zurück zum Artikel

Trends & News | News

Eltern haften nicht für Filesharing volljähriger Kinder Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Haftung für Inhaber von Internetanschlüssen weiter eingeschränkt (Az. I ZR 169/12 „BearShare“). Das oberste deutsche Gericht entschied, dass Eltern nicht...

Chrome beschleunigt mobiles Surfen

Die neue Mobil-Version des Browsers Chrome reduziert das benötigte Volumen für die Datenübertragung durch Kompression. Ist diese aktiviert, läuft der Datenverkehr über Proxy-Server von Google, die an den mobilen Client komprimierte Inhalte per SPDY-Protokoll liefern. Das benötigte Datenvolumen soll im Vergleich zur unkomprimierten Übertragung so um bis zu 50 Prozent schrumpfen.

Webseiten, die der Anwender per SSL oder im Inkognito-Modus aufruft, komprimiert der Browser nicht. In der Voreinstellung der App ist die Kompression abgeschaltet, der Menüpunkt verbirgt sich in den Einstellungen unter "Bandbreitenverwaltung, Datennutzung reduzieren". Die Mobilversion des Browsers Chrome steht im Android Play Store und im iOS App Store zum kostenlosen Download bereit. (dbe)

Amazon Deutschland stellt Angebot „Webstore“ ein

Der Online-Händler Amazon hat sein Angebot „Webstore“ in Deutschland überraschend und ohne Erklärung eingestellt. In dem Mietshop konnten Händler ihre Produkte anbieten. Amazon verlangte dafür eine Grundgebühr und Verkaufsprovision und stellte Dienstleistungen wie Betrugserkennung, Lagerung, Versand und Zahlungsabwicklung bereit. Das Angebot war erst Ende 2012 gestartet und erreichte in Deutschland nie größere Bekanntheit.

Nutzer des Webstores müssen nun bis 30. Juni eine Alternative finden. Amazon möchte ihnen gerne das Produkt Marketplace andienen, das zwar eine ähnliche Gebührenstruktur hat, aber anders als Webstore kaum Gestaltungsmöglichkeiten bietet. (Herbert Braun/uma)

Kindesmissbrauch per Webcam

Die britische National Crime Agency hat Details zu der „Operation Endeavour“ bekannt gegeben, bei der 29 Verdächtige festgenommen wurden. Sie sollen dafür bezahlt haben, sexuellen Missbrauch von Kindern, der auf den Philippinen stattfand, live per Webcam verfolgen zu können. 15 der Opfer konnten identifiziert werden, die philippinischen Behörden nahmen sie daraufhin aus ihren Familien.

Im vergangenen Jahr wurden einige der Täter zu hohen Haftstrafen bis zu 14 Jahren verurteilt, andere warten noch auf ihren Prozess. Auf die Spur des Netzwerks kamen die Ermittler offenbar durch Zufallsfunde in einem anderen Verfahren und eine Analyse der verwendeten Kreditkartenkonten.

Der Einsatz von Live-Webcams, um Dokumentation von Kindesmissbrauch zu verbreiten, ist offenbar ein zunehmendes Problem. Derzeit laufen in Großbritannien drei weitere große Ermittlungsverfahren mit insgesamt 733 Verdächtigen, davon 139 in Großbritannien. Die Ermittlungen sind extrem aufwendig, bei der „Operation Endeavour“ erstreckten sie sich über 14 Länder. (Torsten Kleinz/uma)

Google kauft Haustechnik-Unternehmen

Google kauft das Unternehmen Nest Labs Inc. für 3,2 Milliarden US-Dollar in bar, umgerechnet rund 2,3 Milliarden Euro. Nest hat sich mit netzwerkfähigen Heizungsthermostaten sowie Rauch- und Kohlenmonoxidmeldern einen Namen gemacht. Die Übernahme wird erst in einigen Monaten abgeschlossen werden können, da die Beteiligten erst behördliche Genehmigungen einholen müssen.

Nest betonte, die anfallenden Daten würden auch künftig nur für Betrieb und Verbesserung der Geräte und Dienste eingesetzt. Die Firma habe ein eigenes Hacker-Team, das nach möglichen Schwachstellen suche. Dem Unternehmen sei bewusst, dass viele Menschen Informationen aus ihrem Haushalt als sehr private Angelegenheit sähen. Google hatte schon zuvor mit einem Projekt für intelligente Stromzähler einen Vorstoß in Richtung Haustechnik unternommen, hatte es aber Mitte 2011 eingestellt. (uma)

Werbende Add-ons aus Chrome verbannt

Google hat zwei bislang unauffällige Add-ons aus dem Chrome-Store entfernt, nachdem diese damit begonnen hatten, Nutzer des Browsers Chrome mit zusätzlicher Werbung zu nerven, die sie in besuchte Webseiten einblendeten. Zuvor hatten bislang Unbekannte die Add-ons ihren Entwicklern abgekauft und die Werbe-Funktion den Anwendern per Update-Funktion untergejubelt. Betroffen waren die Apps „Add to Feedly“ und „Tweet This Page“. Chrome-Erweiterungen müssen zwar nach einer Erlaubnis des Anwenders fragen, bevor sie den Inhalt von Webseiten verändern dürfen, die erforderliche Genehmigung ist aber auch für den Betrieb vieler gutartiger Add-ons erforderlich. (uma)

