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Vom „Merkel-Phone“ zur „Merkel-Infrastruktur“

Mehr als 500 Unternehmen präsentieren auf der diesjährigen CeBIT Produkte und Dienstleistungen zur IT-Sicherheit. Besonders das Bochumer Unternehmen G Data machte Schlagzeilen mit dem Verzicht auf den Messebesuch. Andere große Namen wie Symantec, Kaspersky, Trend Micro und Eset sind nach wie vor in Halle 12 vertreten. G Data hatte sein Fernbleiben in diesem Jahr damit begründet, dass dieser Standort zu sehr abseits der Hauptwege und großen Besucherzahlen liegen würde. Die Hersteller Avira und das nun als Intel Security firmierende McAfee sind als Partner auf Ständen anderswo auf der Messe vertreten. Ganz im Sinne der CeBIT-Neuausrichtung konzentrieren sich in diesem Jahr fast alle großen Sicherheitsfirmen auf Unternehmenskunden und Vertriebspartner.

Durch die NSA-Enthüllungen des letzten Jahres ist vor allem der Schutz vertraulicher Daten in den Fokus gerückt. Die Düsseldorfer Firma Secusmart sieht das 2013 auf der Messe vorgestellte „Merkel-Phone“ als vollen Erfolg und will nun eine abhörsichere „Merkel-Infrastruktur“ vorstellen – gemeint sind abhörsichere Festnetz-Telefone und Telefonkonferenz-Systeme. Die Tischtelefone nutzen eine ähnliche Smartcard wie das als „Merkel-Phone“ bekanntgewordene BlackBerry des Düsseldorfer Herstellers. Genau wie bei den Mobilgeräten muss eine solche Karte zum Ver- und Entschlüsseln an beiden Enden der Verbindung vorhanden sein.

Neben Secusmart stellen auch eine Reihe weiterer Anbieter abgesicherte Telefonsysteme vor. Diese reichen von verschlüsselnden Smartphones mit modifiziertem Windows-Betriebssystem wie dem Cryptophone der Berliner Firma GSMK bis zum CryptoGateway der Firma Sirrix, das verschlüsselte Verbindungen von außen auf beliebige Nebenstellen im Unternehmen weiterleiten soll. Auch diese Systeme setzen allerdings voraus, dass beide Gesprächspartner über die gleiche Infrastruktur verfügen. Erschwerend kommt hinzu, dass einige der Systeme nur mit Sicherheitsfreigabe durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik oder ähnlichen Stellen bezogen werden können – eine unüberwindbare Hürde für viele mittelständische Unternehmen.

Da viele Mitarbeiter oft ein und dasselbe Smartphone für Arbeit und Beruf einsetzen, ist auf Mobilgeräten nicht nur die Sprachkommunikation anfällig für Angriffe. Auch die auf den Geräten gespeicherten Daten sollten nicht in die falschen Hände geraten. Trend Micro führt auf der Messe zum ersten Mal eine Remote-Desktop-Software für Android und iOS vor, die Daten und Anwendungen von Unternehmensservern direkt auf Smartphones und Tablets der Mitarbeiter zugänglich macht. So sollen sensible Daten im Unternehmen verbleiben und beim Diebstahl des Endgerätes nicht gefährdet werden. Ein anderer Ansatz, der von Firmen wie MediaTest verfolgt wird, ist die serverseitige App-Verwaltung durch Whitelists. Hierbei sind zwar die Daten auf dem Handy nicht gesichert, Firmen können aber wenigstens entscheiden, welche Apps ihre Mitarbeiter auf ihren Smartphones installieren können. (fab)

Gewinnbringer für Firmenserver und -mobilgeräte

Bei fast allem, das sich auf der CeBIT um Software dreht, steht im Mittelpunkt der Einsatz fürs Geschäft. Dabei spielt es keine Rolle, ob man rein lokale Installationen im eigenen Rechenzentrum, externe Zugriffsmöglichkeiten per HTML5 oder spezielle Mobil-Apps nutzt oder gleich einen Cloud-Dienst, der den Bedarf an eigenen Admin-Ressourcen reduziert. Alle Ansätze wird man gleichmäßig verteilt in den themenrelevanten Messehallen 2, 3, 4, 6, 12 und 13 entdecken.

Das gilt auch für die klassischen Disziplinen Buchhaltung, ERP (Enterprise Resource Management), CRM (Customer Relationship Management), DMS (Dokumentenmanagementsysteme) und BI (Business Intelligence). Diesen Anwendungsgattungen widmen sich nicht nur Marktriesen wie SAP, Microsoft, die Software AG und nicht zuletzt die Datev, sondern auch zahlreiche mittelständische Anbieter mit eigenen Messeständen. Die Sage-Gruppe verzichtet erstmalig auf ihren großen Messestand und wird dieses Jahr wohl nur durch ihren Partner Chipsize vertreten sein. Vermehrt engagieren sich dagegen Branchenverbände und Vermittlungspartner mit themenbezogenen Arealen für kleinere Messeauftritte. Dazu zählt etwa der Bitkom ECM Solutions Park (Enterprise Content Management), das Forum BI & CRM, die VOI ECM Area und das CeBIT ECM Forum.

Auch das vor allem für System-Architekten wichtige Thema der Server-Konsolidierung wird zunehmend von Hosting-Angeboten, Cloud-Techniken und Anforderungen zum Support von Mobilgeräten durchdrungen. Microsoft ist mit Hyper-V, gehostetem Exchange, SharePoint und Power BI sowie mit Unterstützung von Windows-(Phone-)8-Apps auf allen Hochzeiten dabei. Ein weiteres Beispiel liefert VMware mitsamt der Tochter EMC. Der Konzern verbreitert seine Kernkompetenzen zum Einrichten virtueller Server und passender (physischer und virtueller) Speichersysteme immer weiter auf das Angebot virtueller Desktops für Schreibtisch- und Mobilarbeitsplätze. Nicht von ungefähr hat sich VMware mit Airwatch jüngst auch einen Spezialisten fürs MDM (Mobile Device Management) einverleibt. Es bevölkert zusammen mit weiteren Ausstellern, zum Beispiel Citrix, IBM und dem Thin-Client-Anbieter Igel das Virtualisation & Storage Forum. IBM konzentriert sich wie immer auf seinen Messe-Hauptstand, zeigt dort aber ebenfalls viele Hilfsmittel zur kundenspezifischen Orchestrierung von Software-Services und zum Teamwork per LAN und Web.

BYOD (Bring Your own Device) ist ein weiteres Buzzword, das nicht nur die Nutzer von Mobilgeräten und von Server-Anwendungen mit zugehörigen Client-Apps anspricht. Nebenbei schafft es einen wachsenden Markt für MDM-Anwendungen, Werkzeuge für App-Entwickler und von Dienstleistern, die sich der Auswahl unbedenklicher Apps für den Unternehmenseinsatz widmen. Einen Sammelpunkt für diesbezügliche Aussteller bildet der Enterprise Mobile Park.

Last, but not least seien zwei weitere Schauplätze erwähnt: Der Public Sector ist traditionell ein Anlaufpunkt für öffentlich bedienstete Messebesucher, und beim Start-up-Wettbewerb Code_n, der in diesem Jahr unter dem Leitmotiv Big Data steht, sind außer den stolzen Firmengründern natürlich auch deren Errungenschaften von Interesse. (hps)

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