Raumfahrt mit System

Wie ein Galileo-Navigationssatellit entsteht

Wissen | Reportage

Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit werden in Norddeutschland die Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo gebaut. Dank Serienfertigung und Modulbauweise könnten inzwischen zwei Galileo-Satelliten alle zwölf Wochen die Hallen verlassen – wenn alles glatt läuft. Ein Besuch bei der Bremer OHB System AG.

Nähert man sich der Firmenzentrale der OHB System AG im Norden Bremens, lassen schon die Straßennamen ahnen, dass in der Gegend viel Hightech zu finden ist: Konrad-Zuse-Straße, Otto-Hahn-Allee, Karl-Ferdinand-Braun-Straße. Das Microsystems Center der Universität Bremen ist nur einen Steinwurf entfernt, um die Ecke forschen Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts für Bildgestützte Medizin an neuen Diagnose- und Visualisierungsverfahren.

Und doch würde kaum jemand vermuten, dass in den beiden Werkshallen am Ende des Technologieparks europäische Geschichte geschrieben wird. Denn hier entstehen die sogenannten FOC-Satelliten (Full Operational Capability) für das erste Global Navigation Satellite System (GNSS) der Europäischen Union. Die OHB System AG (die Abkürzung steht für Orbitale Hochtechnologie Bremen) hatte in den Jahren 2010 und 2012 zwei EU-Ausschreibungen für den Bau von insgesamt 22 Galileo-Satelliten im Gesamtwert von 815 Millionen Euro gewonnen.

Der Grund, warum die überregional kaum bekannte Firma den Branchenprimus EADS Astrium (inzwischen Airbus Defence & Space) beim Großprojekt Galileo aus dem Feld schlagen konnte, ist eng mit dem Erfolg bei einem anderen Satelliten-Projekt verknüpft: OHB hatte sich als Hauptauftragnehmer bei SAR-Lupe bewährt, dem ersten satellitengestützten Radaraufklärungssystem Deutschlands, das der Bundeswehr untersteht. SAR-Lupe besteht aus fünf Kleinsatelliten, die bei OHB in Bremen gebaut und zwischen 2006 und 2008 erfolgreich auf Erdumlaufbahnen positioniert wurden.

SAR-Lupe war für OHB ein Wendepunkt, weil das Unternehmen zum ersten Mal mehrere baugleiche Satelliten in Serie fertigen konnte. Und viele der dabei gewonnenen Erfahrungen flossen später in das Angebot für den Bau der Galileo-Satelliten ein. „Meist werden im Satellitenbereich ja nur ein oder zwei Stück gebaut, selten eine größere Serie“, erklärt Matthias Tausche, MAIT Production Engineer bei OHB, dem wir später noch in die Reinräume folgen werden. „Wir mussten uns also schon früh überlegen, wie wir das machen und haben uns ein wenig am Automobilbereich orientiert und das Inselkonzept aufgebaut.“

Inselkonzept bedeutet, dass die Satelliten nicht in Einzelfertigung entstehen, sondern sie wandern als teilfertige Produkte von einer Arbeitsstation zur anderen – im Prinzip wie auf einer Fertigungsstraße in einer Autofabrik. Allerdings denken Satellitenbauer nicht in Minuten oder Stunden, sondern in Wochen und Monaten. Die Verweildauer an den einzelnen Stationen ist dementsprechend länger. Eine weitere Analogie ist die Modulbauweise: Ähnlich wie im Automotive-Sektor, wo Zulieferer immer größere Systemeinheiten einbaufertig ans Montageband liefern, erhält auch OHB fertig montierte und getestete Subsysteme von Unterauftragnehmern, die dann als komplette Einheit integriert werden können. ...

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c't 22/2014, Seite 80 (ca. 5 redaktionelle Seiten)
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  1. Von Panels, Units und Modulen
  2. Die Payload
  3. Halleninspektion
  4. Unabhängigkeit
  5. Malheur im All

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