Eltern haften nicht für Filesharing volljähriger Kinder

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Haftung für Inhaber von Internetanschlüssen weiter eingeschränkt (Az. I ZR 169/12 „BearShare“). Das oberste deutsche Gericht entschied, dass Eltern nicht für Rechtsverletzungen volljähriger Sprösslinge geradestehen müssen, wenn sie von diesen nicht erfahren haben.

Vier große Plattenfirmen waren rechtlich gegen einen Polizisten vorgegangen, weil dessen damals 20-jähriger Stiefsohn im Jahr 2006 insgesamt über 3700 Musiktitel in einer Internet-Tauschbörse angeboten haben soll. Die Firmen hatten den Anschlussinhaber abgemahnt und dafür rund 3400 Euro gefordert. Sie warfen ihm vor, die Aktivitäten nicht ausreichend überwacht zu haben. In den Vorinstanzen vor dem Landgericht und Oberlandesgericht Köln unterlag der Polizist. Die zunächst verwehrte Revision musste er erst durch Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht erstreiten.

Der BGH befand nun, dass zwischen Familienangehörigen ein besonderes Vertrauensverhältnis existiere. Der Anschlussinhaber dürfe volljährigen und damit eigenverantwortlichen Familienmitgliedern den Internetanschluss überlassen, ohne diese belehren oder überwachen zu müssen. Erst wenn es einen konkreten Anlass zu der Befürchtung gebe, dass volljährige Familienmitglieder den Internetanschluss für Rechtsverletzungen missbrauchten, müsse er Maßnahmen dagegen ergreifen.

Die Betonung der familiären Situation im aktuellen Urteil legt nahe, dass es sich nicht auf andere Konstellationen, beispielsweise Wohngemeinschaften, übertragen lässt. Es folgt der bisherigen Linie des BGH, dass Anschlussinhaber erst ab Kenntnis haften. (hob)

Kommentar: Google wird gruselig

Google gehörte für mich immer zu den sympathischeren Konzernen. Man hatte oft das Gefühl, dass Dinge dort manchmal einfach gemacht wurden, weil sie cool waren – und nicht unbedingt, weil sie betriebswirtschaftlich Sinn ergaben. Google war nicht so stromlinienförmig-elitär wie Apple, nicht so spießig wie Microsoft.

Meine Sympathie für Google schwindet allerdings. Nicht nur, weil Google regelmäßig lieb gewonnene Hilfsmittel einstampft und seine Nutzer auf Teufel komm raus in sein soziales Netzwerk G+ zwingt. Sondern weil mir der Laden langsam Angst macht. So hat Google zum Beispiel kürzlich Boston Dynamics gekauft, ein Unternehmen, das die wohl gruseligsten Militärroboter der Gegenwart baut. Dem Robotersoldaten Petman möchte ich nicht im Dunklen begegnen. Und im Hellen auch nicht.

Jetzt verleibt sich Google auch noch Nest ein, einen Hersteller von netzwerkfähigen Thermostaten und Rauchmeldern. Das klingt im ersten Moment nicht so gruselig wie potenziell Amok laufende Roboter, aber eben nur im ersten Moment. Denn mit Nest zieht Google in unsere Haustechnik ein; und künftig, wenn es mit dem „Internet der Dinge“ so weitergeht, vermutlich auch in andere Haushaltsgeräte. Ich finde das auf der einen Seite spannend und faszinierend, auf der anderen Seite macht mich in Zeiten von Abhörwahn und gehackten Servern jedes zusätzliche Gerät mit IP-Adresse nervös. Fragwürdig ist vor allem die Bündelung all dieser Information in einem einzigen Unternehmen: Google weiß jetzt schon, was ich mit wem schreibe (Gmail), wo ich mich gerade aufhalte (Android), welche Websites ich besuche (Googles Tracking-Cookies), welchen Fernsehsender ich schaue (siehe S. 78). Google steuert in Zukunft meine Haustechnik (Nest), kann mein Auto fahren (Google X), sieht, was ich sehe (Glass) und hat womöglich bald auch noch die Kontrolle über eine Armada von Haushaltsrobotern.

Ich will damit nicht sagen, dass Google bewusst Böses im Schilde führt – aber was das Unternehmen da auf seinen Servern hortet, birgt ein enormes Missbrauchspotenzial. Mit mehr Transparenz und vielleicht sogar einer Art unabhängigen Selbstkontrollinstanz würde Google mir ein wenig von meiner Angst nehmen können. Mit Petman will ich allerdings trotzdem nichts zu tun haben.

(Jan-Keno Janssen)


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-2222541