Prozessorgeflüster

Von chinesischen Einkäufen und universitären Patenten

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IBM verabschiedet sich von x86-Servern, der ADAC von Mitgliedern und Google von Motorola. Apple hat neuen Patentärger am Hals und AMD präsentiert seinen ersten ARM-Serverprozessor.

Da hält man mit IBM eine längere Web-Konferenz über Neuerungen bei den xSeries-Servern ab – und nur wenige Tage später ist alles Makulatur und der Laden weitgehend verkauft. IBMs x86-Abteilung ging dann aber doch nicht, wie das Wall Street Journal mutmaßte, an Dell, sondern an Lenovo (S. 18). Und weil PC-Marktführer Lenovo gerade mit großen Beuteln auf Einkaufstour war, kaufte die chinesische Firma gleich die darbende Motorola-Sparte von Google zum Schnäppchenpreis von 2,9 Milliarden Dollar dazu (S. 22). Zudem steht noch Sonys Vaio-Sparte auf Lenovos Einkaufswunschliste.

Google selbst hatte für Motorola vor drei Jahren noch 12,5 Milliarden berappt – hat aber dennoch keinen Verlust gemacht, sondern vermutlich noch kräftig an dem Deal verdient. Ein dicker, bei Google verbleibender Aktivposten sind Motorolas Patente; allein deren Wert wird auf 5,5 Milliarden Dollar eingeschätzt. Patente sind nicht nur wichtig, um Ansprüche geltend zu machen, sondern insbesondere auch, um sich gegen Patentansprüche anderer wehren zu können.

Und so schöpft Google kräftig neue und konnte auf der vom Patent-Service IFI vor Kurzem veröffentlichten US-Patentliste für 2013 mit 1851 Anmeldungen den elften Platz belegen. Angeführt wird diese Liste weiterhin – wie schon seit Langem – von dem Triumfirmat IBM, Samsung Electronics und Canon. Vor zwei Jahren war Google noch gar nicht bei den Top 50 dabei, 2012 erreichte Google dank der angemeldeten Motorola-Patente mit 1151 Erteilungen bereits Platz 21.

Ähnlich wie Google ist Apple in den letzten Jahren auf dieser Patentliste nach oben geschossen, liegt jetzt mit 1775 Erteilungen auf Platz 13. Beide US-Firmen sind inzwischen beliebte Angriffsziele wegen angeblicher Patentverletzungen, eine Disziplin, in der bislang noch Microsoft als Lieblings-Target fungierte.

Nicht nur konkurrierende Unternehmen, sondern auch amerikanische Unis treten häufig mit Patentansprüchen gegen Firmen auf. Bekannt geworden ist insbesondere die Klage der Carnegie Mellon University gegen Marvell, wegen einer Detektortechnik in deren Festplatten-Chips. Hierbei geht es immerhin um 1,17 Milliarden US-Dollar Schadenersatz, die dritthöchste eingeforderte Summe in der US-Patentgeschichte seit 1995. Die zweithöchste Summe von 1,52 Milliarden hatte mal Lucent gegen Microsoft wegen MP3-Patenten erstinstanzlich zugesprochen bekommen, aber letztlich einigte man sich nach sechs teuren Gerichtsverfahren außergerichtlich, wobei wohl nur ein Bruchteil der ursprünglich geforderten Summe geflossen ist.

Spekulationen

Es sieht derzeit allerdings nicht so aus, als ob Marvell auch so gut dabei wegkommen würde: eine Neuaufnahme des Prozesses wurde im Sommer letzten Jahres abgelehnt und nun hat das Gericht in Pittsburgh Marvells Antrag abgelehnt, zumindest die Schadenssumme zu halbieren.

Die Carnegie Mellon University ist dabei nur ein kleines Licht auf Platz 43 der Uni-Patenthitliste von 2012. Diese Liste wird angeführt von der University of California, gefolgt vom MIT, Stanford und der Universität von Wisconsin. Zum Teil betreiben die Unis zu dem Zweck der Patentüberwachung sogar eigene Einrichtungen, wie die „Regents of the University of California“ oder die Wisconsin Alumni Research Foundation (WARF) .

Nun hat die WARF die Patentstreitszene erneut belebt, und zwar mit einem uralten Patent, gegen das Apples A7 verstoßen haben soll. Das Patent US 5 781 752 vom 14. Juli 1998 „Table based data speculation circuit for parallel processing computer“ beschreibt spekulative Prozessortechniken, wie sie so oder so ähnlich in vielen modernen Prozessoren wiederzufinden sind. Vor fünf Jahren musste sich bereits Intel mit der WARF über dieses Patent auseinandersetzen. Da half es auch nichts, dass einer der Erfinder zuvor von Intel Zuschüsse bekommen hatte und dass ein Teil der Forschungsgelder aus öffentlichen Töpfen stammte. Nachdem die Richterin klarstellte, dass sie diese Einrede nicht zulasse, einigte sich Intel mit der WARF vor Eröffnung des Hauptverfahrens. Wenn jetzt Apple einknickt, dürften kurz darauf vermutlich alle weiteren ARM-Lizenznehmer mit neuen Cortex-Prozessoren dran glauben.

Als Nächster könnte AMD auf dem Präsentierteller stehen. Recht überraschend stellte nämlich der Intel-Konkurrent seine ersten ARMv8-Prototypen Opteron A1100 mit Codenamen Seattle vor (Seite 18). Die Serverchefs von AMD und ARM, Suresh Gopalakrishnan und Lakshmi Mandyam, kamen im Rahmen einer Promotion-Tour auch nach München. Hier verriet Gopalakrishnan unter anderem, dass der ARM-Opteron in Dresden gefertigt wird. Die Kollegen aus AMDs x86-Opteron-Fraktion werden neidisch sein, denn der Neue darf auch gleich mit so schönen Dingen wie PCIe 3.0 und DDR4 aufwarten.

AMDs erstes ARM-Entwicklerboard XC-1 ist aber nur für DDR3 ausgelegt. GPUs sollen gemäß der von ARM spezifizierten Server Base System Architecture via PICe 3 unterstützt werden. Das XC-1-Board bietet dafür jedoch nur 8 Lanes, was die maximale Übertragungsrate der Radeon-Karten halbiert. Der angebotene x8-Slot ist wohl mehr für kleinere Mellanox-FDR-Infiniband-Karten gedacht. Auf APUs mit integrierten ARM- und GPU-Kernen im Rahmen von HSA wird man laut Gopalakrishnan noch zwei, drei Jahre warten müssen. Hier arbeitet man zusammen mit den HSA-Partnern derzeit noch an der Festlegung der Spezifikation. (as)

The Show must go on

Er gehörte zu den Urgesteinen der deutschen und internationalen Supercomputerszene. Als Professor für Mathematik führte er in den 80er Jahren internationale Seminare über Supercomputer an der Universität Mannheim ein, die sich im Laufe der Zeit zur weltweit zweitgrößten internationalen Supercomputerkonferenz ISC entwickelten. Er war zudem einer der Mitschöpfer der viel beachteten Top500-Liste der Supercomputer. Prof. Dr. Hans Meuer verstarb 77-jährig am 21. Januar im Kreise seiner Angehörigen im nordbadischen Daisbach. „The Show must go on“ – so seine Devise, und dementsprechend werden seine beiden Söhne Martin und Thomas die ISC weiterführen, an der sie schon längere Zeit maßgeblich mitgearbeitet haben.

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