Das kann NAS Update

Netzwerkspeicher richtig auswählen und einrichten

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NAS gibt es in vielen Leistungsklassen und Ausstattungsvarianten. Unser Leitfaden zeigt, welches Gerät zu Ihren Wünschen passt und wie Sie es am besten einrichten, damit es zuverlässig und sicher arbeitet.

Speicherplatz ist durch nichts zu ersetzen – außer durch mehr Speicherplatz. Die Musiksammlung legt ständig zu, die neue Digicam spuckt RAW-Dateien mit je 20 MByte aus und 4K-Videos aus der Action-Cam belegen gleich mehrere Gigabyte. Selbst wenn immer mehr Cloud-Dienste billigen oder gar kostenlosen Online-Speicher bereitstellen: Ohne lokale Datenablage geht es selten – falls man der Cloud überhaupt vertrauen möchte.

Auf jedem PC kann man Daten im Netz freigeben, aber das taugt nicht als Dauerlösung: Der Rechner müsste ständig laufen und schluckt dabei viel Strom. Besser machen es Netzwerkspeichergeräte, sogenanntes Network Attached Storage (NAS): Für die Ansprüche vieler Privatleute und Kleinfirmen reichen einfache Boxen, die man ohne Festplatten ab 90 Euro bekommt. Der Testbericht ab Seite 90 klärt, was Sie von aktuellen Geräten dieser Klasse erwarten dürfen. Auf den nächsten Seiten erfahren Sie, was teurere NAS können, also ob sich der Aufpreis für Sie lohnt. Firmen und Freiberufler hantieren mit schützenswerten Daten, brauchen mehr Service und sind zu Backups verpflichtet, sie finden Hinweise zu Profi-NAS ab Seite 82.

Ganz gleich, ob Billig-NAS oder teurer Tausendsassa: Einige Konzepte und Funktionen sind bei allen Netzwerkspeichern ähnlich. Im Grunde handelt es bei allen um maßgeschneiderte File-Server mit Linux unter der Haube. Mit dem Betriebssystem kommt man aber nicht direkt in Berührung, sondern man verwaltet den Speicher über eine Web-Oberfläche.

Via Gigabit-Ethernet liefert das NAS Daten im lokalen Netz (LAN) viel schneller als Cloud-Speicher und auch dann, wenn DSL mal streikt. Zwar hat man Daten bei Dropbox, Microsoft OneDrive oder Google Drive auch im Büro oder unterwegs ohne Mühe in Reichweite, doch gibt man die Hoheit darüber aus der Hand. Und wenn man sie zuvor verschlüsselt, schränkt das den Zugriff von manchen Mobilgeräten aus gleich wieder ein. Fallen große Datenmengen an, etwa bei regelmäßigen Backups, dann wird bei Cloud-Speicher die Internetanbindung zum Flaschenhals.

Sparsame Dauerläufer

Hardware und Betriebssystem von NAS sind für die Bereitstellung von Speicher im LAN optimiert. NAS für Privatleute und Kleinfirmen – kurz SOHO für Small Office, Home Office – sind meistens kompakte Kistchen mit Gigabit-Ethernet-Anschluss, in die zwei bis acht Festplatten passen. Auf dem Prozessor gängiger NAS läuft ein vom Hersteller angepasstes Linux, welches auch als NAS-Firmware bezeichnet wird. Es stellt eine mehr oder weniger komfortable Oberfläche bereit, über die man es per Browser bedient. Firmware-Updates vom NAS-Hersteller rüsten Funktionen nach, bügeln Fehler aus und schließen Sicherheitslücken.

Die kleinsten und sparsamsten NAS sind für Notebookfestplatten im 2,5-Zoll-Format ausgelegt und brauchen im Leerlauf mit abgeschalteten Platten weniger als 10 Watt Leistung. Der Leerlauf ist üblicherweise der bei Weitem längste Betriebszustand und bestimmt daher die Energiekosten. Bei 10 Watt und Dauerbetrieb sind es jährlich 26 Euro, wenn Sie pro Kilowattstunde 30 Cent zahlen. Kaufen Sie folglich ein möglichst sparsames Gerät und planen Sie nicht zu viel Kapazität ein, sonst zahlen Sie jahrelang für nutzlosen Stromverbrauch. Wichtig ist ebenfalls, dass die Firmware Stromsparfunktionen unterstützt und man sie auch aktiviert.

2,5-Zoll-Festplatten begnügen sich im Leerlauf mit weniger als 1 Watt. Doch mit mehr als 2 TByte sind sie teuer und bei 3 TByte ist derzeit Schluss. 3,5-Zoll-Festplatten fassen bis zu 10 TByte. Solange sich ihre Magnetscheiben drehen, brauchen aber selbst die sparsamsten 3,5-Zoll-Laufwerke 3 bis 4 Watt, vier davon also 9 bis 12 Watt. Dazu kommt noch die restliche NAS-Elektronik: Prozessor, RAM, Netzwerkadapter, Lüfter, Netzteilverluste. Auch dabei gilt im Prinzip: Je höher die Performance, desto größer der Stromdurst – und je nach Lüfterregelung auch der Lärm. Wer es gerne leise und sparsam hätte, muss deshalb Testberichte lesen.

