Billige Wiedergänger

AMD bringt Athlon und Sempron für Kampfpreis-PCs zurück

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So wie Intel die Produktnamen Celeron und Pentium seit Jahren weiterführt, obwohl viele unterschiedliche Prozessortypen drinstecken, holt AMD nun Athlon und Sempron aus der Mottenkiste. Intel reagiert darauf mit Treibern, die Zusatzfunktionen freischalten.

Der Desktop-PC-Weltmarkt schrumpft weiter, aber nicht in allen Segmenten. Laut AMD und Intel verkaufen sich Billigrechner weiter gut, vor allem in Schwellenländern wie China, Indien, Südamerika. Dafür hat AMD Kabini-Prozessoren im Angebot, die als E- und A-Produktserien verkauft werden – allerdings nicht einzeln: Sie stecken in Ball-Grid-Array-(BGA-)Gehäusen zum Auflöten auf Mainboards, genau wie viele Mobilprozessoren oder auch Intels Atoms. Nun kommen unter den Namen Athlon und Sempron solche Kombiprozessoren für Mainboards mit Wechselfassung. Die können besonders billig ausfallen, weil außer dem Grafikprozessor auch der gesamte Chipsatz direkt im Prozessor steckt. Die Fassung nennt AMD intern FS1b, der Marketing-Name lautet AM1.

Die neuen Athlons und Semprons sind eng mit den bisherigen Kabini-Typen verwandt und teilen fast alle deren Eigenschaften. Folglich besitzen sie zwei oder vier CPU-Kerne des Jaguar-Typs sowie eine Graphics-Core-Next-(GCN-)GPU. Die Chips entstammen der 28-Nanometer-Produktion des Auftragsherstellers TSMC. Controller für zwei SATA-6G-Ports sowie USB 2.0 und 3.0 sind eingebaut. Den Einkanal-Hauptspeicher kann man mit zwei PC3-12800-DIMMs bestücken, 16 GByte sind möglich.

Typenbezeichnungen und Preise für die ersten AM1-Prozessoren hat AMD bis zum Redaktionsschluss nicht veröffentlicht. Es gibt aber plausible Spekulationen, denen zufolge ausschließlich 25-Watt-Typen kommen. Deren schnellster soll 2,05 GHz erreichen und Athlon 5350 heißen. Seine GPU schafft 600 MHz und könnte den Namen Radeon R3 tragen. Diese Eigenschaften entsprechen fast genau dem Kabini-Typ A6-5200, der in einigen aktuellen Notebooks steckt.

Mehr 3D-Leistung als Atom-Celerons

AMD positioniert die AM1-Chips gegen Intels neue Billigklasse mit Atom-Innenleben, die verwirrenderweise unter den Namen Celeron und Pentium verkauft wird. Diese „Bay Trail“-Celerons rechnen bei gleicher Taktfrequenz ähnlich schnell wie die Kabinis von AMD (siehe Seite 122), hinken aber bei der 3D-Grafik weit hinterher. Doch die Bay-Trail-Chips sind auch nur mit 7,5 (Mobilversionen) beziehungsweise 10 Watt TDP spezifiziert. Wie deutlich sich das praktisch bemerkbar macht, können erst Tests konkreter Produkte zeigen.

Intel hat aber noch einen weiteren AM1-Gegner im Angebot: den 35-Euro-Celeron G1820 mit Haswell-Innenleben. Er läuft auf LGA1150-Mainboards, von denen die billigsten H81-Versionen ab 40 Euro zu haben sind. Der Celeron G1820 ist zwar mit 53 Watt TDP spezifiziert, bleibt in der Praxis jedoch darunter. Jeder seiner beiden CPU-Kerne ist pro Takt wesentlich leistungsfähiger als ein Jaguar- oder Bay-Trail-Kern, weshalb er mit seinen 2,7 GHz den AMD A6-5200 locker schlagen dürfte – also auch den erwarteten Athlon 5350. Und die „HD Graphics“-GPU im Celeron G1820 ist besser als ihr Ruf: Sie erreicht in den 3D-Benchmarks 3DMark Firestrike und 3DMark 11 mehr Punkte als der Kabini-Typ A4-5000 – der Abstand zum Athlon 5350 dürfte knapp sein. Der A4-5000 reicht aber ohnehin nicht für viel mehr als „Die Sims“, siehe die Kabini-Vorstellung in c’t 13/13, Seite 84.

Im Vorfeld der AM1-Ankündigung hatte Intel den Video-Transcoding-Beschleuniger Quick Sync Video mit einem neuen Windows-Treiber überraschend auch für einige Billig-Haswells freigeschaltet, darunter der erwähnte Celeron G1820. Auch kommende Bay-Trail-Celerons sollen nun doch Quick Sync können. Damit kontert Intel anscheinend die Video Compression Engine (VCE 2.0) von AMD, die auch in den AM1-Chips stecken wird. Sowohl VCE als auch Quick Sync sind mit Transcoding-Programmen wie Cyberlink MediaEspresso 6.5 nutzbar. Sowohl AM1- als auch Haswell-Prozessoren unterstützen 4K-Displays, Erstere aber nur mit 30 Hz. Ihr HD-Video-Decoder schafft auch 3D-Blu-rays.

Auch AMD selbst hat mit dem FM2-Prozessor A4-4000 (Richland) einen 35-Euro-Doppelkern mit besserer GPU im Angebot, dazu passende Mainboards mit der Fassung FM2 oder FM2+ und USB 3.0 gibt es ab 45 Euro.

AM1-Mainboards sollen von Asrock, Asus, Biostar, ECS, Gigabyte und MSI kommen, und zwar in den Formaten Micro-ATX und Mini-ITX. Auf der Gigabyte-Webseite sind schon Informationen zu GA-AM1M-S2H und GA-AM1M-S2P aufgetaucht. Demnach scheint Letzteres mit PCI-Slot und Parallelport eher auf Umsteiger von Alt-PCs zu zielen, es bringt auch bloß eine VGA-Buchse mit. Das GA-AM1M-S2H besitzt auch eine für HDMI-Displays.

Asrock hat das kompakte AM1B-ITX entwickelt, das auch noch in alten Rechnern ohne ATX12V-Netzteile läuft. Dabei können auch Parallel-, VGA- und PS/2-Ports sinnvoll sein. AMD betont, auch noch Windows-XP-Treiber zu liefern. Über den Asmedia-Chip ASM1061 stellt das AM1B-ITX zwei zusätzliche SATA-Buchsen bereit. FM2-Kühler passen übrigens nicht.

Für kleine Server eignen sich AM1-Boards kaum: Die Systems-on-Chip binden höchstens zwei SATA-6G-Buchsen an. Ein zusätzlicher SATA-Adapter kommt meistens teurer, als gleich ein Mainboard mit mehr SATA-Ports für einen anderen Prozessortyp zu kaufen. Die Erweiterungsmöglichkeiten sind ohnehin eingeschränkt, die auf manchen Boards vorhandenen PCIe-x16-Steckplätze sind mit höchstens vier PCIe-2.0-Lanes beschaltet.

Später im Jahr will AMD verbesserte Billigprozessoren bringen, der Codename lautet Beema: Darin stecken Puma-Prozessorkerne, wohl weiter aus der TSMC-Fertigung. Vermutlich legt auch die GPU zu. Ob sich das Aufrüsten dann lohnen wird, ist aber nicht abzusehen – es wird eine Billig-Plattform bleiben. (ciw)

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