Einer sie zu einen

@ctmagazin | Editorial

Revolution! Strom, Gas und Wasser liefert ab sofort die universale Steckdose. Schuko-Stecker, Gardena-Kupplungen, Halbzollmuffen und Gasschläuche mit zölligem Linksgewinde? Braucht keiner mehr! Beratungsbedarf im Baumarkt? Fehlanzeige! Egal, was der Kunde zusammenstöpselt: Steckdose, Kabel und Verbraucher klären untereinander, was gerade fließen soll – so die Marketingbroschüren.

Unterdessen reklamieren verärgerte Kunden, dass manche Universalkabel zwar wunderbar den Rasen sprengen, die Gartenlampe aber nur müde flackern lassen. Verwirrte Gasherde setzen Küchen unter Wasser und die Bunsenbrenner-Duschkopfkombi ruft Feuerwehr und Notarzt auf den Plan.

Was für Heimwerker zum Glück Utopie bleibt, steht der PC-Branche gerade bevor. Rechner, Geräte und Kabel sollen basisdemokratisch aushandeln, ob über den neuen USB-C-Stecker Daten doppelt so schnell wie bisher flitzen, sich Akkus in Windeseile füllen oder Bilder zum Monitor wandern. Wer was spricht, liefert oder konsumiert, sieht man weder Gerät noch Stecker an.

Ein Universalkabel, dessen elektronische Markierung zickt, reicht aus, damit die Daten nicht wie aus dem Rasensprenger schießen, sondern nur aus einer verbeulten Gießkanne tröpfeln. Ein kleines Missverständnis und schon bleibt das Display dunkler als die flackernde Gartenlampe, während der Notebookakku unbemerkt leerläuft.

Kinderkrankheiten gehören bei neuer Technik sicherlich dazu, aber es droht noch aus anderer Richtung Frust: Die USB-Macher haben die neuen Funktionen auf drei getrennte Spezifikationen verteilt und den Herstellern freigestellt, wie viel sie davon umsetzen. Obendrein leisten sie irreführender Werbung Vorschub: „USB 3.1“ darf sich auch Technik aus der Vorgängergeneration ans Revers heften. Anders als im Utopia-Baumarkt profitieren vom neuen Universalstecker übrigens vor allem die Anbieter von Adaptern, denn es muss jetzt reichlich von Alt auf Neu und umgekehrt übersetzt werden.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Die Idee, nur noch eine einzige und verdrehsichere Steckersorte am Notebook zu haben, ist grandios. Allerdings möchte ich dort dann auch alles anschließen können und nicht ausprobieren müssen, was mit welchen Kabeln unter welchen Umständen wo geht. In diesem Sinne: Liebe Hersteller, implementiert Spezifikationen ganz oder gar nicht und schreibt ehrlich drauf, was eure Geräte können!

Ach ja, mehr als eine Buchse pro Notebook wäre schon nett, wenn man darüber gleichzeitig laden, Sticks befüllen und Monitore versorgen soll.

Benjamin Benz Benjamin Benz

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