Liebe Facebook-Macher,

@ctmagazin | Editorial

vor ein paar Tagen habt Ihr etwas gemacht, das viele Eurer Nutzer verärgert hat: Ihr habt Eurer Mobil-App die Funktion genommen, simple Textnachrichten an Facebook-Freunde zu verschicken. Ab sofort muss man dafür eine zusätzliche App installieren, den Facebook Messenger. Alles halb so wild, dachtet Ihr wohl, den benutzt doch eh schon jeder. Er kann ja auch viel mehr als die normale Facebook-App.

Doch nicht alle Eurer Nutzer wollen den Messenger benutzen, und sie wollen erst recht nicht dazu genötigt werden. Reihenweise kündigen sie in Internetforen an, als Konsequenz alle Facebook-Apps vom Handy zu werfen, Facebook unterwegs nur noch im Browser zu nutzen oder Eurem Dienst gleich ganz den Rücken zu kehren. Wie viele das wirklich durchziehen, weiß ich nicht, aber ich fand diese Reaktionen im ersten Moment überzogen und kindisch - vermutlich, weil ich den Messenger schon länger nutze und ihn eigentlich ganz gut finde.

Doch je länger ich darüber nachdenke, desto besser kann ich die Aufregung verstehen: Ich lass mich auch nicht gerne bevormunden. Ihr stoßt eine ganze Menge Leute vor den Kopf, die per Facebook einfach nur mit ihren Freunden texten wollen - keine Bilder verschicken, keine Sprachnachrichten aufzeichnen, und nein, auch nicht telefonieren, dafür gibt’s schließlich Telefone. Und bei denen, die Ihr schon öfter bevormundet habt, bringt es das Fass zum Überlaufen.

Ihr beruft euch darauf, dass der Entwicklungs- und Wartungsaufwand geringer sei, wenn die Nachrichtenschreiberei nur in einer App gepflegt werden muss. Es geht ums Geld - das ist okay, Ihr seid ein gewinnorientiertes Unternehmen. Aber wo wir gerade bei Geld sind: Seit Februar habt Ihr ja auch WhatsApp an der Backe. Verschlingt dessen Pflege nicht auch einiges an Geld? Ich bin sicher, das tut sie.

Wer über Facebook und über WhatsApp mit seinen Freunden textet, muss nun zwei Apps installieren, die aber doch beide so ziemlich das gleiche machen. Je länger ich darüber nachdenke, desto dämlicher finde ich das. Deshalb mein Vorschlag: Hört auf, an Euren Nutzern vorbeizuentwickeln - und legt den Facebook Messenger mit WhatsApp zusammen! Macht einen universellen Messenger, der Eure beiden Chatdienste versorgt. Wenn Ihr schon dabei seid, könnt Ihr gleich eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung einbauen - so etwas hat jüngst sogar die Post hinbekommen.

Und nun kommt’s: Wenn Ihr WhatsApp nicht mehr separat pflegen müsstet, bliebe sogar noch ein bisschen Geld übrig, um das Rumgetexte in der Facebook-App weiterhin zu erlauben.

Ihr habt es in der Hand, eure Nutzer zu verärgern - aber Ihr könnt sie auch glücklich machen.

Jan Schüßler

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