Prozessorgeflüster

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Apple Watch und S1 am Arm hier, Nixie Watch und PIC da; von einer AMD Watch mit ARM ist hingegen nichts zu sehen – aber die würde ja eh ein Jahr nachgehen. Und Intel ist froh, dass es seine Serverprozessoren hat.

Allüberall – so natürlich auch bei uns (Seite 16) – sorgt eine kleine Armbanduhr für große Aufmerksamkeit. Dabei ist die wahre Apple Watch eine ganz andere: Apple-Gründer Steve Wozniak trägt sie seit vielen Jahren voller Stolz. Jedenfalls traf ich ihn 2008 auf dem IDF in San Francisco mit seinem Lieblingsstück, einer Nixie Watch. Die besteht aus einem PIC16F872 und zwei Nixie-Röhren. Kleinere Anmerkung für jüngere Semester: das sind Anzeigeelemente mit glühenden Drähten, wie sie der erste elektrische Tischrechner Anita besaß, der 1961 für 4450 Deutsche Mark auf den Markt kam – das war damals etwa der Preis eines VW-Käfers.

Bei Cathode Corner gibt es Schaltpläne und Listings der Uhr für Selbstbauer – man kann sie dort auch komplett ordern (inzwischen in neuer Version mit PIC18LF722SS). Sie kostet etwas weniger als die preiswerteste Apple Watch. Bei Apple sind Schaltpläne und Listings ja üblicherweise nicht mehr dabei, also muss wieder Chipworks ran, die kanadische Firma, die Chips aufsägt und tief hineinguckt. Die hat in der Uhr schon Chips von STMicroelectronics, Analog Devices und Texas Instruments gefunden; am SoC namens S1 sägt, röntgt und rastert sie zurzeit noch.

Damit sich Apple nicht so alleine auf dem Markt fühlt, hat Samsung sein SDK für die nächste Gear Watch zufälligerweise am Erscheinungstermin der Konkurrenz herausgebracht. Google hatte schon ein paar Tage zuvor das für Uhren ausgelegte Android Wear aufgefrischt und wird vielleicht in Kürze mit einer eigenen Uhr folgen, machte derweil aber mehr mit einem Osterei auf Google Maps auf sich aufmerksam: ein Android-Roboterchen (vermutlich männlich), das auf einen als Apple-Logo dargestellten Apfel pinkelt. Das hat ein Spaßvogel irgendwo auf der pakistanischen Karte bei Rawalpindi (33°30’52.5’’N 73°03’33.2’’E) versteckt. Es ist inzwischen entfernt – aber wer weiß, wie viele ähnlich manipulierte Wälder oder Seen bei Google Maps sonst verborgen sind. Und was ist, wenn ein Waldbesitzer seinen Wald tatsächlich so formt?

Doch zurück zum wahren Apple-Watch-Träger Wozniak. Der war nämlich ebenso wie der per Video zugeschaltete Edward Snowden als Gastredner auf den World Hosting Days in Deutschlands größtem Freizeitpark in Rust, wo er Ende März über „How I hacked AT&T“ referierte.

Déjà vu

Auf diesen World Hosting Days trat auch AMD in Erscheinung, und zwar in Gestalt des neuen ProGraphics- und HPC-Chefs Karl Freund. Der kam Mitte letzten Jahres zu AMD, als Datacenter- und Serverchef Andrew Feldmann im Rahmen von AMDs großer Reorganisation das Handtuch schmiss – damals, als Lisa Su zunächst operative Chefin wurde. Vorher war Freund als Marketingchef bei Calxeda – bis zum bitteren Ende dieser Firma. Er kennt sich also aus mit ARM-Prozessoren und wie man es nicht schafft, diese auf den Markt zu bringen. So ist er bei AMD möglicherweise richtig.

