Besser telefonieren

Günstig und komfortabel VoIP einsetzen

Test & Kaufberatung | Marktübersicht

Bis 2018 will die Telekom komplett auf IP-Telefonie umsteigen. Für die Anwender ist das eine Chance; Festnetz-Telefonie wird mit VoIP günstiger, flexibler und leistungsfähiger. Wir zeigen, wie Sie technisch das Optimum aus den neuen Anschlüssen herausholen, die Ausfallsicherheit erhöhen und dabei noch sparen.

Derzeit rollt eine Kündigungswelle durch Deutschland. Die Telekom hat damit begonnen, das herkömmliche Telefonnetz stillzulegen und zwingt Kunden mit Analog- und ISDN-Anschluss zum Umstieg auf neue Verträge, die nur noch IP-Telefonie enthalten. Betroffene können dem nicht ausweichen. Wer nicht reagiert, steht nach Ablauf der Vertragslaufzeit ohne Festnetz- und Internetanschluss da.

Die neuen Anschlüsse bieten viele Annehmlichkeiten. VoIP-Rufnummern sind technisch nicht mehr an eine Anschlussadresse gebunden, sondern lassen sich grundsätzlich an jedem Breitbandanschluss weltweit einsetzen; in der Fachsprache heißt das „nomadische Nutzung“. Das allerdings schmeckt nicht jedem Anbieter. Kabel Deutschland, Vodafone und O2 beispielsweise händigen dem Anwender die Zugangsdaten nicht aus, sondern legen diese im Router ab, der wiederum nur an der angegebenen Anschlussadresse funktioniert. Wir haben in der Tabelle auf Seite 106 nur VoIP-Angebote aufgeführt, die nomadische Nutzung zulassen.

Um die Sprachqualität muss man sich bei VoIP-Anschlüssen nicht sorgen, ganz im Gegenteil: IP-Telefonie nutzt standardmäßig den gleichen Codec wie das ISDN-Netz, G.711. Mit 64 kBit/s pro Richtung überträgt er ein Audiosignal mit rund 3,5 kHz Bandbreite. Bei einwandfreier Verbindung – und die ist allen Unkenrufen zum Trotz auch im VoIP-Netz der Regelfall – lässt sich kein Unterschied zwischen IP-Telefonie und ISDN feststellen. Zusätzlich kommt im IP-Netz aber auch der neuere Codec G.722 zum Einsatz. Bei gleicher Datenrate überträgt er rund die doppelte Audio-Bandbreite. Die Anbieter bewerben diese Funktion mit dem Schlagwort „HD-Voice“. Das kommt jedoch nur dann zum Einsatz, wenn die Endgeräte sowie alle Instanzen auf dem Verbindungsweg G.722 beherrschen. Fehlt irgendwo ein Glied in der Kette, kommt G.711 zum Zuge.

Inzwischen bieten fast alle VoIP-Anbieter G.722. Zusätzlich haben sie Gateways aufgebaut, die zwischen G.722 und dem in den Mobilfunknetzen verwendeten, bandbreitensparenden AMR-Wideband (G.722.2) umsetzen, sodass HD-Voice-Verbindungen auch netzübergreifend und international möglich sind.

Als Telefonie-Standard hat sich im Internet die VoIP-Technik durchgesetzt, bei der SIP die Anrufe vermittelt und RTP die Sprachdaten befördert. VoIP und SIP werden dabei als Synonyme verwendet. Alle aufgeführten Provider bieten einen solchen Zugang an. Zur Einrichtung in einem SIP-Client benötigt man lediglich den Servernamen (häufig sip.<providername>.de oder .com), einen Benutzernamen und ein Kennwort. Die Daten erscheinen im Web-Frontend im Klartext. Die Angaben für den SIP-Server findet man meist an zentraler Stelle in den Hilfe-Dateien.

Als VoIP-Nomade müssen Sie nicht unbedingt einen VoIP-Router hernehmen, IP-Telefonie klappt auch mit IP-Telefonen, Softphones auf dem PC oder mit Apps auf dem Smartphone. Die Nutzung am Smartphone bietet inzwischen viele Vorteile, siehe Seite 122. Die Provider erlauben in aller Regel die Anmeldung mehrerer SIP-Geräte und -Router gleichzeitig. Bei eingehenden Anrufen klingeln alle auf diese Nummer konfigurierten Geräte, bis an einem abgehoben wird, der Anrufer auflegt oder der meist auf 60 Sekunden eingestellte Timeout abläuft.

