mac, Intel ist immer dabei und konnte so von der Marktbelebung profitieren. Mit einem Umsatz von 13,8 Milliarden US-Dollar übertrafen die Kalifornier die Erwartungen. Sie legten im zweiten Quartal 2014 um 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Der Gewinn wuchs noch kräftiger um 40 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar an. Das nächste Quartal, so Intels Ausblick, könnte sogar mit 14,4 Milliarden Dollar das beste aller Zeiten werden. Die Verzögerung der nächsten Prozessorgeneration Broadwell von – laut Intel-Chef Krzanich – allenfalls einem halben Jahr scheint die Bilanzen nicht sonderlich zu stören, eher im Gegenteil. Nachfolger Skylake soll allerdings voll im Zeitplan noch für Ende 2015 liegen.

Die fast ohne Konkurrenz agierende Data Center Group legte im abgelaufenen Quartal sogar um 19 Prozent zu; sie ist inzwischen für über ein Viertel der Gesamteinkünfte verantwortlich. Den Löwenanteil steuert aber weiterhin die PC Client Group mit 8,7 Milliarden bei, die diesmal aber auch ein Plus in Höhe von 9 Prozent ausweisen konnte. Die Mobile and Communications Group rund um die Atoms für Tablets und Smartphones hingegen kostet nur, insbesondere bedingt durch teure Rabattierungsprogramme. Ihr Umsatzbeitrag brach daher um 83 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf läppische 51 Millionen ein.

Bitcoin-Bumerang

Mitbewerber AMD konnte von der Markterholung allerdings nicht ganz so profitieren. Zwar stieg der Umsatz um 24 Prozent auf 1,44 Milliarden US-Dollar, das reichte aber nicht für schwarze Zahlen. Immerhin halbierte sich der Verlust von 74 auf 36 Millionen. Analysten hatten aber einen Gewinn erwartet und da war die Enttäuschung groß: Der Aktienkurs brach unmittelbar nach Bekanntgabe der Quartalszahlen heftig um 19 Prozent ein. Seit Anfang Juli hat AMD die neue operative Chefin Lisa Su und eine neue Firmenstruktur, aufgeteilt in zwei große Business-Groups: Computing und Graphics sowie Enterprise, Embedded und Semi-Custom. Bislang wurden Computing Solutions sowie Graphics und Visual Solutions getrennt bilanziert. Der erstgenannte Sektor erlitt einen Umsatzverlust von 20 Prozent, der zweite konnte vor allem dank der Spielkonsolen um 141 Prozent zulegen.

Die externen GPUs jedoch verloren um 10 Prozent – begründet insbesondere auch wegen Bitcoins, wie AMD-Chef Rory Read in der Bilanzpressekonferenz einräumen musste. Im letzten Jahr wurden nämlich zahlreiche High-End-Radeons fürs Schürfen von Münzen verkauft. Der Geheimtipp Radeon HD 5870 etwa ging dafür weg wie geschnitten Brot, was die Bilanz spürbar verbesserte. Doch jetzt, fürs Mining längst untauglich geworden, aber als GPGPU für andere Aufgaben noch hervorragend verwertbar, fluten sie die Gebrauchtmarktbörsen, drücken so die Verkaufspreise und verhageln AMD die Bilanzen.

Raumpatrouille

Commander Cliff Allister McLane hat ja nun leider das Kommando abgegeben und kann nicht mehr den aus der Tiefe des Raums vom Sternbild Zentaur geplanten Rücksturz zur Erde miterleben – der womöglich in Gestalt des Quad-Core-Prozessors von VIA, Iasaia II (CN-R), für den 31. August vorgesehen ist. Die letzten Einträge der alten Centaur-Website datieren noch aus dem Jahr 2009 – nun läuft ein Countdown-Zähler auf www.centtech.com

Findige Kollegen der tschechischen Website Extrahardware haben derweil in Sisofts Ranking-Datenbank Sandra-Werte für einen ominösen VIA Quad-Core mit 2 GHz Takt und 2 MByte L2-Cache ausfindig gemacht, also just mit den Eckdaten des QN-R, die mir Centaur-Chef Glenn Henry bei meinem Besuch im Herbst 2012 verraten hat. Nach den vorläufigen Daten schlägt er sich in einer Plattform namens VIA VT3456 8611EMB bei Sandra gar nicht so schlecht und steckt einen 4-Kern-Atom-Z3770 locker in die Tasche. Vor allem in seiner Paradedisziplin Processor Cryptography kann er punkten, aber auch in den anderen Sandra-Disziplinen liegt er klar vorn, ist bei Multimedia, Finanzanalyse und Multi-Core-Effizienz gut doppelt so schnell.

AVX2, wenn auch ohne FMA und Transactional Memory, so hatte Henry mir den angepeilten Instruktionssatz beschrieben – davon kann ein Atom ohnehin nur träumen.

Gefertigt wird der CN-R nach Henrys Aussage im TSMC-28-nm-Prozess, nur kennt man leider seine TDP noch nicht. Der damals noch schwebende Patentstreit mit Apple wurde Ende 2012 gütlich beigelegt. Man kann davon ausgehen, dass Apple den einen oder anderen Dollar herübergeschoben hat, genug, um die kleine Centaur-Crew in der texanischen Hauptstadt Austin für Jahre am Leben zu erhalten. Aber nun hat Centaur ja ein möglicherweise gar nicht so schlechtes Produkt – wer weiß, was im geheimen Settlement mit Apple noch so alles enthalten ist. (as)

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