Displays, Daten- und Videobrillen, Kameras, Wearables, 3D-Drucker

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Jan-Keno Janssen, Peter König, Ulrike Kuhlmann, Philip Steffan

Krumme Dinger

Displays, Daten- und Videobrillen, Kameras, Wearables, 3D-Drucker

Die Technik kommt uns immer näher: Virtual-Reality- und Augmented-Reality-Brillen entwachsen langsam dem Säuglingsalter, außerdem boomen vernetzte Sensoren, die Körperdaten messen. Während die TVs größer und biegsam werden, gibt es 3D-Drucker nun auch in miniklein – und günstig.

Nur größer und hochauflösender ist auf Dauer langweilig – scheinen sich jedenfalls die großen TV-Hersteller gedacht zu haben: Alle zeigten auf der CES gebogene Displays, egal ob sinnvoll oder nicht. Bislang waren immer nur OLED-Fernseher die Opfer des Krumm-Trends, dieses Jahr müssen auch LCDs dran glauben. Groß müssen sie natürlich trotzdem sein: Unter 1,25 Meter Diagonale geht anscheinend nichts mehr. Bei den gekrümmten Schirmen ist das auch folgerichtig, denn erst bei großen Diagonalen kann durch die Wölbung annähernd Kinofeeling aufkommen und damit das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Samsung und LG zeigten in Las Vegas gebogene LCDs mit 2,67 Metern Diagonale (105 Zoll) und 21:9-Format. Toshiba hatte ebenso wie LG die plane Variante des 105-Zöllers in der Ausstellung.

Die Leinwand-ähnlichen LC-Displays zeigen 5120 × 2160 Bildpunkte und haben einen Biegeradius von 4,20 Metern. Ähnlich gewölbt sind auch die ersten gebogenen 55-Zoll-OLEDs der beiden koreanischen Displayproduzenten. Dass sich alle drei Hersteller für das 105-Zoll-Format entschieden haben, ist kein Zufall: So lassen sich genau zwei Panels aus dem Mutterglas einer LCD-Fabrik der achten Generation schneiden. Wie Samsung erklärte, muss die Pixelstruktur für die Krümmung angepasst werden – mit der Lupe konnte man erkennen, dass die einzelnen RGB-Subpixel tatsächlich eine sehr ungewöhnliche Ausprägung haben. Das soll die durch die Krümmung verursachten Helligkeits- und Farbabweichungen ausgleichen. Zusätzliche Folien in den gebogenen LCDs sorgen für bessere – und blickwinkelstabilere – Schwarzwerte, zugleich aber auch für etwas gewöhnungsbedürftige Reflexionen.

Während LG weitere organische Displays mit planer und gebogener Oberfläche sowie Diagonalen zwischen 1,40 (55 Zoll) und 1,96 Metern (77 Zoll) ins Programm nimmt, findet man bei Samsung nur OLEDs mit den bekannten 1,40 Metern Diagonale. Dafür zeigte Samsung konkret, wie man die Displays biegen kann: Ein Motor in einem Prototyp sorgte dafür, dass sich die Schirmseiten auf Knopfdruck Richtung Zuschauer bewegten. Zweifellos ein echter Hingucker, doch ob so etwas jemals erschwinglich sein wird, darüber war selbst Samsung unsicher: Man plane derzeit keine Markteinführung dieser flexiblen Displays.

Me too

Nachdem Samsung die motorisierte Krümmung auf seiner Pressekonferenz vorgeführt hatte, zog LG noch am Abend nach und erklärte in einer Mitteilung, ebenfalls ein flexibles OLED-TV zu zeigen. Am Messestand signalisierten tags darauf zwar Markierungen auf dem Tisch, wie weit sich die Displayseiten des 77-Zoll-OLED von LG theoretisch bewegen lassen – tatsächlich bewegt hat sich dort allerdings nichts. Mindestens ebenso bemerkenswert waren auch die Nachahmungsreflexe bei den großen chinesischen TV-Herstellern wie Hisense, Haier & Co.: Sie zeigten gekrümmte 55-Zoll-OLEDs und noch größere LC-Displays in Gehäusen, die äußerlich frappierend an TVs von Samsung und LG erinnerten.

