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6-Watt-Klötzchen

Sparsamer und billiger Mini-PC mit Atom-Celeron

Test & Kaufberatung | Test

Ein flüsterleiser PC für 190 Euro, der im Leerlauf bloß 6 Watt schluckt: Das lässt sich leicht aus Intels NUC-Barebone mit Celeron N2820 bauen. Rechenleistung und Ausstattung sind zwar mager, aber es gibt schöne Details.

PC-Zwerge liegen im Trend und Intel mischt mit: Die Barebone-Familie Next Unit of Computing (NUC) bekommt ständig Zuwachs. Die winzigen, aber soliden Gehäuse belegen ungefähr die Fläche einer CD-Hülle. Nach dem einfachen Einbau von Speichermodul und Notebook-Festplatte beziehungsweise SSD ist ein NUC einsatzbereit.

Neues Billigmodell ist der DN2820FYKH. Man bekommt ihn ab 125 Euro, ein WLAN-Modul mit Bluetooth 4.0 ist eingebaut. Inklusive 35-Euro-Platte und SO-DIMM für 20 Euro ist der Linux-Rechner komplett – mit Windows kostet er rund 270 statt 190 Euro. Im Leerlauf schluckt der PC weniger als viele DSL-Router und bleibt nach einem kleinen Eingriff ins BIOS-Setup flüsterleise.

Sparsamkeit zum Schnäppchenpreis hat Nebenwirkungen: Der Celeron N2820 ist schlichtweg lahm. Es handelt sich dabei nämlich nicht um einen abgespeckten Ultrabook-Prozessor wie in seinen teureren und älteren NUC-Geschwistern [1], sondern um einen „Atom-Celeron“. Darin steckt die Bay-Trail-Technik des für Tablets entwickelten Atom Z3770. Statt vier gibt es im Celeron N2820 freilich bloß zwei CPU-Kerne, die immerhin 2,17 GHz erreichen. Die im Vergleich zu Core-i-Prozessoren stark vereinfachte Mikroarchitektur rechnet pro Taktschritt und Kern viel langsamer. Das zeigt der Vergleich mit dem älteren Celeron 847 [2]: Der leistet schon bei 1,1 GHz praktisch dasselbe wie der Celeron N2820, schluckt allerdings mehr Strom.

Abgespeckt

Die integrierte GPU des N2820 zieht ebenfalls nicht die Wurst vom Brot. Für ein Display steht bloß eine einzige (HDMI-)Buchse bereit, die maximal 1920 × 1200 Pixel liefert – für 2560er- oder gar 4K-Monitore reicht es nicht. Das einkanalige Speicher-Interface wurde auf Sparsamkeit statt Durchsatz optimiert, der einzige Steckplatz fasst bis zu 8 GByte. Es muss unbedingt DDR3L-Speicher für 1,35 Volt zum Einsatz kommen, normale DDR3-SO-DIMMs funktionieren nicht.

Der Buchstabe „H“ am Ende der Typenbezeichnung DN2820FYKH verweist auf das neue, etwas höhere NUC-Gehäuse: Anders als in die flacheren passt hier ein 2,5-Zoll-Laufwerk hinein, also auch eine SSD. Der NUC-typische Steckplatz für eine mSATA-SSD fehlt jedoch und der SATA-II-Port schafft lediglich 3 GBit/s. Es gibt auch keinen SD-Kartenleser und nur eine einzige USB-3.0-Buchse an der Frontplatte, zwei USB-2.0-Ports sitzen hinten. Dank des integrierten Bluetooth-Empfängers kann man aber drahtlose Eingabegeräte ohne USB-Dongle anbinden. Sogar ein Infrarot-(IR-)Empfänger ist eingebaut. Er empfängt Signale von Fernbedienungen, die nach den Microsoft-Vorgaben für das Windows-Mediacenter (MCE) senden. Ein weiteres nettes Detail: Die rückseitige Klinkenbuchse liefert nicht bloß Stereosound an Kopfhörer, sondern bindet über den vierten Kontakt ein Headset-Mikrofon an. Schließlich packt Intel auch eine Montageplatte in den Karton, mit der sich der NUC hinten an Bildschirmen mit VESA-Gewindebohrungen (75er- oder 100er-Abstand) befestigen lässt.

