Auf Schnäppchenjagd

Preiswerte und aktuelle Windows-PCs

Test & Kaufberatung | Test

Ein neuer Rechner inklusive Windows-Lizenz für wenig mehr als 200 Euro galt bis vor Kurzem noch als utopisch. Doch dank der preiswerten Windows-Bing-Edition und den Billig-Prozessoren von AMD und Intel sind Desktop-PCs günstig wie nie.

Unter 400 Euro herrscht bei Computern derzeit ein scharfer Wind: Günstige Geräte mit Googles Cloud-Betriebssystem ChromeOS, gefertigt von etablierten PC-Herstellern wie Asus, HP und Samsung, erobern Marktanteile in der bisherigen Windows-Domäne der Business-PCs. Zudem geben viele Privatkunden ihr Geld statt für einen Desktop-PC oder ein Notebook lieber für ein preiswertes Tablet aus. Auf denen läuft aber zum größten Teil Android und nicht Windows.

Folglich musste Microsoft reagieren, um nicht weiter Marktanteile einzubüßen: Seit dem Frühjahr gibt es deshalb für PC-Hersteller die nahezu kostenlose Windows 8.1 Bing Edition [1]. Im Unterschied zu den früheren beschnittenen Billig-Varianten wie Windows 7 Starter bringt die Bing Edition alle Funktionen von Windows 8.1 Core mit. Lediglich die voreingestellte Bing-Suche im Internet Explorer muss der PC-Hersteller – nicht aber der Käufer – beibehalten.

Die genauen Anforderungen und Lizenzkosten hat Microsoft nicht veröffentlicht, es kursieren aber plausible Annahmen: Bei Desktop-PCs liegt der maximale Gerätepreis wohl bei etwa 300 Euro, bei All-in-One-PCs sind es rund 350 Euro. In diesem Preisbereich war die Windows-Lizenz mit 70 bis 90 Euro bislang vor den einzelnen Komponenten der größte Posten, für die Bing Edition müssen die Hersteller vermutlich maximal 20 Euro bezahlen.

Sparware

Doch nicht nur beim Betriebssystem, sondern auch bei der Hardware fallen die Kosten. Im Billigsegment buhlen die Prozessorhersteller AMD und Intel mit abgespeckten Chips um die Gunst der Käufer. Intel hat bei Desktop-PCs den Markennamen Atom abgelegt und verkauft diese Chips in der aktuellen Bay-Trail-Generation als Celeron J/N und Pentium J/N.

Konkurrent AMD hat die vergleichbaren Kabini-Prozessoren als Serie A und E im Programm. Bei diesen CPUs beider Hersteller handelt es sich um sogenannte System-on-Chips (SoCs) zum Auflöten, die neben den CPU-Kernen auch Grafikeinheiten und Chipsatzfunktionen wie SATA und USB enthalten. Seit dem Frühjahr sind die Kabini-Prozessoren auch einzeln für die eigens aufgelegte CPU-Fassung AM1 erhältlich; dann heißen sie aber Sempron und Athlon.

Für den Test haben wir sechs Desktop-PCs für unter 400 Euro besorgt. Von großen PC-Herstellern stammen die Komplett-Rechner Acer Aspire TC-115 und Aspire XC-603 sowie Fujitsu Esprimo P420 E85+. Bei kleineren Anbietern haben wir CSL Motion 2136W8, Mifcom PC-System Athlon 5150 und HM24 Media-PC HM240015 (Notebooksbilliger.de) geordert.

Alle Rechner – selbst die für knapp über 200 Euro – haben zumindest eine USB-3.0-Buchse. Auch die übrige Ausstattung unterscheidet sich wenig: Außer beim Fujitsu-Rechner mit 2 GByte Arbeitsspeicher sind 4 GByte RAM Standard. Solid-State Disks gibt es nicht, die darf man erst bei PCs in der Preisklasse ab 500 Euro erwarten. Stattdessen stecken Festplatten mit 500 GByte oder 1 TByte Kapazität in den Rechnern.

Die Spannweite bei der CPU-Leistung fällt hingegen viel höher aus. Die Performance haben wir mit dem Rendering-Benchmark Cinebench R15 gemessen. Zwischen dem abgespeckten Sempron 3850 des HM24-PC und dem Fujitsu-Rechner mit Pentium G3220 beträgt der Unterschied mehr als Faktor 2. In der Single-Thread-Wertung klafft eine noch größere Lücke: Dort ist der Pentium viermal so schnell. Beim Office-Benchmark Sysmark 2014 spielen noch weitere Faktoren eine Rolle (siehe Kasten unten), dort hatte der schnellste die dreifache Performance des langsamsten PC. ...

Büro-Benchmark

Benchmark-Programme dienen dazu, die Geschwindigkeit von Rechnern zu messen, um sie objektiv miteinander zu vergleichen. Doch viele Benchmarks verwenden Testroutinen, die im Alltag nur selten vorkommen. Einen anderen Ansatz verfolgt das Bapco-Konsortium mit dem Sysmark. Dort kommen gebräuchliche Anwendungen zum Einsatz. Skripte stellen die Bedienung durch Menschen nach.

Die aktuelle Version des Sysmark 2014 besteht aus den drei Teilwertungen Office Productivity (Büroprogramme), Media Creation (CAD, Bild- und Videobearbeitung) sowie Data/Financial Analysis (Tabellenkalkulation). Damit eignet sich der Benchmark hauptsächlich für den Vergleich von Office-PCs und wird deshalb bei Ausschreibungen von Firmen und Behörden verwendet. Der Basispunktewert von 1000 wurde anhand der Leistung eines aktuellen Bürorechners mit Core i3-4130, 4 GByte Arbeitsspeicher, Onboard-Grafik sowie einer 500-GByte-Festplatte festgelegt.

Am stärksten profitieren die Anwendungen des Sysmark 2014 von der Zahl der CPU-Kerne und der Prozessor-Taktfrequenz. Deutliche Unterschiede gibt es zwischen Festplatte und Solid-State Disk. Speichergröße, Grafikchip und die verwendete Windows-Version haben hingegen nur wenig Einfluss auf die Gesamtpunktezahl. Nach Anwendungen aufgeschlüsselt, haben Excel (39 %), Premiere (20 %), Acrobat (11 %) und Photoshop (9 %) den größten Einfluss auf die Wertung.

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