Neben Größe, Auflösung und Biegung optimierten die Hersteller einzelne Soft- und Hardware-Bestandteile ihrer Fernsehschirme. So hat Sony seine sogenannte Triluminos-Technik überarbeitet: Die Quantenpunkte der enorm farbstarken TV-Displays sitzen jetzt nicht mehr in einem Glasstab an den LEDs des Backlight, sondern werden direkt auf die LED-Kappen aufgebracht. Und: Sie sollen kein Cadmium mehr enthalten – das giftige Schwermetall hatte die Ökobilanz der Triluminos-LCDs bislang verdorben.

Panasonic wartete wie die anderen mit gebogenen OLEDs auf, verlor aber kein Wort über die im Vorjahr gezeigte Drucktechnik für organische Schirme. Per Infrarotsensoren bemerken die 4K-TVs des japanischen Herstellers, dass sich ein Zuschauer nähert. Erkennt das Smart-TV die jeweilige Person über die eingebaute Kamera, werden am unteren Bildrand Hinweise zu eingegangenen Mails, verpassten Anrufen oder anstehenden Terminen eingeblendet. Außerdem soll sich die Belegung des Homescreen automatisch den Vorlieben der Nutzer anpassen. Auf ähnliche Vorschlagsysteme setzen auch andere Hersteller, bei Samsung beherrschen so etwas bereits die 2013er-Modelle.

LG stach mit webOS als TV-Betriebssystem aus dem Feld hervor. Das im vorigen Jahr von HP übernommene ehemalige Palm-OS haben die LG-Ingenieure sehr erfolgreich zur Steuerung von Smart-TVs umfunktioniert. Die Bedienung der am unteren Bildrand eingeblendeten App-Karten ist sehr intuitiv, das System reagierte beeindruckend schnell. Hiervon können sich andere eine Scheibe abschneiden. Auch Toshiba hat die Tücken des Smart-TV-Schneckengangs inzwischen erkannt – der japanische Hersteller will sich bei den kommenden Geräten wesentlich auf die Geschwindigkeit der Netzwerk-Funktionen konzentrieren.

Philips war zwar nicht in Las Vegas vertreten, verschaffte sich aber mit einer Pressemitteilung zur CES einige Aufmerksamkeit: Die zum taiwanischen TPV-Konzern gehörende TV-Sparte will Smart-TVs künftig mit Android als Betriebssystem ausstatten. Vorteil: Es gibt – dem gescheiterten Google-TV sei Dank – bereits etliche TV-Apps, und der Play Store dürfte den meisten Kunden bekannt sein. Sowohl Android- als auch webOS-Apps können deutlich flexibler und grafikintensiver sein als die zurzeit von so gut wie allen Herstellern genutzten Apps auf CE-HTML-Basis. Dabei handelt es sich um Quasi-Websites, die im TV-Browser laufen.

4K für alle(s)

Gegenüber den im Herbst auf der IFA gezeigten Fernsehern haben die in Las Vegas präsentierten Displays mehrere Vorteile: Sie beherrschen zum einen HDMI 2.0 nebst HDCP-Verschlüsselung in Version 2.2. Dadurch sollten sie auch Ultra-HD-Signale mit 50 und 60 Hertz annehmen können – was insbesondere für Gamer wichtig ist. Außerdem sollen die neuen 4K-Displays per HEVC H.265 komprimierte UHD-Videosignale mit ihrem Medienplayer wiedergeben können. Samsung konnte seinerzeit als einziger TV-Hersteller die Möglichkeit zum Hardware-Upgrade zusagen: Die Anschlüsse der UHD-TVs liegen bei Samsung in der One-Connect-Box, die bei Bedarf ausgetauscht werden kann. In Las Vegas zeigte Samsung nun seine neue Box für HDMI 2.0. Der Boxenwechsel wird aber wohl nur für den teuren Timeless S9 kostenfrei vonstatten gehen – die Besitzer der anderen 2013er-4K-Modelle müssen zahlen, laut Samsung „weniger als 500 Dollar“.