Besonders schnelle Platten braucht man für ein NAS nicht, weil Gigabit Ethernet (GbE) Daten mit maximal rund 110 MByte/s überträgt. Die schnellsten SATA-Festplatten schaffen in ihren äußeren Zonen über 200 MByte/s, innen fallen sie unter 80 MByte/s; 2,5-Zoll-Platten liegen eher zwischen 130 und 50 MByte/s. Bei GbE stellen diese Geschwindigkeiten in der Praxis keine wesentliche Einschränkung dar, denn die maximale Transfergeschwindigkeit erreicht man nur mit großen Dateien, mit kleineren läuft es ohnehin langsamer.

Bei manchen Routern muss man die GbE-Funktion ausdrücklich in der Firmware freischalten, etwa an manchen Ports von Fritzboxen. Mit Fast Ethernet (100 MBit/s) sind bloß 12 MByte/s drin, ähnlich mager sind auch die Übertragungsraten bei schlechter WLAN-Verbindung oder mit veralteten WLAN-Adaptern. Zum Vergleich: USB-2.0-Festplatten schaffen 35 bis 40 MByte/s, billige USB-Sticks weniger als 10 MByte/s. ...

NAS-Funktionen

Alle NAS bieten Zugriff auf freigegebene Verzeichnisse (Shares) über das Windows-Netzwerkprotokoll namens Server Message Blocks (SMB), manchmal auch Common Internet File System (CIFS) genannt. Es kümmert sich auch um Zugriffsberechtigungen (Nutzer/Passwort). Die meisten NAS beherrschen weitere Übertragungsprotokolle, etwa ftp und NFS für Linux-Systeme und AFP für Apple-Hardware. Viele NAS lassen sich als Ziel für TimeMachine-Backups einbinden. Fernzugriff auf eine Kommandozeile zur Konfiguration ist üblicherweise per Telnet sowie über verschlüsselte ssh-Verbindungen möglich; ssh erlaubt auch Dateitransfers.

Zur Konfiguration eines NAS schließt man nicht etwa Maus, Tastatur und Bildschirm an, sondern öffnet auf einem PC (Client) im gleichen LAN die Konfigurationsoberfläche im Browser. Auf dem NAS läuft also ein Webserver. Den können auch Nutzer ohne Admin-Rechte nutzen, etwa um abgespeicherte Fotos zu betrachten oder Daten per Browser herunterzuladen.

In der NAS-Firmware lassen sich lokale Nutzer einrichten, um den Zugriff auf Daten und Verzeichnisse zu regeln. Damit trennt man berufliche oder anderweitig schützenswerte Daten von der Musik-, Foto- und Videosammlung für die ganze Familie, obwohl alle auf denselben Festplatten liegen.

Smartphones, netzwerkfähige Stereoanlagen und Smart-TVs können meistens nicht mit Dateifreigaben umgehen. Sie holen sich Musik, Fotos und Videos per Streaming-Server vom NAS. Oft ist das eine OEM-Version des UPnP-/DLNA-Servers Twonky, die in die NAS-Firmware integriert ist.

Kompakte NAS besitzen temperaturgesteuerte Lüfter, um die Lautstärke im Zaum zu halten. Die Energieverwaltung stoppt die Festplatten automatisch, wenn längere Zeit keine Zugriffe erfolgen. Noch später schaltet das NAS in einen mehr oder weniger sparsamen Schlafmodus um, aus dem es sich zeitgesteuert oder per Wake-on-LAN wecken lässt.

Funktionen für automatische Backups oder Synchronisierung (rsync) besitzt fast jedes NAS, sie arbeiten jedoch unterschiedlich: Sie beschreiben USB-Festplatten, synchronisieren sich mit einem zweiten NAS oder mit Cloud-Speicher.

Mit Plug-ins lassen sich die meisten NAS erweitern, es gibt etwa Cloud-Funktionen (Owncloud, Fotogalerie, Adressbuch), E-Mail-Server, bei x86-NAS auch virtuelle Maschinen. Manche NAS zeichnen Bilder und Videos von Webcams zur Heimüberwachung auf oder verwandeln sich mit USB-TV-Empfängern in fernsteuerbare Videorecorder.

Ergänzungen & Berichtigungen

Der Artikel entspricht dem Stand der gedruckten c't. Folgende Änderung hat sich seitdem ergeben:

UPDATE

Wenn eine einzelne 3,5-Zoll-Festplatte im Leerlauf 3 bis 4 Watt Leistung aufnimmt, dann schlucken vier davon zusammen 12 bis 16 Watt und nicht bloß 9 bis 12 Watt, wie im Text falsch behauptet.

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