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Fotoprobleme erkennen und mit RawTherapee beheben

Praxis & Tipps | Praxis

Selten kommen Fotos perfekt aus der Kamera. Meistens reichen aber schon wenige, gezielte Eingriffe, um dem Foto den letzten Schliff zu verpassen. Wichtig ist, beurteilen zu können, was nötig ist. Die Probleme zu beheben, geht dann ganz schnell.

Vor ein paar Heften haben wir Tipps zum besseren Fotografieren gegeben [1]. Aber auch wenn man alles richtig zu machen versucht, bleibt noch Raum für Verbesserungen. Fotokorrektur lässt sich auf wenige Probleme und deren Behebung reduzieren. Haben Sie erkannt, was dem Bild fehlt, können Sie diese Elemente gezielt korrigieren. Statt lange an Reglern mit diversen Werkzeugen herumzuklicken, gehen Sie mit den Tipps aus diesem Artikel präzise an die Wurzel des Übels und sind nach kürzester Zeit fertig.

Die Wahl des Programms ist Geschmackssache. Ausrichtung, Beschnitt, Belichtung, Farbwerte, Kontrast und Sättigung lassen sich mit vielen Programmen bearbeiten, etwa mit einer Bildbearbeitung alter Schule wie Gimp oder PhotoLine, mit einem Raw-Konverter wie RawTherapee oder – eingeschränkt – auch mit einem schlanken Tool wie Paint.NET oder Picasa.

Im Folgenden geht es um Fotokorrektur mit RawTherapee. Dieser Raw-Entwickler bearbeitet sowohl Kamerarohdaten als auch JPEG-Dateien und ist damit flexibel einsetzbar. Raw-Entwickler sind vor allem auf die zügige Verarbeitung vieler Fotos optimiert. Die Werkzeuge bringen sie gut zugänglich unter. Außerdem sparen sie Zeit, die in anderen Programmen mit dem Öffnen und Speichern von Dateien und dem Öffnen und Schließen von Dialogen draufgeht.

Zielsetzung jeder Raw-Korrektur

Das Ziel der Maßnahmen lautet, das Foto von seinen technischen und gestalterischen Mängeln zu befreien. Dafür muss man die Probleme zunächst erkennen. Dass Sie ein fehlerfreies Bild nicht bearbeiten müssen, ist offensichtlich. Für ein komplett misslungenes gilt allerdings dasselbe, denn aus schlechten Zutaten entsteht kein leckeres Essen. Also sichten Sie und suchen, wie im vorigen Artikel beschrieben, zunächst nur die besseren Bilder für die Weiterbearbeitung heraus.

Folgende Aspekte kommen – nicht zwingend in dieser Reihenfolge – für die Bewertung und spätere Bearbeitung in Frage: Farbtemperatur, Belichtung, Schatten und Lichter, Kontrast, Sättigung, Ausrichtung, Perspektive, Komposition, Bildfehler.

Die Wurzel des Übels

Schauen Sie sich zunächst an, wie das Bild insgesamt wirkt. Ein gleichmäßig belichtetes, an den richtigen Stellen scharfes, interessantes Bild hat Potenzial. Einige Fehler lassen sich nicht vollständig beheben – Unschärfe zum Beispiel. Liegt der Fokus nicht auf den Freunden links und rechts, sondern auf der wildfremden Person in der Bildmitte, die zwei Tische weiter hinten sitzt? Ab in die Tonne damit. Gleiches gilt für hoffnungslos verwackelte oder falsch belichtete Fotos. Wie bei jeder Regel gibt es Ausnahmen – etwa das ganz besondere Bild, das zwar technisch nicht ganz gelungen ist, aber etwas Einzigartiges und Unwiederbringliches zeigt. Im Folgenden soll es aber um den letzten Schliff für grundsätzlich gute Bilder gehen.