Bleibt noch die Frage nach den Inhalten. Hier hat sich zumindest in den USA einiges getan. So arbeiten alle großen TV-Hersteller mit Netflix und YouTube zusammen: Netflix will in UHD-Auflösung streamen – unter anderem die zweite Staffel seiner Erfolgsserie „House of Cards“. Alle eigenen Inhalte sollen in Ultra HD produziert werden, darunter der jüngste Erfolg „Orange Is The New Black“. Auch Amazon will eigene Inhalte künftig in 4K drehen. Zwar kann man Netflix derzeit nicht in Deutschland empfangen, doch das könne sich demnächst ändern, wurde auf der CES gemunkelt.

Wer nicht warten will, kann selbst 4K-Videos drehen: Sony kündigte für April einen recht handlichen Camcorder mit UHD-Auflösung für 2000 US-Dollar an, Panasonic zeigte eine sehr kompakte Action-Cam, allerdings nur als Prototyp.

Alternativ gibt der PC Dokumente in der ultrahohen Auflösung auf den Schirm – etwa auf den 4K-Monitor von LG. Sein IPS-Panel misst knapp 80 Zentimeter in der Diagonalen (31 Zoll), steckt in einem sehr an Apple-Geräte angelehnten Gehäuse und wartet wie diese neben HDMI- mit Thunderbolt-Anschlüssen auf. Wann und zu welchem Preis man den schicken Monitor hierzulande kaufen kann, steht noch nicht fest.

Brillen mit Displays

Anders als bei den Fernsehern, wo die Innovationsdichte eher im überschaubaren Rahmen blieb, gab es bei den anderen Display-Varianten einige handfeste Überraschungen. Am beeindruckendsten war der neue Prototyp der Virtual-Reality-Brille Oculus Rift. Auf der letzten CES hatten wir das Gerät erstmals gesehen und waren schon damals begeistert – obwohl das „Produkt“ seinerzeit hauptsächlich aus Klebeband bestand. Der neue Prototyp, Codename „Crystal Cove“, sieht immer noch ein wenig selbst gebastelt aus, merzt dafür aber so gut wie alle technischen Probleme des Vorgängers aus. Während beim ersten Entwicklermodell die geringe Auflösung des LC-Displays von 1280 × 800 Pixeln für ein deutlich sichtbares Fliegengitter sorgte, gibt es nun 1080p-Auflösung und ein OLED-Display. Durch die vergrößernden Linsen ist zwar immer noch ein Raster zu sehen, das aber bei Weitem nicht mehr so stark nervt. Mit dem neuen OLED-Display hat Oculus aber auch gleich eine andere Ansteuerung eingeführt, um die bei schnellen Kopfbewegungen auftretenden Unschärfen auszumerzen.

Video: Oculus Rift Crystal Cove ausprobiert

Die „Low-Persistence“-Ansteuerung sorgt dafür, dass die einzelnen Frames kürzer angezeigt und dazwischen Schwarzbilder eingefügt werden. Flimmerfrei klappt das Ganze natürlich nur mit sehr hoher Bildwiederholfrequenz – wie hoch, wollte uns Oculus-Chef Palmer Luckey nicht verraten. Das Resultat kann sich jedenfalls sehen lassen, auch bei schnellen Kopfbewegungen kann man Texte problemlos lesen, nichts verschmiert. Einziger Nachteil: Das Bild wird dunkler.

Der größte Schritt nach vorne ist aber das neue Positional Tracking, also die Orientierung im Raum per Kamera und Infrarot-LEDs an der Brille. In der ersten Rift-Fassung wurden Kopfdrehung und -neigung zwar blitzschnell erfasst, aber eben nicht die Position im Raum – und die verändert sich bei so gut wie allen Kopfbewegungen. Der Unterschied ist frappierend: Auf einmal fühlt sich alles noch mal viel realistischer an. Das Wichtigste aber: Uns wurde nicht mehr übel. Unter den drei Testpersonen, die die Brille ausprobierten, spürte keine die bei der ersten Version auftretenden Symptome. Wann man die verbesserte Brille kaufen kann, steht leider noch in den Sternen. Luckey wollte im Gespräch mit c’t keine konkreten Aussagen zu Verkaufspreis und -termin machen. Er deutete allerdings an, dass vor der Markteinführung möglicherweise noch ein verbessertes Entwicklerkit erscheint.

