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WhatsApp clever nutzen – Tricks für Anfänger und Fortgeschrittene

Praxis & Tipps | Praxis

WhatsApp bietet einige etwas versteckte Möglichkeiten, mit denen es sich komfortabler nutzen lässt und zusätzliche Funktionen bereitstellt. Mit ein paar Kniffen lässt sich ein WhatsApp-Account beispielsweise auf zwei Handys gleichzeitig einsetzen.

Der Erfolg von WhatsApp ist phänomenal: Über 800 Millionen Menschen weltweit nutzen die App aktiv und ständig kommen neue hinzu. Die einfache Einrichtung und der automatische Abgleich der Kontaktliste mit dem Telefonbuch des Handys waren der Schlüssel für diesen Erfolg. Inzwischen lässt sich die App auch aus dem Browser heraus aufrufen.

Die Anmeldung bei WhatsApp läuft nach der Angabe der Telefonnummer in aller Regel vollautomatisch ab. WhatsApp verschickt eine Kontroll-SMS, welche die App auf dem Smartphone abfängt und auswertet. Allerdings hat diese Einfachheit auch einen Preis: Die Nutzung von WhatsApp ist nur auf einem Mobiltelefon möglich. Die Betonung liegt dabei auf dem Wörtchen „einem“. Sobald man einen Client mit der gleichen Telefonnummer auf einem weiteren Gerät einrichtet, wird die Anmeldung auf dem ersten Gerät ungültig, denn bei jeder Anmeldung wird ein neues internes Passwort generiert und in den Kontodaten der App verschlüsselt abgelegt. Wer beispielsweise eine Multi-SIM in mehreren Handys betreibt, muss sich bei der WhatsApp-Nutzung für eines entscheiden. Bei einem Dual-SIM-Handy lässt sich nur für eine der beiden Rufnummern WhatsApp einrichten.

Die SIM-Karte mit der verknüpften Rufnummer muss allerdings nur für die Einrichtung im Gerät eingelegt sein. Wer beispielsweise im Urlaub eine SIM-Karte des Gastlandes ins Gerät einlegt, erhält seine WhatsApp-Nachrichten weiterhin für die deutsche Rufnummer, solange er den Account nicht neu einrichtet.

Zur Not lässt sich WhatsApp sogar auf einem Handy einrichten, das keine oder die falsche SIM-Karte hat. Sobald man die Rufnummer eingegeben hat, verschickt WhatsApp eine SMS mit einer sechsstelligen TAN, die man auf jedem Gerät auslesen kann, auf dem kein WhatsApp installiert ist. Spätestens nach dem Ablauf von fünf Minuten Wartezeit bietet die App eine Möglichkeit, diesen Code von Hand einzutragen. Das funktioniert allerdings nur auf Handys; auf einem Tablet verweigert WhatsApp in vielen Fällen die Installation. Kann man keine SMS empfangen, etwa weil man eine Festnetznummer einsetzt, kann man den Code auch per Anruf entgegennehmen.

Die Übertragung einer WhatsApp-Nachricht erfolgt stets verschlüsselt (siehe S. 88) über einen Server im Netz, der die Nachricht zwischenspeichert und zustellt, sobald der Empfänger erreichbar ist. Wird die Nachricht 30 Tage lang nicht abgerufen, wird sie anschließend gelöscht. Das ist ein ähnliches Verfahren, wie es die Netzbetreiber bei der Zustellung von SMS anwenden. Die Nachrichten werden auch lokal in einer Datenbank gespeichert und lassen sich dort auslesen, siehe Seite 82.

