Der geschärfte Blick

Tipps und Tricks für beeindruckende Fotos

Praxis & Tipps | Praxis

Richtig belichten und scharf stellen kann Elektronik mittlerweile allein. Zu einem guten Foto gehört aber eine Menge mehr: Bewusst gewählte Eigenschaften wie Brennweite, Schärfentiefe, Beleuchtung und Komposition führen zu einem Bild mit Aussage.

Der Weg zum guten Foto beginnt mit der Wahl der geeigneten Kamera. Smartphones und auf Autopilot geschaltete Kompaktkameras beleuchten gleichmäßig und stellen alles von Armeslänge bis zum Horizont scharf. Der kreative Spielraum beschränkt sich dabei auf die Wahl des Motivs und auf die Bildkomposition. Das Smartphone hat aber immerhin den unschlagbaren Vorteil, immer dabei zu sein. Wie Sie im Rahmen seiner Möglichkeiten überraschend gute Urlaubsbilder machen, lesen Sie im Anschluss an diesen Artikel ab Seite 120.

Kompaktknipsen und Smartphones sind aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften enge Grenzen gesetzt. Sie besitzen kein oder kein leistungsstarkes Zoom-Objektiv, Wechselobjektive stehen nicht zur Verfügung und die auf Miniaturisierung getrimmten Linsen und Sensoren vereiteln das Spiel mit der Schärfe. Lange Belichtungszeiten verhindert die Software. Für solche kreativen Spielräume muss man in eine Spiegelreflex- oder kompakte Systemkamera investieren.

Für ambitioniertere Fotografie muss keine Profi-DSLR für 5000 Euro her. Sie verhilft vielleicht zu ein paar Bildern mehr, die ein einfacheres Modell nicht eingefangen hätte. Eine günstigere Spiegelreflexkamera mit APS-C-Sensor für ein Zehntel des Preises tut es auch – sie ist jeder Kompakten immer noch um Längen überlegen.

Vor allem die kleinen Systemkameras mit FourThirds-, APS-C- oder gar Vollformat-Sensor haben aufgeholt. Sie sind klein, schick und verzichten auf mittlerweile unnötige SLR-Technik wie Spiegel und Prisma. Den Spiegelreflex- und Systemkameras ist die Möglichkeit gemeinsam, Wechselobjektive zu nutzen und die Einstellungen zur Belichtung manuell zu wählen – und darauf kommt es an. Ab Seite 124 finden Sie aktuelle Modelle von handlichen Kompakt- über aufstrebende System- bis hin zu komplexen Spiegelreflexkameras.

Extrem oder normal

Für die Landschaft das Weitwinkel-, für den Fotospaziergang das Normal- und für Natur- und Sportfotografie das Tele-Objektiv – jede Brennweite hat ihr klassisches Einsatzgebiet. Es geht bei der Wahl des Objektivs aber nicht nur um Vergrößerung des Motivs oder Erweiterung des Blickfelds. Die Optik verändert die Wahrnehmung.

Bei analogen Spiegelreflexkameras im Kleinbildformat (36 mm × 24 mm) kommt die 50-mm-Brennweite dem menschlichen Sehen am nächsten. Hier entspricht die Brennweite etwa der Diagonale des Filmformats. Brennweiten, die davon abweichen, erzeugen ungewohnte bis extreme Perspektiven.

Weitwinkelobjektive holen Elemente ins Bild, die bei Normaloptik nicht sichtbar wären. Das ist häufig praktisch, kann aber auch dafür sorgen, dass ein Foto zu viel Information enthält, damit vom Motiv ablenkt und in der Konsequenz die Bildwirkung leidet. Fotografie funktioniert durch die Konzentration aufs Wesentliche. Die Charakteristik einer Landschaft muss nicht im Abbilden eines 180-Grad-Panoramas liegen. Die Wüste etwa ist durch eine einzelne, sinnlich geschwungene Düne besser beschrieben als durch eine lange Horizontlinie.

Für Bilder ausschweifender Landschaften ist die Weitwinkeloptik gut geeignet, allerdings sollte man sie mit Bedacht einsetzen, denn sie verzerrt die Realität. Das wird deutlich bei Porträts, die aus der Nähe mit einem Weitwinkel aufgenommen wurden. Im Extremfall wirkt so etwas unfreiwillig komisch wie eine Welpennase, die an einem Fischaugenobjektiv schnüffelt.

Auch Telebrennweiten bilden die Realität verändert ab. Die Optik überwindet nicht nur große Distanzen, sie verdichtet sie auch. Weit entfernte Motive erscheinen im Tele-Objektiv näher beieinander, als sie es in Wirklichkeit sind – für ein Pressefoto eine fragwürdige Angelegenheit, für die Landschaftsfotografie ein interessantes Gestaltungsmittel.

Nur sehr teure Spiegelreflexkameras besitzen Vollformatsensoren. Die meisten verwenden APS-C- (22,5 mm × 15 mm), die kleineren Systemkameras auch Micro-FourThirds-Sensoren (17 mm × 13 mm). Bei gleicher physikalischer Brennweite bilden APS-C- und FourThirds-Sensoren aufgrund ihrer kleineren Fläche weniger vom Gesichtsfeld des Objektivs ab. Das wirkt wie eine Verschiebung der Brennweite in Richtung Tele und wird als Crop-Faktor oder Brennweitenverlängerung bezeichnet; beim APS-C- gegenüber dem Vollformat um den Faktor 1,6. Aus einem 50-mm-Objektiv wird damit gefühlt eine 80-mm-Brennweite. Das klassische 35-mm-Objektiv übernimmt beim APS-C-Format die Rolle der Normalbrennweite.

Mehr Licht!

Objektive regeln den Lichteinfall über eine Blende. Je größer die maximale Blendenöffnung des Objektivs ist, desto lichtstärker und auch teurer ist es. Mit großer Blende kann man aber auch bei schlechten Lichtverhältnissen noch fotografieren. Die Lichtstärke wird in Blendenwerten als Bruch der physikalischen Brennweite des Objektivs angegeben. ...

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