Die kuriose „Kopfhörer-Videobrille“ Avegant Glyph kann in puncto Bildhelligkeit und Schärfe locker mit der Rift mithalten, leider ist der Blickwinkel hier deutlich kleiner – das Bild füllt keineswegs das Blickfeld aus und entspricht etwa einem 80"-Display mit zwei Metern Diagonale aus 2,5 Metern Entfernung. Statt eines LC-Displays nutzt die Glyph zwei DLP-Projektoren mit LED-Lichtquelle. Ein Headtracking-System ist nach Angaben der Entwickler eingebaut. Die Projektoren sitzen im Kopfhörerbügel, zum Gucken schiebt man sich den Bügel vor die Augen. Die Videobrille soll über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter finanziert (Start am 22. Januar) und noch in diesem Jahr für 500 US-Dollar ausgeliefert werden.

Bei Epsons neuestem Streich, der Moverio BT-200, handelt es sich zwar ebenfalls um eine Displaybrille, hier geht es aber weniger um abgeschottetes Eintauchen in Videos, sondern vielmehr um Augmented Reality, also die Einblendung von Computergrafik in die reale Welt. Während der Vorgänger BT-100 bei seiner Einführung 2011 kaum beworben wurde, peilt Epson nun vorsichtig den Massenmarkt an – dank Google Glass interessiert sich nämlich auf einmal alle Welt für Datenbrillen.

Video: Epsons Augmented-Reality-Brille Moverio BT-200 aufgesetzt

Die BT-200 räumt die meisten Kritikpunkte der 100er-Version aus. So ist das Bild deutlich heller – laut Hersteller mit 700 Candela doppelt so hell wie beim Vorgänger. Die Auflösung blieb mit 960 × 540 Pixeln pro Auge gleich. Dafür hat Epson nun Kamera, Gyroskop, GPS und Beschleunigungssensor eingebaut. Auch wenn die BT-200 weniger filigran wirkt als die monokulare Google Glass: Sie ist nicht mehr ganz so klobig wie der Vorgänger und bringt nur noch 88 Gramm auf die Waage – vorher war es dreimal so viel.

In der leider nach wie vor mit einem Kabel angebundenen Steuerbox stecken der Akku und ein Smartphone ohne Display. Die Box dient zudem als Touchpanel zur Steuerung des Android-Systems, das von 2.2 auf die auch schon wieder etwas angestaubte 4.0.4-Version aktualisiert wurde. Beeindruckend: Der Akku soll bei eingeschaltetem Display sechs Stunden durchhalten. Google Glass macht im Extremfall schon nach 40 Minuten schlapp. Wer das durchlässige Display nicht mag und die Brille als (3D-)Kino verwenden will, kann ein mitgeliefertes Verdunklungselement vor die Gläser stecken.

Am beeindruckendsten sind die nun endlich möglichen Augmented-Reality-Anwendungen. Man merkt zwar deutlich, dass die Apps noch im frühen Betastadium stecken, aber es ist trotzdem faszinierend, wenn auf einmal räumliche Figuren von irgendwoher aufpoppen, die vorher nicht da waren. Leider entsprach das überlagerte Videobild in unserem Kurztest nicht exakt dem realen Seheindruck, weshalb das Gehirn dann doch noch etwas Übertragungsleistung übernehmen musste.

Epson ist bewusst, dass die Brille ohne kompatible Augmented-Reality-Anwendungen und -Spiele zum Scheitern verurteilt ist, denn nur zum Videogucken gibt es bessere Alternativen. Deshalb wollen die Japaner ein kostenloses SDK anbieten, die Entwickler-Website soll im März freigeschaltet werden. Im Mai soll die Brille weltweit auf den Markt kommen, in Europa für 700 Euro.

Aktivitätstracker und Co.

