Hochverdichtet

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Intel packt in das winzige Edison-Modul mehrere CPU-Kerne sowie WLAN- und Bluetooth-Adapter, um die technische Fantasie von Bastlern und professionellen Elektronik-Entwicklern anzuregen.

Intels Edison vereint eine besondere Kombination von Funktionen auf einer Fläche, die wenig größer ist als eine SD-Karte (2,5 Zentimeter mal 3,5 Zentimeter). Darauf sitzt ein System-on-Chip von Intel mit zwei 64-Bit-Atom-Prozessorkernen und einem 32-Bit-Mikrocontroller (Quark). Außerdem sind 1 GByte RAM, 4 GByte Flash-Speicher sowie ein Adapter für WLAN und Bluetooth 4.0 vorhanden – die Antenne ist schon an Bord. Für die Stromversorgung kann ein Akku reichen.

Der Edison lässt sich allerdings nur via Adapterplatine in Betrieb nehmen: Stromversorgung und sämtliche I/O-Anschlüsse laufen über einen 70-poligen Mini-Steckverbinder. Zunächst ist der Edison in zwei Kits lieferbar. Eines kommt mit einfacher „Break-Out“-Platine mit wenig mehr als USB-Anschluss, Stromversorgungsbuchse und Lötkontakten für I/O. Zum „Edison Kit for Arduino“ gehört eine Trägerplatine, auf die Arduino-Uno-Shields passen. Außerdem sitzen darauf ein paar Taster und LEDs, ein MicroSD-Kartenleser, ein Akku-Laderegler sowie eine USB-Typ-A- und zwei Micro-USB-Buchsen.

Anders als der billigere Raspberry Pi besitzt Edison weder Grafik- noch Soundprozessor, eignet sich also nicht für Multimedia. Den typischen Arduinos hat er höhere Rechenleistung und integrierte Funkadapter voraus. Intel zielt vor allem auf Wearable Computing und das Internet der Dinge. Im Vergleich zu professionellen Entwickler-Kits mit Dual-Band-WLAN und Bluetooth Low Energy (BLE/Smart) ist der Edison nicht teuer.

Als Betriebssystem ist Yocto Linux (32 Bit) im Flash-Speicher vorinstalliert. Auf dem Mikrocontroller läuft ein Echtzeit-OS (RTOS), wohl von der Intel-Tochter Wind River. Beim Arduino-Kit erfolgt der erste Kontakt mit dem Edison vom PC aus (Windows, Linux, OS X) über die beiden Micro-USB-Buchsen. Den Microcontroller-Teil füttert man darüber beispielsweise mit Arduino-Sketches. Die andere USB-Buchse stellt eine virtuelle serielle Schnittstelle bereit, über die man auf der Linux-Kommandozeile landet. Via WLAN klappt das auch per SSH. Das Linux mit dem Paketmanager opkg erinnert an die Distribution ≈Angström. Paketquellen muss man von Hand eintragen. Einige Bugs störten bei unseren Testgeräten. Im Dezember will Intel das nächste Edison-Image ausliefern, man kann aber auch selbst mit den Quellen arbeiten.

Englischsprachige Anleitungen und Videos auf der Intel-Webseite erklären, wie man den Edison in Betrieb nimmt, ihn etwa ins WLAN einbucht oder ein neues Betriebssystem einspielt. Es stehen auch Programmbeispiele bereit. Die Entwicklergemeinde (Community) ist freilich noch sehr klein.

Der winzige, sparsame und funkelnde Edison ist ein technischer Leckerbissen, der aber wohl nicht jedem Bastler schmeckt: Die einfache Arduino-Entwicklungsumgebung erschließt nur seinen unspektakulären Teil, nämlich den Mikrocontroller. Um die Netzwerkfunktionen auszureizen, sind größere Programmierkünste vonnöten. (ciw)

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