Mobilgeräte

IT-Mythen

Wissen | Know-how

Kaum ein Stück moderner IT ist seinem Besitzer stets so nah wie sein Smartphone – kein Wunder, dass jede seiner Regungen genau beobachtet, registriert und überinterpretiert wird. Vor allem um die Akkus rankt sich mancher Mythos. Klar, den kostbaren Saft will man bis zum letzten Tropfen auskosten, ehe das Handy in Tiefschlaf fällt, aus dem es erst die nächste Steckdose wieder erweckt.

Wenn ich Apps schließe, wird mein Smartphone schneller.

Normalerweise ist es nicht nötig, Apps zu schließen, denn Android, iOS und Windows Phone sorgen dafür, dass unbenutzte Anwendungen im Hintergrund keine Ressourcen benötigen. Wird der Hauptspeicher knapp, werden Apps automatisch geschlossen.

Falls sich der Akku ungewöhnlich schnell leert, lohnt sich allerdings ein Blick auf die Hintergrund-Aktivitäten. Insbesondere unter Android können einzelne Apps durchaus mal querschießen – sei es, weil sie schlecht programmiert sind, sei es, weil man einen laufenden Hintergrunddienst vergessen hat, etwa einen GPS-Tracker oder ein Internetradio.

Android zeigt unter Einstellungen/Akku den Stromhunger von Apps, Systemdiensten sowie Display und anderen Hardwarekomponenten an. Auffällige Apps kann man antippen und dann ihren „Stopp erzwingen“. Alternativ startet man durch langes Drücken auf den Home-Knopf einen Task-Manager, aus dem man Apps per Wisch zur Seite beendet.

Windows Phone entlarvt Akkufresser unter Einstellungen/Stromsparmodus auf dem Reiter namens Nutzung. Wer auf eine App tippt, kann ihr den Hintergrundbetrieb verbieten. Langes Drücken auf den Zurück-Knopf öffnet eine Ansicht, in der man durch Tipp auf ein X alle im Hintergrund wartenden Apps einzeln beenden kann.

Apples Mobilgeräte bekommen erst mit iOS 8 einen CPU-Monitor – den findet man dann unter Benutzung/Batterieverbrauch. Bis dahin gibt es nur den Task-Manager (Home-Doppelklick), aus dem man Apps per Wisch nach oben schließt. (jow)

Lumia-Smartphones haben alle eine tolle Kamera.

Das stimmt so nicht, denn Nokia setzt in die unterschiedlichen Modellen der Reihe verschiedene Kameramodule ein. Besonders positiv hervorzuheben ist die 41-Megapixel-Kamera im Lumia 1020, die in unseren Testlaboren hervorragende Ergebnisse erzielte. Auch die Kameras des Lumia 1520, 920 und 930 gehören zur Spitzengruppe. Hingegen steckt in den billigeren Modellen keine bessere Technik als in vergleichbaren Android-Geräten anderer Hersteller: Das Lumia 520 hat beispielsweise nur eine bestenfalls mittelmäßige 5-Megapixel-Kamera ohne Blitz. (acb)

Durch falsches Laden kann ich den Akku meines Notebooks oder Smartphones ruinieren.

Lassen Sie sich von Ihrem Akku nicht terrorisieren! Wichtig sind ein paar Grundregeln: Wasser, Stürze und andere mechanische Einwirkungen können einen Akku permanent beschädigen. Bläht er sich nach so einem Zwischenfall auf, sollten Sie ihn nicht mehr verwenden.

Des Weiteren ersparen Sie Ihrem Akku Stress, wenn Sie Tiefentladungen sowie Temperaturen über 40 Grad Celsius und unter dem Gefrierpunkt vermeiden. Lassen Sie Smartphone und Notebook also nicht im direkten Sonnenlicht liegen, vor allem nicht im Auto, packen Sie das Smartphone beim Skifahren gut weg und laden Sie Ihre Akkus rechtzeitig nach. Zwischenzeitliches Aufladen schadet nicht, einen Memory-Effekt gibt es bei Lithium-Ionen- und Lithium-Polymer-Akkus nicht. Soll ein Gerät länger ungenutzt bleiben, schalten Sie es komplett ab, nachdem sie den Akku etwa zur Hälfte aufgeladen haben.

Jenseits solcher einfachen Regeln wird es aufwendig und Sie müssen Unbequemlichkeiten in Kauf nehmen – bei vernachlässigbarem Gewinn an Akkulebensdauer. Da jeder komplette Ladezyklus den Akku abnutzt, ist es im Prinzip am schonendsten, Akkus stets nur auf etwa 80 Prozent aufzuladen und dann bis rund 10 Prozent zu nutzen. Einige Notebooks und Smartphones haben die Möglichkeit, den Ladevorgang vor Erreichen der vollen Kapazität automatisch abzubrechen. Aber selbst bei liebevollster Pflege können Sie nicht verhindern, dass Ihre Akkus über die Jahre an Kapazität verlieren. Gute Exemplare erreichen nach fünf Jahren und 1000 Ladezyklen (entspricht einem pro Werktag) noch 80 Prozent ihrer anfänglichen Kapazität, schlechte fallen nach weniger als zwei Jahren unter 60 Prozent. (jow)

Akkus können einfach so explodieren – besonders Nachbau-Akkus sind gefährlich.