Sein Kollege Suresh Gopalakrishnan hat jedenfalls vor über einem Jahr, bevor Freund überhaupt dabei war, auf der „Seattle-Press-Tour“ ziemlich genau das gesagt, was Freund jetzt abermals auf der Konferenz kundtat: Man wolle die Lücke ausnutzen, die Intel im Servermarkt hinterließe. Der Seattle-Prozessor mit ARM64-Kernen (Opteron A1100) sei in der Sampling-Phase und so gut wie fertig. Nun ist es ein Jahr später und der Prozessor … ist in der Sampling-Phase und so gut wie fertig. Jetzt muss er sich allerdings nicht mehr mit Atoms auseinandersetzen, sondern mit Intels Xeon D. Er soll weniger als dessen 45 Watt TDP verbrauchen und weit weniger als dessen Listenpreis von 581 Dollar kosten, so Freund. Über die Performance sagte er jedoch nichts. Inzwischen scharren aber auch schon der CaviumThunderX mit bis zu 48 ARM64-Kernen und der X-Gene 2 von Applied Micro mit bis zu 16 ARM64-Kernen lautstark ante portas mit ihren Hufen.

„I think we will see that in the second half of this year“, sagte AMD-Chefin Lisa Su zu dem geplanten Erscheinungstermin des Opteron A1100 mit acht Kernen. Auf der letzten Bilanz-Pressekonferenz musste sie nämlich Stellung zu den desaströsen Quartalsergebnissen von AMD beziehen. Der Umsatz ist gegenüber dem Vorjahresquartal um ein Viertel auf nur noch rund eine Milliarde US-Dollar eingebrochen; der Verlust stieg von 20 auf 180 Millionen. Dabei drückte der vollzogene Ausstieg aus dem Markt der Mikroserver-Systeme mit dem teuren Abwickeln von SeaMicro (siehe Seite 44) die Bilanz. Der Mikroserver-Markt habe sich nicht mit der erhofften Geschwindigkeit entwickelt, so Su.

AMDs PC- und Grafiksparten verzeichneten drastische Verluste. Letztere konnte nicht einmal die von Nvidia angebotene Breitseite mit dem Trubel um die unlauter beworbene Geforce GTX 970 nennenswert für sich ausnutzen. Da half offenbar auch keine Werbung mit „True 4 GByte“. AMD setzt dennoch weiterhin auf Wachstum im Gaming-Markt, will im zweiten Quartal neue Grafikchips bringen und hofft auf Windows 10 mit DirectX 12 als Katalysator und Treiber. Auf die Frage eines Analysten plauderte Lisa Su nebenbei auch den von Microsoft noch gar nicht offiziell bekannt gegebenen Termin für Windows 10 aus: „Ende Juli“.

Probleme auf dem PC-Markt und mit der Währungskrise in Europa treffen aber auch den Konkurrenten Intel. Der hatte schon vorab die Erwartungen gedämpft und den voraussichtlichen Quartalsumsatz um 1 Milliarde US-Dollar reduziert. So ist es nun auch mit 12,8 Milliarden Dollar – genau so viel wie im Jahr zuvor – eingetroffen. Die PC-Sparte, in die inzwischen auch das desaströs laufende Mobile-Geschäft eingebunden wird, drückte das Ergebnis dabei mit einem Minus von 8 Prozent. Aber wie schön ist da doch der konkurrenzlose Servermarkt – geradezu ein Schlaraffenland, wo Milch und Honig fließen, wo man die Preise beliebig setzen kann und der Umsatz mal eben um 20 Prozent gestiegen ist. Summa summarum reicht das, um einen mit 2 Milliarden Dollar um 3  Prozent höheren Gewinn auszuweisen. (as@ct.de)

Noch ’ne Uhr

Egal, ob von Apple, Samsung, Google … deren Uhren sind alle nur grobe Schätzeisen, jedenfalls aus Sicht der Metrologen. Bei ihnen machen aktuell hochpräsize Uhren von sich reden, die in 16 Milliarden Jahren höchstens mal eine Sekunde abweichen. Diese Rekordwerte, rund tausendmal genauer als die bisher als Zeitnormal dienende Cäsium-Fontäne, erreichten amerikanische und japanische Forscher unabhängig voneinander mit optischen Strontium-Uhren. Das Strontium-87 schwingt dabei mit 473 THz. Zum Auslesen braucht man geeignete Laser und die Frequenzkammtechnik, die am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in München Garching entwickelt wurde und für die Prof. Theodor W. Hänsch 2005 den Physik-Nobelpreis erhielt.

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