Prozessorgeflüster

Von Däniken und Dönekes

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Microsoft sucht noch immer einen neuen Chef, Intel hadert noch immer mit 64 Bit und Nvidia zaubert mit dem neuen Tegra K1.

Wann immer ein Chefposten in der amerikanischen IT-Industrie neu zu besetzen ist, ein Name taucht als üblicher Verdächtiger auf: der des ehemaligen Intel-Managers und aktuellen VMware-Chefs Pat H. Gelsinger. Diesmal ist er als Nachfolgekandidat von Microsofts CEO Steve Ballmer im Gespräch. Der Neue hätte nach Microsofts Ankündigung eigentlich schon bis Ende 2013 benannt werden sollen – aber offenbar kämpft die Suchkommission noch mit nicht unerheblichen Problemen. Wie es heißt, haben einige externe Kandidaten abgesagt, weil sie die beiden Querköpfe im Verwaltungsrat scheuen, die ohnehin alles besser wissen. Wer will schon gegen Bill Gates und Steve Ballmer anregieren?

Aber der aktuelle Kandidatentopf ist noch groß, er umfasst nach Aussagen von Microsoft-Direktor John Thompson etwa 20 Kandidaten. Mit im Rennen dürfte weiterhin der Ford-Chef Allan Mullay sein, ein enger Freund von Steve Ballmer. Der kennt sich mit unbequemen Schwergewichten aus, hat er derzeit doch Bill Ford jr. aus der Gründerfamilie im Nacken. Zwar hatte Mullay im Dezember schon abgewunken, aber dem Vernehmen nach arbeitet Ballmer weiter daran …

Doch zurück zu Gelsinger: Es ist nun schon 13 Jahre her, dass Intels damaliger Cheftechnologe mit c’t- und Heise-online-Lesern einen Online-Chat über die Zukunft der IT abhielt. Vorhersagen sind ja insbesondere dann schwierig, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen, und so sind einige seiner Prognosen auch nicht ganz so eingetroffen. So hätte Intel bis zum Ende des letzten Jahrzehnts eine 100-Milliarden-Dollar-Company werden sollen. Dieses Ziel hat Intel bekanntlich leicht verfehlt, der Jahresumsatz lag im bislang besten Jahr 2011 mit 54 Milliarden US-Dollar bei knapp über der Hälfte.

Auch zum Thema „64 Bit für Desktops“ begab sich Gelsinger Ende 2001 auf dünnes Eis. Dessen Einsatz sei noch nicht abzusehen und würde in vielleicht zehn Jahren für Intel ein Thema. Doch Konkurrent AMD drehte in den Folgejahren mit 64 Bit gewaltig auf und so besann sich Intel flugs eines besseren und brachte nur knapp zwei Jahre nach dem Chat den stromhungrigen Pentium 4 Prescott mit 64-Bit-Erweiterung heraus. Rücksicht auf die vor sich hindümpelnde Itanium-Architektur konnte und wollte man nicht mehr nehmen und die selbstentwickelte x86-Erweiterung namens Yamhill erwies sich als wenig zweckmäßig, insbesondere, weil sich Microsoft weigerte, noch eine 64-bittige Windows-Variante zu unterstützen. Unter diesem sanften Druck einigte sich Intel lieber mit AMD und übernahm deren 64-Bit-Konzept, benannte es nur ein bisschen um: zunächst zu EMT64, dann zu Intel64.

Apple machts vor

Für Desktop-PCs gab es zu jener Zeit aber noch gar kein passendes 64-bittiges Betriebssystem, nur Linux und Windows Server 2003. Erst ein Jahr später kam dann Windows XP für AMD64. Und es dauerte noch viele weitere Jahre, bis flächendeckend genügend Applikationen verbreitet waren, die 64 Bit auch vernünftig nutzten – so gesehen war Gelsingers Einschätzung bezüglich „Einsatz von 64 Bit“ völlig richtig.