Das Steckernetzteil produziert keine Pieps- oder Brummgeräusche, der Hohlstecker am relativ langen Kabel hält recht sicher im NUC. Der Adapter für deutsche Steckdosen könnte am Netzteil aber etwas fester sitzen.

Die Lüftersteuerung ist schlecht vorkonfiguriert: Senkt man den Minimalwert im BIOS-Setup von 40 auf 20 Prozent, bleibt das Betriebsgeräusch in allen Lastsituationen unter der Messgrenze unserer Schallkabine. Ärgerlicher BIOS-Bug: Nach dem Aufwachen aus dem S3-Energiesparschlaf dreht der Lüfter höher. Denselben Fehler zeigten schon andere NUC-Versionen.

Lahm

Die Rechenleistung reicht bloß genügsamen Naturen und ähnelt der von AMD-Konkurrenten wie E-350 oder der E2-1800. Der Celeron N2820 ist dabei etwas sparsamer. HD-Videos laufen dank Hardware-Decoder auch im 1080p-Format, eine Blu-ray-Disc vom externen USB-Laufwerk spielte der Rechner mit etwa 25 Prozent CPU-Last und 9 Watt Leistungsaufnahme. Für Software-Decoding sind die CPU-Kerne zu schlapp. HDMI liefert weniger digitale Audioformate als gewohnt, so fehlen etwa Dolby TrueHD und DTS HD.

Im System-on-Chip Celeron N2820 stecken neuartige Funktionen, darunter ein „Trusted Execution Engine Interface“ (TXE) und ein „Sideband Fabric Device“. Dafür finden sich zwar Treiber auf der Intel-Webseite, aber der Nutzen bleibt unklar. TXE soll für Secure Boot nützlich sein, hilft aber nicht bei der AES-Verschlüsselung – jedenfalls nicht mit TrueCrypt 7.1a. Die Performance beim Verschlüsseln ist erwartungsgemäß mau. Der RST-Treiber von Intel lässt sich unter Windows nicht installieren und senkt also auch die Leistungsaufnahme nicht weiter.

Die 3D-Leistung der „HD Graphics“-GPU ist noch schwächer als in Celerons mit abgespeckten Core-i-Kernen, aber viel besser als in alten Atoms. Trotzdem reicht es bei Weitem nicht für schnelle Spiele. Die GPU verarbeitet zwar auch OpenCL-Code, aber langsamer als die beiden CPU-Kerne.

Aktuellen Linux-Distributionen mangelt es noch an Treibern für die ziemlich neuen Bay-Trail-Chips, aber eine Beta-Version von Ubuntu 14.04 LTS ließ sich problemlos installieren und nutzte auch die magere 3D-Beschleunigung. HD-Videos ruckelten aber, sowohl mit dem Flash-Player in Firefox als auch mit dem HTML5-Player von Chromium. Mit Ubuntu 14.04 war der NUC ebenso sparsam wie unter Windows 8.1 x64.

Wer mit der mäßigen Performance des Celeron N2820 auskommt, kann zum Billig-NUC greifen. Die ähnlich sparsame und kompakte Zotac ZBox nano AQ01 [3] mit AMD A4-5000 ist zwar etwas schneller und bietet mehr Anschlüsse, kostet aber auch mehr und rauscht lauter. (ciw)

Literatur
  1. [1] Christof Windeck, Verbesserter Winzling, Intels Mini-PC NUC mit Haswell-CPU, USB 3.0 und SATA, c’t 22/13, S. 20
  2. [2] Christof Windeck, Winziger Pinguin, Selbst gebaut für 250 Euro: sparsamer, leiser Mini-PC mit Linux, c’t 10/13, S. 134
  3. [3] Christian Hirsch, Mini-Quad, Nettop-PC mit Kabini-Prozessor, c’t 3/14, S. 64

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http://www.heise.de/-2159391