Schlauer statt breiter

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Devolos kommende Powerline-Adapter dLAN 1000+ übertragen zwei Signale parallel über verschiedene Stromleitungsadern, um den Durchsatz beim Vernetzen über die Steckdose zu verdoppeln.

Schon anno 2009 brachte Belkin die ersten Gigabit-Powerline-Adapter mit Gigle-Chips auf den Markt, die auf günstigen Verbindungen im Hausstromnetz bis zu 900 MBit/s brutto übertrugen. Davon blieben auf Anwendungsebene aber höchstens 211 MBit/s übrig (c’t 2/11, S. 76), immerhin ein bisschen mehr als die 188 MBit/s der damals gerade aufkommenden HomePlug-AV2-Technik (500 MBit/s brutto).

Auf den häufiger auftretenden mäßigen und schlechten Verbindungen war die Gigle-Lösung aber manchmal sogar langsamer als die seinerzeit etablierte HomePlug-AV-Technik mit 200 MBit/s brutto. Obendrein neigte sie wegen ihres erheblich breiteren Übertragungssignals (2 bis 305 MHz statt 2 bis 68 MHz) zu Störungen von Rundfunkdiensten wie DAB. So blieb der Markterfolg aus.

Inzwischen ist Powerline schlauer geworden: Der Chiphersteller Qualcomm Atheros kündigte im Herbst 2013 mit dem QCA7500 seinen ersten Baustein für MIMO-Powerline an. Die beim WLAN seit 2005 etablierte Multiple-Input-Multiple-Output-Technik überträgt im selben Frequenzband verschiedene Signale durch räumliche Mehrwegeausbreitung parallel, bei Powerline stattdessen auf verschiedenen Adern der Stromleitung. Das soll den Brutto-Durchsatz verdoppeln: Aus den 500 MBit/s der etablierten HomePlug-AV-Technik werden so 1000 MBit/s.

Zur CES Anfang Januar traten mit Trendnet und TP-Link die ersten Hersteller mit MIMO-Adaptern an die Öffentlichkeit, kurz darauf folgten AVM und Devolo. Letzterer stellte der c’t nun zwei der ersten Prototypen zur Verfügung.

Trotz des Vorserienstatus sind die Ergebnisse sehr erfreulich, wenn auch anders als erwartet: Die MIMO-Technik beschleunigte beim Versuch in einer Etagenwohnung die mäßigen und schlechten Powerline-Verbindungen deutlich stärker als die guten Links (siehe Balkendiagramm).

So kletterte das Minimum von 32 MBit/s netto bei der 500er-Generation auf fast das Dreifache (89 MBit/s), während das Maximum nur um 49 Prozent stieg (318 statt 213 MBit/s). Im Mittel über alle 10 getesteten Kombinationen trat tatsächlich die erwartete Verdoppelung ein.

Ähnlich sah das Bild an einer künstlichen Strecke aus Installationskabel aus, die vom Verlagsstromnetz per Filter getrennt ist: Über die kurze 50-m-Distanz kam die alte Technik auf 222 MBit/s, während die MIMO-Adapter 321 MBit/s schafften. Über 200 Meter lagen Letztere dann beim Doppelten (192 statt 99 MBit/s).

Die drei getesteten Generationen sind zueinander kompatibel, wie wir stichprobenartig überprüften: Bei einer guten Stromnetzverbindung war die 1000er/500er-Kombi zwar ein Quäntchen langsamer als die 500er unter sich (190 statt 213 MBit/s), dafür gewann die Kombi aber bei mäßigen und schwachen Links deutlich (151 statt 108 und 59 statt 37 MBit/s). Gegenüber der aktuellen 600-MBit/s-Generation, die ihr Signal fallweise auf unterschiedliche Adern einkoppelt (Diversity), war der MIMO-Gewinn nicht ganz so hoch.

Der Geschwindigkeitsbonus wird auch nicht zum Stromkostenmalus: Die Leistungsaufnahme konnte Devolo gleich halten. Bis zur Markteinführung sind mit Firmware-Verbesserungen noch Steigerungen bei der Geschwindigkeit zu erwarten. Darauf dürfen sich vor allem jene freuen, deren Datenrate mit älteren 500-MBit/s-Adaptern heute gerade so reicht. Wer mit solchen schon eine schnelle Verbindung hat, der wartet noch etwas, bis die MIMO-Technik weitere Verbreitung gefunden hat. (ea)

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