Farbtemperatur: Überprüfen Sie, ob graue, weiße und schwarze Teile des Motivs tatsächlich so abgebildet sind wie gemeint. Wenn diese bläulich oder gelblich wirken, hat die Kamera die Farbtemperatur nicht richtig eingeschätzt – das kommt vor allem bei Kunstlicht trotz immer besserer Automatik häufig vor.

Belichtung: Schauen Sie sich die allgemeine Ausleuchtung an. Meistens muss man in Richtung heller oder dunkler justieren. Im Zweifel sollten Sie beim Fotografieren eher ein wenig unterbelichten, da sich an zu dunklen Schatten häufig etwas reparieren lässt, an überstrahlten Spitzlichtern hingegen nicht. Auch in fast schwarzen Bereichen hat die Kamera meistens etwas Licht aufgefangen, das sich herauskitzeln lässt. Bei weißen Pixeln ist das Maximum des Sensors erreicht. Sie sind und bleiben weiß.

Schatten und Lichter: Digitalkameras haben einen vergleichsweise geringen Dynamikumfang. Bei vielen Aufnahmen ist der Himmel zu hell und ein im Schatten liegender Bildbereich zu dunkel geraten. Häufig reicht es, die Tiefen anzuheben. Manchmal muss man die Lichter aber auch abdunkeln, um zu einem gleichmäßig ausgeleuchteten Bild zu kommen.

Kontrast: Wirken die Tonwerte gleichförmig? Sind Strukturen erkennbar oder müssen sie noch herausgearbeitet werden? Nachdem Licht und Schatten korrigiert wurden, kann das Bild in der Regel einen Kontrastschub vertragen. Der verleiht dem Spiel aus Hell und Dunkel etwas mehr Brillanz und arbeitet Strukturen etwa aus Stein, Rinde, Gras oder Wolken heraus.

Sättigung: Farben zu beurteilen hat sehr viel mit Geschmack zu tun. Hier stehen Sie bei der Bearbeitung möglicherweise am Scheideweg. In manchen Bildern sind die Farben komplett verzichtbar, weil das Bild von den Strukturen oder vom Schattenspiel lebt – hier heißt die Antwort Schwarzweiß. Andere Bilder verlangen nach starken Farben. Die sind meistens schon vorhanden; manchmal muss man sie noch ein wenig herauskitzeln. Gehen Sie mit der Sättigung behutsam um. Zu starke Sättigung fällt negativ auf.

Ausrichtung: Beim Fotografieren achtet man häufig nur aufs Motiv oder neigt die Kamera unwillkürlich beim Drücken des Auslösers nach rechts. Das Resultat ist ein schiefer Horizont. Ziel ist jedoch, dass er schnurgerade liegt. Ein bewusst schiefer Horizont sollte sehr schräg liegen, damit der Betrachter die Absicht erkennt. Alles andere gehört korrigiert.

Perspektive: Die meisten Gebäude sind deutlich größer als Menschen und wirken auf Fotos daher verzerrt. Im Bild scheint das Gebäude nach hinten zu stürzen; eigentlich parallele Linien laufen aufeinander zu. Wenn das der Fall ist, sollte man die Linien wieder geradeziehen.

Komposition: Symmetrie, Drittelregel und Goldener Schnitt sind beliebte Richtlinien zur Gestaltung. Sie müssen sich daran nicht halten. Wenn Sie sich beim Fotografieren daran orientiert haben, sollten Sie spätestens beim Sichten überprüfen, ob sie perfekt eingehalten sind. Wenn das Seitenverhältnis nicht perfekt ist, können Sie in der Software durch geschickten Beschnitt einen anderen Bildausschnitt wählen.

Bildfehler: Manches Foto würde großartig wirken, enthielte es nicht ein störendes Detail. Viele empfinden angeschnittene Kreise wie eine halbe Uhr oder ein teilweise sichtbares Verkehrsschild am Bildrand als Bildfehler. Solche Details lassen sich retuschieren. Allerdings handelt es sich dabei schon um einen tieferen Eingriff. Ob man so weit gehen mag oder das als Verfälschung des ursprünglichen Bilds ansieht, ist Geschmacksache. ...

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