Kleiner Turbo, großes Sparschwein

Bundesnetzagentur gibt Startschuss für VDSL-Vectoring

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Zwar veröffentlicht die Telekom keine Zahlen, aber mit der Abkehr vom Breitbandausbau per Glasfaser dürfte die Firma Milliarden sparen. Stattdessen holt sie per VDSL-Vectoring noch einmal das Letzte aus ihrem Kupfernetz heraus. Einfach so darf sie das Vectoring aber nicht starten, weil ihr Netz weiterhin der Regulierung unterliegt.

S chon im August 2012 hatten Analysten von J. P. Morgan der Deutschen Telekom empfohlen, statt des teuren Glasfaserausbaus auf die Alternativtechnik VDSL-Vectoring umzusteigen. Glasfaser-Hausanschlüsse, auch als Fiber-to-the-Home bekannt (FTTH), liefern zwar wie Kabelanschlüsse bis zu 200 MBit/s zum Kunden, erfordern aber weit mehr Aufwand – etwa für Erdarbeiten zum Verteilen der Glasfasern. VDSL-Vectoring versprach zwar deutlich geringere Spitzenraten, aber zu einem Bruchteil der auf etwa 40 Milliarden Euro geschätzten Kosten für FTTH: Es soll die Telekom den Analysten zufolge nur 5 bis 6 Milliarden Euro kosten.

Damit hatte die kostengünstige und mittelfristige Alternative dem gut gestarteten Glasfaserausbau der Telekom den Garaus gemacht. Zwei Jahre später ist Vectoring aber immer noch nicht definitiv einsetzbar, weil dafür unter anderem gravierende Änderungen an der Regulierung des Tk-Markts erforderlich waren. Zwar gehört das Kupfernetz weiterhin der Telekom, es unterliegt aber der Regulierung. Diese fordert, dass Mitbewerber darüber eigene Zugänge zu den Teilnehmern erhalten.

Weniger ist viel mehr

Das war beim Vectoring, wie es die Telekom vorgeschlagen hatte, ein Problem: Die von der Bundesnetzagentur zugelassene Variante gründet darauf, dass eine Steuereinheit im Kabelverzweiger (KVz), dem grauen Kasten am Bordstein, installiert wird. Sie passt die Signale aller Teilnehmermodems eines Kabelbündels so an, dass Übersprechstörungen zwischen den Leitungen minimiert werden. So nimmt die Signalqualität zu und damit auch die Datenrate. In der Konfektionierung der Telekom verdoppelt sich die Downlink-Rate gegenüber VDSL von maximal 50 MBit/s auf bis zu 100 MBit/s.

Die Regelung der Bundesnetzagentur schließt aber aus, dass mehr als ein Provider die zentrale Einheit einrichtet und verwaltet – denkbar wäre ja auch, dass mehrere interessierte Provider zusammen einen KVz ausbauen, verwalten und nutzen. Stattdessen hat die Agentur ein neues Wettbewerbsfeld geschaffen: Die Mitbewerber der Telekom können nicht mehr einzelne nackte Kupferdoppeladern mieten, um darauf nach Wahl des Kunden ADSL2+, SDSL, VDSL oder was auch immer zu schalten. Jetzt müssen sie entweder gleich den ganzen Kabelverzweiger nehmen oder ein Bitstrom-Produkt, das lediglich VDSL-Vectoring-Anschlüsse zu ihrem Netz durchstellt (Layer-2-Ankopplung).

Zwei Jahre später

Wie das im Einzelnen geht, wer also welchen Kabelverzweiger wo registriert und ob er ihn auch bekommt, das hat die Bundesnetzagentur im Laufe etlicher Monate genau geregelt. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu haben wir online zusammengefasst (siehe ct.de/-2277923). Den Startzeitpunkt für den Vectoring-Ausbau bildet die Öffnung eines Registers, in welchem Interessenten ihre Wunsch-KVz eintragen können. Diese Vectoring-Liste hat seit Ende Juli geöffnet.

Die Bundesnetzagentur hat festgelegt, dass die Deutsche Telekom die Vectoring-Liste führen darf. Jürgen Grützner, Geschäftsführer des VATM, fordert deshalb: „Die Bundesnetzagentur muss die Liste und die Umsetzung der Reservierungen streng kontrollieren. Es darf nicht zu Blockaden und Rosinenpicken durch die Telekom kommen. Es darf keine strategischen Reservierungen des Ex-Monopolisten geben, die den Ausbau der Wettbewerber erschweren.“

Beim KVz-Ausbau gilt nämlich das Windhund-Prinzip: Wer einen Kabelverzweiger (KVz) für VDSL-Vectoring erschließen möchte und in die Vectoring-Liste einträgt, reserviert ihn damit und hat ab dann ein Jahr Zeit für den Ausbau. Wollen mehrere Netzbetreiber denselben KVz, erhält derjenige den Zuschlag, der den kurzfristigsten Erschließungszeitpunkt einträgt.

Engmaschige Kontrollen

Man kann sich leicht vorstellen, dass ein unabhängiges Institut oder die Bundesnetzagentur prinzipiell einer geringeren Versuchung ausgesetzt sind, diese Liste zu eigenen Gunsten zu verwenden als die Telekom, die den Mitbewerb gelegentlich zu nahe zu spüren bekommt.

Ein Teil der Maßnahmen gegen Missbrauch der Liste besteht darin, dass der ehemalige Monopolist seine Einträge schon einen Tag vor dem Start bei der BNetzA hinterlegen musste. So will die Agentur ausschließen, dass die Telekom ihre Ausbautermine in Reaktion auf Ausbaupläne der Mitbewerber vorverlegt, um Mitbewerber von lukrativen Ausbaugebieten fernzuhalten. Auch besteht ein Schadenersatzanspruch für den Fall, dass die Telekom die Vectoring-Liste sorgfaltswidrig führt.

Bundesweit will die Telekom nun rund 38 000 KVz mit Vectoring erschließen. Von den Mitbewerbern sind inzwischen auch Details zu hören. Ewe Tel hat nur rund 3000 KVz auf dem Zettel, das kleine Berliner DNS:NET sogar nur wenige Hundert. Mit dem Start des Vectoring-Angebots der Telekom rechnen Fachleute ab der zweiten Jahreshälfte 2014. Details zu den Tarifen der Telekom finden Sie auf Seite 24. (dz)

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