Datenschutz-Einstellungen

WhatsApp-Nutzer können per Online-Status und Lesebestätigung feststellen, was ihre Kommunikationspartner treiben. Ruft man den WhatsApp-Client auf, so erscheint die Statusmeldung „online“ beim Kommunikationspartner. Schließt man die App, wechselt die Anzeige auf „zul. online <Datum>, <Uhrzeit>“. Versendet man eine Nachricht, kann man den Fortgang der Zustellung beobachten: Erst erscheint ein Uhrensymbol, die Nachricht wird an den Server übertragen. Der erste Haken zeigt an, dass der Versand an den Server erfolgt ist und der zweite Haken, dass die Nachricht auf dem Gerät des Empfängers angekommen ist. Färbt sich der Doppelhaken blau, so hat der Empfänger die Nachricht aufgerufen.

Wer sich dadurch zu sehr von seinen Chatpartnern kontrolliert fühlt, kann die Anzeigen abschalten. Dazu öffnen Sie in den Einstellungen den Menüpunkt „Account“ und tippen Sie auf „Datenschutz“. „Zuletzt online“ bietet beim Antippen die Optionen „Jeder“, „Meine Kontakte“ und „Niemand“. Um die Lesebestätigung zu unterbinden, entfernen Sie den Haken an dem entsprechenden Eintrag. Beachten Sie dabei, dass dann zwar Ihre Informationen nicht mehr angezeigt werden, Sie diese jedoch auch bei Ihren Kontakten nicht mehr sehen. Bei Gruppen-Chats können Sie die blauen Häkchen generell nicht abschalten. Diese erscheinen dort, sobald alle Teilnehmer die Nachricht angezeigt haben.

Was nicht abzustellen ist, ist die Anzeige, ob ein Anwender gerade online ist. Dazu reicht es, seine Telefonnummer in der Kontaktliste zu führen. Das Tool WhatsSpy des niederländischen Entwicklers Maikel Zweerink zeigt, was damit möglich ist: Das Programm kann den Online-Status eines WhatsApp-Nutzers dauerhaft mitloggen, wenn dessen Mobilfunknummer bekannt ist, unabhängig von Einverständnis- und Privatsphäre-Einstellungen. Dazu nutzt WhatsSpy keine Hackertricks – es simuliert lediglich einen virtuellen WhatsApp-Nutzer, der dauerhaft online ist. Da WhatsApp generell den aktuellen Online-Status jedes Nutzers im Netzwerk bekannt gibt, kann WhatsSpy diese Live-Information dauerhaft mitverfolgen und einfach eine Logdatei generieren.

Das Tool protokolliert sekundengenau mit, merkt sich jeden Statuswechsel, jeden Wechsel des Profilbildes und jede Änderung der Privatsphäre-Einstellungen der Nutzer, die es beobachtet, und liefert auch noch eine leicht auszuwertende grafische Übersicht aller Aktivitäten. Die Nutzungsgewohnheiten mehrerer Nutzer lassen sich zudem miteinander abgleichen – das erlaubt bei längeren Beobachtungen eventuell Rückschlüsse darauf, wer mit wem kommuniziert.

Zweerink hat sein Programm über die Plattform Gitlab frei und öffentlich verfügbar gemacht. Wer es installieren will, benötigt jedoch einen Raspberry-Pi-Minicomputer, ein Smartphone mit Jailbreak sowie gewisse Fähigkeiten im Umgang mit PHP.

WhatsApp ermöglicht auch Standort-Meldungen. Verschickt man eine solche über das Anhang-Menü, lässt sich nur der aktuelle per GPS oder WLAN ermittelte Standort oder ein in der Datenbank von WhatsApp enthaltener öffentlicher Ort in unmittelbarer Nähe wählen. Als Beweis kann das aber nicht gelten: Unter Android lässt sich der App sehr einfach ein falscher Standort unterschieben. Dazu muss man den Entwicklermodus durch mehrfaches Tippen auf die Build-Nummer im „Über“-Menü freischalten und in den daraufhin erscheinenden Entwickler-Optionen im Hauptmenü falsche Standorte zulassen. Mittels der kostenlosen App „Fake GPS“ lässt sich dann ein beliebiger Standort auf der Erde auswählen und per WhatsApp übermitteln. ...

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