Bye-bye, Vaio

Sony zieht sich aus dem PC-Geschäft zurück

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Die Marke Vaio dürfte in absehbarer Zeit vom deutschen Markt verschwinden, denn Sony zieht sich aus dem PC-Geschäft zurück. Das ist schade, waren die Japaner doch immer wieder für besondere Notebooks abseits des Mainstreams gut.

Die Bemühungen bei Sony, das Kerngeschäft mit Unterhaltungselektronik zu sanieren, laufen schon seit einiger Zeit. Doch so richtig erfolgreich sind sie bisher nicht: Zwar kehrte Sony in den ersten neun Monaten des im März endenden Geschäftsjahres dank des schwachen Yen mit einem Nettogewinn von 11,2 Milliarden Yen (82 Millionen Euro) in die schwarzen Zahlen zurück. Am Ende des Geschäftsjahres soll laut den nach unten korrigierten Prognosen aber ein Verlust von 110 Milliarden Yen (rund 800 Millionen Euro) anfallen. Zuletzt hatte Sony noch einen Gewinn von 30 Milliarden Yen (220 Millionen Euro) in Aussicht gestellt.

Das zieht nun weitere Restrukturierungen nach sich. Die Verluste im Geschäft mit Fernsehern und Computern halten an: Sony rechnet nicht mehr damit, die beiden Sparten im Laufe des Geschäftsjahrs in die Gewinnzone zurückführen zu können. Also verkauft Sony das PC-Geschäft (mitsamt der Marke Vaio) an eine Tokioter Investment-Gesellschaft und gliedert die Fernsehsparte aus. Insgesamt sollen bis März 2015 rund 5000 Arbeitsplätze wegfallen.

Mobiler Innovator

Für Kunden ist der Ausstieg aus dem PC-Geschäft schade und ärgerlich. Wer erst kürzlich ein Vaio-Notebook gekauft hat, sollte sich aber nicht sorgen: Sony Deutschland verspricht, trotz des Ausstiegs sämtliche Garantie- und Gewährleistungsansprüche voll zu erfüllen. Zumindest in den nächsten Wochen werden auch noch die ein oder anderen neuen Modellvarianten auf den Markt kommen. Danach ist aber Schluss – und damit dürfte auch die Chance verschwindend gering sein, dass die japanischen Entwickler eventuelle Kinderkrankheiten oder Ähnliches noch mit BIOS- oder Treiber-Updates beheben.

Langfristig tut der Rückzug besonders weh, denn Sony hat oft mit innovativen Notebooks überzeugt, die einzigartig waren. Das beschränkt sich nicht nur auf Exoten wie das Notebook mit Transmeta-Prozessor aus dem Jahre 2002: Ein so mobiles Schnuckelchen wie das nicht einmal eineinhalb Pfund leichte, Ende 2008 veröffentlichte Vaio P im Format eines DIN-Lang-Briefumschlags hat es seitdem nicht mehr gegeben. Mit der extremen Breitbildauflösung von 1600 × 768 Punkten auf 8 Zoll Diagonale hatte das Gerätchen zudem bereits ein Hoch-DPI-Display mit feinen 225 dpi an Bord – lange vor Retina-MacBook & Co.

Auch besonders flache Notebooks hatte Sony schon weit vor dem Ultrabook-Boom im Programm: Das über 3000 Euro teure Vaio X505 aus dem Jahr 2004 war ein 850 Gramm leichter, extrem dünner 10-Zöller mit Pentium M. Ende 2009 erschien eine nochmals leichtere Vaio-X-Neuauflage mit 11-Zoll-Bildschirm, SSD-Laufwerk und integriertem UMTS. Der Preis war mit rund 1500 Euro bereits deutlich erschwinglicher, auch wenn im Notebook nur eine Atom-CPU arbeitete und kein potenterer Core-i-Prozessor.

Wer damals viel Power für unterwegs brauchte, griff zum Vaio Z, in dem Sony die dicksten Doppelkerne mit Zusatzgrafikchips kombinierte. Dennoch gehörte der 13-Zöller zu den leichtesten seiner Art. Bei späteren Varianten des Geräts lagerte Sony 2011 das optische Laufwerk und den Grafikchip in ein externes Gehäuse aus. Die Anbindung der GPU wurde über einen Glasfaser-Link realisiert; genau genommen mit Light Peak, dem optisch-proprietären Vorgänger von Thunderbolt. Apropos Schnittstellen: Sony blieb Firewire – Pardon: i.Link – länger treu als viele andere Notebook-Hersteller – hatte es den Standard doch selbst mitentwickelt. Aus gleichem Grund fand man bereits früh Blu-ray-Laufwerke und noch lange MemoryStick-Leser in seinen Notebooks.

Anfang vom Ende

In den letzten Jahren wurde es ruhiger um Sony, wenngleich die Japaner immer noch besondere Geräte veröffentlichten wie etwa das Vaio S, ein leistungsstarker und dennoch leichter 15-Zoll-Flachmann. Mitte 2013 wurde das Portfolio aber radikal zusammengestrichen und ist seitdem von allgegenwärtigen Notebook-Tablet-Hybriden und austauschbaren Brot-und-Butter-Maschinen dominiert. Die hochpreisigen Spezial- und Nischenprodukte waren es jedoch, die das Image maßgeblich färbten.

Der Verkauf der PC-Sparte, zu der außer Notebooks zuletzt auch All-in-Ones gehörten, bedeutet nicht zwingend das Aus für die Marke Vaio. Am wahrscheinlichsten ist aber, dass der designierte Käufer JIP (Japan Industrial Partners Inc.) solche Geräte künftig nur noch auf dem Heimatmarkt Japan veröffentlicht. Auch andere Firmen wie NEC oder Sharp sind ausschließlich dort aktiv, denn Japaner kaufen gerne mit Lokal-Kolorit – vor allem anstelle von Produkten des großen Nachbarn China, mit dem man sich ja unter anderem politisch-militärische Scharmützel um Pazifik-Inseln liefert. (mue)

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