Von sich aus explodierende Akkus gibt es zwar, doch sie sind extrem selten: Weltweit werden weniger als zehn Fälle pro Jahr bekannt. Die Ursache sind meist Produktionsfehler der Zellen-Zulieferer. Die dürften zwar bei Billigakku-Herstellern eher mal durchrutschen, aber auch die renommierten Firmen sind dagegen nicht gefeit. Immerhin reagieren sie meist schneller mit Rückrufen.

Viel häufiger sind Defekte aufgrund von falscher Lagerung, die Akkus aller Hersteller treffen können: zu hohe oder zu niedrige Umgebungstemperatur, Feuchtigkeit, mechanische Beschädigung. Eher als einen explodierenden Akku erwischen Sie daher wahrscheinlich einen alten, der nur noch 15 Minuten hält. Oder Sie sitzen einem eBay-Betrüger oder einem Händler im Ausland auf, der gar nicht liefert. Vor allem deswegen sollte man von auffällig billigen Akkus ohne Händler-Gewährleistung die Finger lassen. (jow)

Wenn ich am Handy Bluetooth ausschalte, spart das Strom.

Tatsächlich benötigen die Bluetooth-Module in modernen Smartphones so wenig Strom, dass wir im c’t-Labor keinen messbaren Laufzeitunterschied feststellen – auch nicht, wenn andere Bluetooth-Geräte in der Umgebung aktiv sind. Die Stromaufnahme steigt lediglich, wenn sich das Smartphone automatisch mit anderen Bluetooth-Geräten verbindet. Deshalb sollten Sie zur Energieersparnis beispielsweise unbenutzte Bluetooth-Headsets ausschalten oder die Verbindung zu einem Notebook trennen, an dem Sie das Handy mal als Bluetooth-Funkmodem benutzt haben. (jow)

Chromebooks und Chromeboxen sind ohne Internet nutzlos.

Auch wenn deren Betriebssystem Chrome OS hauptsächlich aus dem gleichnamigen Browser besteht, lassen sich mit einem Chromebook oder einer Chromebox ein paar Dinge offline erledigen. Der vorinstallierte Dateimanager namens Files spielt auf der Platte liegende Musik und Filme ab. Er kopiert Dateien von SD-Karten, USB-Sticks und -Platten, nicht aber direkt von PTP- und MTP-Geräten, wozu die meisten Kameras und Smartphones zählen. Auf dem Chromebook erlaubt der Dateimanager Vorsortieren und rudimentäres Bearbeiten von Videos und Fotos – Raw-Formate kennt er allerdings nicht.

Chrome OS kennt auch so etwas wie lokal installierbare Anwendungen, nämlich eine kleine Zahl von speziell markierten Offline-Apps im Chrome Web Store. Darunter sind etwa Texteditoren, Spiele oder Anwendungen, die auf vorher heruntergeladene Musik oder Literatur zugreifen. Die Offline-Apps einiger Webdienste merken sich die Nutzer-Eingaben und synchronisieren sie später mit ihrem Webdienst. Gut funktioniert das beispielsweise bei Google Office.

Alle anderen Apps arbeiten ausschließlich mit Internetverbindung. Beispielsweise kann man Evernote-Notizen offline weder lesen noch anlegen – obwohl das mit den Clients für Windows, iOS und Android durchaus klappt. Auch der eigentlich als Offline-App markierte Amazon Cloud Reader verlangt beim Start eine Internetverbindung. (jow)

Notebooks darf man nicht auf dem Schoß benutzen.

Das ist falsch. Grundsätzlich spricht bei keinem Notebook etwas dagegen, es auf dem Schoß zu betreiben. Man sollte allerdings darauf achten, an der Unterseite platzierte Ansaugöffnungen der Lüfter nicht zu blockieren. Passiert das trotzdem, merkt man dies am anwachsenden Geräusch, wenn die Lüfter versuchen, mehr Luft zur Kühlung ins Innere zu ziehen. Während bei älteren Geräten dauerhafte Schäden durch einen Hitzestau möglich waren, drosseln sich aktuelle Prozessoren und Grafikchips rechtzeitig. Dann steht allerdings nur ein Bruchteil der Rechen- und Grafikleistung zur Verfügung. (mue)

Ein Notebook-Ständer mit eingebauten Lüftern kühlt mein Notebook besser.

Kein modernes Notebook benötigt eine zusätzliche Kühlung. Unter gewissen Umständen helfen die externen Lüfter zwar, sie sind aber nur selten die beste Lösung. Pusten sie den eingebauten Lüftern entgegen, verschlechtern sie sogar die Kühlung.

Manches Gaming-Notebook ist vom Hersteller mit einem zu leistungshungrigen Grafikchip beziehungsweise einer zu schwachen Kühlung ausgestattet, sodass es beim Spielen abstürzt oder ruckelt. In Einzelfällen kann hier ein externer Lüfter helfen, doch besser ist es, das Gerät zu reklamieren.

Bei Notebooks mit lauten und unangenehm klingenden Lüftern mag die externe Kühlung verhindern, dass die internen Lüfter anspringen. Meist hilft hier aber auch eine Reinigung oder Reparatur, denn gerade in älteren Notebooks lärmen oft verdreckte oder defekte Lüfter.

In schmutziger Umgebung oder auf einer weichen Unterlage – etwa im Bett – mag der Ständer zwar helfen, die Lüftungsschlitze des Notebooks freizuhalten. Zusätzliche Lüfter braucht er dafür aber nicht. (jow)

Artikel kostenlos herunterladen

Anzeige