Wearables mit Sensoren, vor allem Aktivitätstracker, findet man auf der CES buchstäblich an jeder Ecke – nicht nur im riesigen Digital-Health-Bereich, der inzwischen fast eine ganze Halle füllt. Auch viele alteingesessene Unterhaltungselektronik-Unternehmen wollen am erhofften Milliarden-Markt mitverdienen und zeigen Aktivitätstracker. Die echten Innovationen kommen allerdings fast ausschließlich von kleineren Unternehmen, die großen kupfern zum Teil erstaunlich dreist ab. So erinnert Sonys Core zumindest optisch frappierend an das Flex-System des Aktivitätstracker-Urgesteins Fitbit. Ob es technisch mehr auf dem Kasten hat, wird sich erst beim Mobile World Congress im Februar herausstellen, denn bis dahin sind die Details geheim. LG ließ sich dagegen beim Sportklamotten-Riesen Nike inspirieren: LGs Life Touch Band sieht Nikes Fuelband auffallend ähnlich. Eine wirkliche Innovation haben die Koreaner aber mit den sogenannten Heart Rate Earphones gezeigt: Die In-Ear-Kopfhörer messen Pulsfrequenz und Sauerstoffaufnahme und schicken die Messdaten ans Touch Band, das wiederum mit dem Smartphone kommuniziert.

Nicht am Ohr, sondern direkt am Armband messen die Epson-Tracker PS-100 (ohne Display) und PS-500 (mit Display). Grüne LEDs an der Unterseite beleuchten schnell blinkend die Haut und das darunterliegende Gewebe. Aus dem zurückgestrahlten Licht können die Sensoren die Herzfrequenz errechnen. Die Technik wird bereits vom B1-Armband des Start-ups Basis eingesetzt (Test in c’t 12/13), die Epson-Armbänder sollen aber anders als das B1 auch beim Sport den Puls messen können.

Wirklich sinnvolle Daten könnte, falls die Technik wirklich funktioniert, das Reign-Armband von Jaybird liefern: Anhand von Veränderungen der Pulsfrequenz soll das Band die aktuelle Leistungsfähigkeit des Körpers ermitteln – und mitteilen, ob man gerade trainieren oder es lieber lassen sollte. Außerdem soll Reign nicht nur – wie andere Aktivitätstracker – Kalorienverbrauch und Schrittzahl ermitteln, sondern auch automatisch erkennen, ob man gerade läuft, schwimmt oder Rad fährt.

Fast eine kleine Arztpraxis zum in die Tasche stecken: Den an einen Eishockey-Puck erinnernden Scout von Scanadu hält man sich einfach an die Stirn – schon zeigt das Smartphone Pulsfrequenz; Temperatur, Sauerstoffsättigung, EKG und Blutdruck (!) an. Auch wenn uns das extrem ambitioniert erscheint: Scanadu will sich vor der Markteinführung von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA bescheinigen lassen, dass der Scout-Puck akkurat misst.

3D-Drucker

Die Firma MakerBot Industries hat als einer der ersten Hersteller auf günstige 3D-Drucker für Privatanwender gesetzt und stellt bereits seit Jahren ihre Neuheiten bevorzugt zur CES vor. Diesmal reihte sich das groß gewordene Start-up aus Brooklyn sogar zwischen Intel, Toyota und Sony in den Reigen der CES-Vorab-Pressekonferenzen ein: Enthüllt wurden dort gleich drei neue 3D-Drucker mit Ethernet- oder WLAN-Anschluss und fest eingebauter Weitwinkel-Kamera, die den Druckfortschritt als Live-Video übers Netz verbreiten soll.

Das schlicht Replicator genannte mittlere Modell druckt mit einer maximalen Größe von 25,2 cm × 19,9 cm × 15 cm etwas größere Objekte als die Vorversion gleichen Namens. Der Drucker soll ab sofort beim deutschen Vertrieb Hafner’s Büro zum Einführungspreis von 3211 Euro zu kaufen sein. Besitzer des kleineren Modells Replicator Mini müssen sich mit einer maximalen Objektgröße von 10 cm × 10 cm × 12,5 cm zufrieden geben – das entspricht ziemlich genau dem Bauraum des allerersten MakerBot-Druckers CupCake CNC, den man noch als Bausatz bekam und selbst montieren musste (c’t 3/11, S. 110). Auch die minimale Schichtdicke des Mini erinnert an alte Zeiten: Sie beträgt 0,2 Millimeter, was auf den Werkstücken mit bloßem Auge zu erkennen ist. Kleiner Bauraum und große Schichtdicke führen zu kurzen Druckzeiten, und so bewirbt der Hersteller seinen Mini als besonders schnelle Maschine für Konsumenten, die offenbar von Natur aus für ungeduldig gehalten werden. Folgerichtig soll auch das lästige Nivellieren des Drucktisches entfallen. Auch ein Display fehlt, Drucke sollen einfach auf Knopfdruck starten. Ein Euro-Preis ist für den Mini noch nicht bekannt, der US-Nettopreis wird mit 1375 Dollar angegeben.

