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Debian: Stühlerücken bei Grundsatzentscheidung über Systemd

Die Debian-Entwickler haben mehrheitlich beschlossen, dass es keiner Grundsatzentscheidung im Umgang mit dem künftigen Standard-Init-System Systemd der Linux-Distribution bedarf. Allerdings legten im Verlauf der anlässlich der Abstimmung erneut aufgeflammten heftigen Diskussion um die Rolle von Systemd mehrere Debian-Entwickler ihre Ämter nieder.

Das Technical Committee des Debian-Projekts hatte Systemd im Februar 2014 zum künftigen Standard-Init-System der Distribution bestimmt. Im Oktober rief Ian Jackson, selbst Mitglied des Komitees, zu einer Grundsatzentscheidung über neue Regeln für Paketabhängigkeiten auf, damit technisch nicht erforderliche Paketabhängigkeiten zu Systemd alternative Init-Systeme nicht behindern. Künftig sollten nur noch Init-Systeme selbst sowie Programme zu deren Verwaltung von Init-Systemen abhängig sein dürfen, Anwendungen und Desktops hingegen nicht.

Der Vorschlag Jacksons führte zu einem erneuten Aufflammen der Grundsatzdiskussion um Systemd und die vom Technical Committee getroffenen Entscheidung. Auch der Zeitpunkt für die Grundsatzentscheidung befeuerte die Diskussion zusätzlich: Der Freeze-Termin von Debian Jessie, bei dem Systemd als Standard-Init-System vorgesehen ist, war für den 5. November angesetzt. Danach sind eigentlich nur noch Bugfixes erlaubt. Die Abstimmung über die Grundsatzentscheidung dauerte aber bis zum 18. November. Man befürchtete, dass die Entscheidung zu Änderungen am bereits eingefrorenen Code führen und so die Entwicklung des nächsten Stable Release behindern könnte.

Doch dazu kam es nicht. Gut ein Drittel der Debian-Entwickler war der Ansicht, es gebe keinen Anlass für eine Grundsatzentscheidung. Es bleibt also alles beim Alten – abgesehen davon, dass aufgrund von Anfeindungen und Zerwürfnissen innerhalb der Entwicklergemeinde mehrere Personen ihren Rücktritt erklärten. Gleich drei Entwickler verließen das achtköpfige Technical Committe: Ian Jackson, Colin Watson und Russ Allbery. Zudem haben Tollef Fog Heen, einer der Systemd-Maintainer, und Joey Hess, ein Maintainer mehrerer Pakete rund um APT, wegen der fortwährenden Diskussionen um Systemd hingeworfen.

Unterdessen geht die Fertigstellung von Debian Jessie voran – bei Redaktionsschluss lag die Zahl der Release Critical Bugs bereits deutlich unterhalb der des aktuellen Stable Release. (mid)

Kernel-Patches ohne Neustart

Beim Kernel der Server-Distribution Suse Linux Enterprise Server 12 (SLES) lassen sich Sicherheitsaktualisierungen künftig ohne Neustart im laufenden Betrieb einspielen. Voraussetzung für die Nutzung des Live-Patching-Angebots ist ein High-Priority-Abo. Dabei will Suse sämtliche Kernel-Versionen, die das Unternehmen für SLES herausgibt, rund ein Jahr lang mit Live-Patches versorgen. Bislang war nach Sicherheitsaktualisierungen des Kernels ein Neustart mit einer entsprechenden Ausfallzeit unabdingbar. (odi)

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