Spiele-Linux

SteamOS GNU/Linux 1.0 „Alchemist“

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Valve Software hat die erste Ausgabe seines Linux-Betriebssystems SteamOS zum Download freigegeben. SteamOS GNU/Linux 1.0 mit dem Spitznamen „Alchemist“ basiert auf Debian 7 und setzt derzeit noch Nvidia-Hardware und Unterstützung für UEFI voraus.

Valves Betriebssystem SteamOS ist nicht für die Installation auf dem Desktop-PC, sondern zum Spielen auf einem großen Bildschirm im Wohnzimmer gedacht. Als grafische Oberfläche dient standardmäßig der Steam-Client im Big-Picture-Modus, der sich bequem vom Sofa aus mit einem Controller steuern lässt. SteamOS ist denn auch kein Linux-System, das man mal eben in einer virtuellen Maschine oder parallel zu Windows installiert. Die Hardware-Anforderungen sind derzeit noch recht restriktiv, da das System zunächst einmal auf die ersten Testgeräte von Valves Steam Machine mit entsprechender Hardware zugeschnitten ist, die das Unternehmen noch im Dezember verschickt hat: SteamOS setzt in der jetzt veröffentlichten Version eine Nvidia-Grafikkarte und ein UEFI-fähiges Mainboard voraus. Letzteres sorgt dafür, dass auch ältere, ausrangierte Gaming-PCs für die Installation flach fallen. Wer es nicht mehr erwarten kann und sich zu Hause selbst eine Steam Machine mit Valves Linux-Betriebssystem bauen will, braucht darüber hinaus einen Intel- oder AMD-Prozessor mit Unterstützung für 64 Bit, mindestens vier GByte RAM und je nach Installationsweg eine mindestens 500 oder 1000 GByte große Festplatte. Entwicklern zufolge arbeitet Valve bereits an der Unterstützung für Intel- und AMD-Grafik und hat angekündigt, im nächsten Jahr auch Steam Machines mit AMD-Grafik-Hardware zu verkaufen.

Grundlage des Betriebssystems für die Steam Machine bildet das im Mai 2013 veröffentlichte Debian 7 Wheezy, das auch auf neuen Rechnern mit UEFI-Firmware läuft. Die Open-Source-Plattform wurde dabei um den proprietären Steam-Client und ebenfalls proprietäre Treiber ergänzt. Auch der Kernel wurde aktualisiert und läuft jetzt in einer Version der 3.10er-Serie mit Langzeitunterstützung. Außerdem bringt SteamOS seinen eigenen Grafik-Compositor mit, der für einen reibungslosen Übergang zwischen Steam, den Spielen und dem Desktop sorgen soll. Das Linux-System bezieht seine Pakete aus einer eigenen SteamOS-Paketquelle sowie einer weiteren, die Aktualisierungen für den Steam-Client liefert. Die Paketverwaltung ist so vorkonfiguriert, dass sie verfügbare Updates automatisch einspielt.

SteamOS lässt sich auf zwei Wegen installieren; beide formatieren bei der Installation die ganze Festplatte, sodass sich SteamOS nicht parallel zu Windows installieren lässt. Als Standardweg sieht Valve eine Image-basierte Installation mit Clonezilla vor, alternativ lässt sich der Debian-Installer nutzen, der mehr Möglichkeiten bietet. In beiden Fällen kommt das System als ZIP-Archiv, das man auf einen FAT32-formatierten USB-Stick schiebt. Ist das System auf die Platte kopiert, muss man den PC nur noch neu von der Festplatte starten. Im Test gab sich SteamOS bei der Hardware sehr wählerisch, erst nach dem Durchprobieren mehrerer Hardware-Kombinationen war die Installation von Erfolg gekrönt. Auch die Audio-Hardware mussten wir in einem Fall manuell nachkonfigurieren.

Magere Software-Auswahl

SteamOS startet direkt in den Big-Picture-Modus – ganz so, wie man das von einer Spielkonsole erwartet. Zunächst fragt Steam die Sprache und Zeitzone ab und fordert dann zum Steam-Login auf. Wer noch keins hat, kann sich hier auch ein neues Konto anlegen. Danach lassen sich wie gewohnt Spiele herunterladen und spielen – manches davon kostenlos, wie das als „Free to play“ gekennzeichnete Team Fortress 2.

Unter der Big-Picture-Oberfläche schlummert aber ein vollwertiges Linux-System. Aktiviert man in den Steam-Einstellungen unter „Oberfläche“ die Option „Zugriff auf den Linux-Desktop aktivieren“, erhält der „Beenden“-Button einen zusätzliche Menüpunkt „Zurück zum Desktop“. Valve hat sich dabei für Gnome 3.4.2 entschieden, auf dem man normale Linux-Desktop-Anwendungen einsetzen kann. Vorinstalliert ist allerdings fast nichts: Zum Surfen steht Iceweasel (Firefox) 17.0.10 bereit, PDF-Dokumente öffnet Evince, CDs und DVDs brennt Brasero, für digitale Bilder gibt es einen Bildbetrachter. Darüber hinaus bietet SteamOS nur noch kleinere Systemtools. Mit Hilfe von PackageKit kann man in den Paketquellen stöbern und Programme nachinstallieren oder entfernen. Allerdings ist die Auswahl auch hier mager: Die SteamOS-Paketquellen bieten nur das Nötigste und nicht die von Debian gewohnte, üppige Software-Auswahl. Fügt man das Debian-Repository hinzu, lassen sich die meisten Debian-Pakete auch unter SteamOS nutzen. Im Test funktionierte das beispielsweise problemlos mit Thunderbird, Rhythmbox und LibreOffice. Die Standard-Installation von SteamOS setzt kein Passwort für den Administrator. Setzt man mit passwd ein Benutzerpasswort, kann man danach mit sudo Befehle mit Root-Rechten auszuführen.

Ein Desktop-Icon „Return to Steam“ öffnet nach einem Doppelklick wieder Big Picture, das sich besonders schnell mit der Tastatur oder einem Gamepad bedienen lässt, aber auch mit der Maus funktioniert. Die Oberfläche bietet einen Browser, den Steam-Shop, die eigene Spiele-Bibliothek und Zugriff auf die Steam-Community. Noch immer fehlt der Big-Picture-Oberfläche allerdings im Shop die Möglichkeit, nach Linux-Spielen zu filtern, aber immerhin sind diese gut sichtbar mit einem Pinguin gekennzeichnet.

SteamOS ist kein Betriebssystem für den Desktop-PC. Wer hier nicht nur spielen will, ist mit einem voll ausgestatteten Betriebssystem und dem jeweiligen Steam-Client besser bedient. Auch dieser lässt sich mit Big Picture nutzen und über den Controller steuern. (lmd)

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