Billig telefonieren

In den besseren VoIP-Routern lassen sich mehrere VoIP-Zugänge eintragen. Diese Funktion ermöglicht es kostenbewussten Telefonierern, überall das günstigste Angebot zu nutzen. Über Wahlregeln lässt sich bei den meisten Geräten festlegen, welcher Account für welches Anrufziel benutzt werden soll.

VoIP-Rufnummern lassen sich auch im Ausland problemlos nutzen; für deutsche Gesprächspartner ist man dann zu Festnetz-Preisen erreichbar, auch wenn man beispielsweise am karibischen Strand überwintert. Und selbst die Kosten für eine Telefonie-Flatrate kann man sich noch sparen, wenn man auf netzinterne Gespräche setzt und die wichtigsten Kommunikationspartner jeweils einen Account desselben oder eines kooperierenden Anbieters haben.

Immer mehr Telefonate werden pauschal abgerechnet. Der Anbieter eCalling etwa bietet in Aktionen immer wieder kostenlose Telefonate in das Festnetz einiger europäischer Länder. Die Terminierungskosten, die die Telefongesellschaften untereinander für die Vermittlung eines Gesprächs an Kunden in ihrem Netz berechnen, fallen stetig weiter; mit VoIP tendieren diese Kosten in den Festnetzen gen null. Es ist womöglich nur noch eine Frage der Zeit, bis die IP-Telefonie-Anbieter die aufwendige und teure Berechnung einzelner Gespräche aufgeben und den Kunden stattdessen generell mit einer Pauschale zur Kasse bitten.

Mit VoIP erhält der Kunde volle Kontrolle über seinen Anschluss. Über das Web-Frontend seines Anbieters kann er viele Einstellungen vornehmen, etwa Rufweiterleitungen, Parallelrufe auf mehreren Anschlüssen oder Rufsperren. Die meisten der Leistungsmerkmale sind indessen nicht neu, sondern waren schon an Analog- und ISDN-Anschlüssen verfügbar. Die Nutzung war jedoch wenig komfortabel; an Analoganschlüssen musste der Nutzer Codes aus Ziffern, Sternchen und Rauten eintippen, um beispielsweise Rufumleitungen einzurichten oder einen Rückruf bei besetzt auszulösen.

Für den täglichen, auch geschäftlichen Einsatz brauchbar sind VoIP-Angebote nur, wenn sie ein umfangreiches Leistungsspektrum bieten. Diese Voraussetzungen erfüllen die meisten Provider, die ihre Leistung im Paket mit einem Breitbandanschluss vermarkten, also beispielsweise die Telekom, O2, Vodafone, 1&1 oder auch die Kabelnetzbetreiber. Sie alle weisen dem Kunden eine oder mehrere Rufnummern aus seinem Ortsnetz zu, erlauben Notrufe und bieten Fax-Funktionen an. ...

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Besser telefonieren

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c't 23/2014, Seite 102 (ca. 5 redaktionelle Seiten)
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Artikel-Vorschau
  1. Billig telefonieren
  2. Persönliche Kombi
  3. Sicher verschlüsseln
  4. Das Notruf-Problem
  5. Kostenrisiken
  6. Telefonieren per VoIP
  7. Die Nachteile von VoIP

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  • Nicht jeder Anbieter prüft die Absendernummer, bevor er sie freischaltet. Missbrauch lässt sich aber leicht aufdecken.
  • Bei dus.net sind die Telefonnetze zahlreicher Länder in der Grundkonfiguration gesperrt, was den Kunden optimal schützt.
  • Vor Inbetriebnahme des Anschlusses sollte man sich vergewissern, ob ein Notruf möglich ist.

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Kapitel
  1. Billig telefonieren
  2. Persönliche Kombi
  3. Sicher verschlüsseln
  4. Das Notruf-Problem
  5. Kostenrisiken
  6. Telefonieren per VoIP
  7. Die Nachteile von VoIP
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