Ins professionelle Lager stößt hingegen der Replicator Z18 mit einem geheizten, geschlossenen Gehäuse vor. Der Name leitet sich von der maximalen Modellhöhe (Z-Richtung) von 18 Zoll ab, was 45,7 Zentimetern entspricht. Die Grundfläche des Werkstücks darf maximal 30,5 Zentimeter im Quadrat betragen. Der Z18 soll 6500 Dollar netto kosten und im Frühjahr lieferbar sein.

Es fällt auf, dass die drei neuen Replikatoren von MakerBot für den Kunststoff PLA optimiert sind – im Klartext heißt das: Sie haben keinen beheizten Drucktisch, der beim Verarbeiten des alternativen Materials ABS für die nötige Haftung der Werkstücke auf der Grundplatte sorgt. Außerdem wird in alle drei zwar der neue „Smart Extruder“ als Druckkopf verbaut, der von Magneten gehalten wird und sich zur Wartung einfach abnehmen lässt – aber alle drei Maschinen können jeweils nur ein Material und damit in einer Farbe zur Zeit drucken. Auch bei der vergangenen Replicator-Generation gab es zunächst ein Ein-Kopf-PLA-Modell und erst später die offiziell ABS-fähige Doppelkopf-Variante Replicator 2X, insofern bleibt abzuwarten, ob der Hersteller nicht noch weitere Varianten seiner Geräte nachschiebt.

Auch der Konkurrent 3D Systems hat sein 3D-Druck-Biotop für Privatanwender namens Cubify um zwei neue Maschinen erweitert: Der Cube 3 fertigt Objekte bis zu einer Größe von 15,3 Zentimetern in allen drei Dimensionen, der CubePro schafft 27,3 cm × 27,3 cm × 24,1 cm – falls nur eine der Cube-typischen proprietären Materialkartuschen eingesetzt ist. Der Cube 3 verfügt offenbar nur über einen Druckkopf, kann aber zwei Kartuschen aufnehmen. Der Pro kann je nach Ausstattung (und Preis) mit bis zu drei Materialien gleichzeitig drucken. Die beiden Maschinen stecken zwar in schicken, passend zum Namen auch würfelförmigen Gehäusen. Was man im Inneren erkennen kann, erinnert aber stark an die Technik der Vorgängermodelle, die auf der CES im vergangenen Jahr als Neuheiten präsentiert wurden. Beide Drucker stellen Objekte aus PLA- oder ABS-Kunststoff mit einer minimalen Schichtdicke von 0,075 Millimetern her und empfangen ihre Druckdaten per WLAN – wie auch die beiden größeren der neuen MakerBot-Replikatoren. 3D Systems kündigte außerdem drei weitere Drucker für professionelle Anwender und besondere Zielgruppen an, die in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommen sollen. Die Modelle CeraJet und ChefJet bauen Schicht für Schicht Objekte aus Keramik beziehungsweise Zucker auf. Mit dem CeraJet soll man Kacheln, Geschirr und Schmuckstücke drucken können, die zur Fertigstellung noch auf übliche Art glasiert und gebrannt werden müssen. Der ChefJet soll dagegen in Großküchen und Konditoreien individuelle Dekorationen drucken, das Topmodell ChefJet Pro sogar in Farbe. Ein Preis für den CeraJet steht noch nicht fest, ChefJet soll unter 5000 Dollar kosten, ChefJet Pro unter 10 000 Dollar.

Das letzte neue Gerät heißt CubeJet und steht nicht nur namentlich zwischen den Consumer- und Profi-Serien von 3D Systems: Es soll vollfarbigen 3D-Druck zu einem Preis unter 5000 Dollar ermöglichen. Als Druckverfahren nutzt der CubeJet die von 3D Systems als „Color Jet Printing (CJP)“ bezeichnete Methode, bei der ein Bindemittel schichtweise in ein puderartiges Material eingespritzt wird. Durch eine Mischung farbiger Bindemittel ähnlich wie bei einem Tintenstrahldrucker entstehen bunte Objekte. (jkj)

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