Inzwischen sind die zehn Jahre längst rum, nur Intels Mobilabteilung hat das offenbar noch nicht mitgekriegt. Zwar verfügt Intel schon seit mehreren Jahren über 64-bittige Atom-Prozessoren, allein mit der passenden Softwareunterstützung für alle Bestandteile der Plattform siehts mau aus. Es ist schon mehr als peinlich, dass die neue Bay-Trail-Generation mangels passender, zertifizierter Treiber lediglich mit 32-bittigem Windows aufwarten kann. Abhilfe ist erst für kommenden März vorgesehen.

Weitgehend vernachlässigt hat Intel auch den für Tablets wohl noch wichtigeren Android-Pfad. Erst nachdem die inzwischen 170 Milliarden Dollar schwere Company Apple mit dem iPhone 5 vorgemacht hatte, wie man neue 64-Bit-Prozessoren samt passendem Betriebssystem herausbringt, fühlte sich Intel auf den Plan gerufen. Auf einem Investoren-Treffen Ende November führte Mobile-Chef Hermann Eul dann ein von Intel angepasstes 64-bittiges Android 4.4 auf einer Bay-Trail-Plattform vor. Die finale Version soll aber erst nach dem 64-bittigen Windows 8.1 erscheinen. Vielleicht wird ja sogar Google Kunde mit einem neuen Nexus 7 mit Bay Trail.

Google sagt man inzwischen ja auch eigene Prozessorambitionen für ARMv8 nach, doch zunächst ist der Konzern gefordert, das passende Android 5.0 – ob nun Key Lime Pie, Lollipop oder Tiffy Taffy getauft – für die 64-bittige ARM-Architektur fertigzustellen, und zwar schleunigst. Die Hardwarehersteller scharren nämlich schon kräftig mit ihren Hufen, etwa Samsung mit dem Exynos 6 für das nächste Galaxy S5. Auch Qualcomm hat sich vor Kurzem mit dem Snapdragon 410 aus der Deckung gewagt. Wie Samsung auch will Qualcomm zunächst nur ein ARM-Referenzdesign mit marginalen Änderungen herausbringen. Allerdings beschränkt sich Qualcomm dabei auf den kleinen Cortex-A53.

Benchmark-Zaubereien

Nvidia hat auf der CES mit viel Tamtam und Däniken-Effekten (ein mysteriöses Die-Bild in einem kalifornischen Kornfeld) den Tegra 5 vorgestellt (siehe S. 31). Der heißt jetzt aber Tegra K1 und tritt in zwei Inkarnationen auf, zunächst als 32-bittiger Quad-Core mit Cortex-A15 R3, 2,3 GHz, geplant fürs erste Halbjahr 2014. Im zweiten Halbjahr soll dann pinkompatibel ein Tegra K1 Dual-Core mit der ARMv8-Eigenentwicklung Denver mit 2,5 GHz Takt folgen.

Bei der Performanceangabe hat Nvidias Marketingabteilung mal wieder heftig zugeschlagen und den Tegra K1 mit den uralten Konsolen Xbox 360 und PS3 verglichen. Mit seinen 192 Shader-Kernen kann er diese zwar locker übertrumpfen, gegen die neuen Konsolen hätte er aber wohl keine Chance gehabt. Bei der CPU-Performance nahm Nvidia zudem einen Single-Thread-Wert von SPECint2000 und multiplizierte ihn mal vier Kerne und kommt dann auf 5600 „SPECint“. Diese Methodik verstößt jedoch dreist gegen die SPEC-Regeln, schließlich gab es auch bei der von SPEC längst für „retired“ erklärten Benchmarksuite CPU2000 schon eine echte Multithreading-Messung namens „rate“. Aber immerhin 1400 SPECint2000-Punkte sind eine gute Hausnummer. Damit kommt der neue Cortex-A15-R3-Kern dank diverser Verbesserungen in der Architektur und TMCs 28-nm-Prozess auf eine um 40 Prozent höhere Performance wie der alte Cortex-A15 im Tegra 4, wenn man beide auf die gleiche Kern-Power von 1,5 Watt normiert. Performancewerte für den Denver-K1 veröffentlichte Nvidia leider noch nicht. (as)

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