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Webmail mit PGP bei Mailbox.org

Beim Mailservice Mailbox.org können Kunden ihre Nachrichten in der Web-Oberfläche per PGP verschlüsseln und entschlüsseln. Die neue Funktion namens „Guard“ hat der Dienst von OpenXchange übernommen und erweitert.

Bei Mailbox.org können Kunden auch ohne Fachkenntnisse ihre Schlüssel mit einem Klick erzeugen und sofort verschlüsselte Nachrichten austauschen. Vorhandene PGP-Schlüsselpaare lassen sich importieren und exportieren. Zu keiner Zeit sei der private Schlüssel in der „unsicheren Umgebung des Webbrowsers oder Smartphones“ und könne so nicht in unbefugte Hände gelangen.

Die Verschlüsselung findet allerdings nicht im Browser auf dem lokalen Kundenrechner statt. Das wäre zwar mit dem Javascript-Add-on Mailvelope möglich, doch meint der Betreiber, das klappe nur teilweise, sei unkomfortabel und schaffe Probleme mit Dateianhängen und Cloud-Datenspeichern. Würden Nutzer mit Komforteinschränkungen konfrontiert, verzichteten sie schnell auf die Sicherheitslösungen. Der Beschreibung nach befindet sich der Schlüssel auf den Servern von Mailbox.org, also außerhalb der Einflusssphäre des Nutzers.

Für die Nutzer bedeutet das, dass sie dem Dienst vertrauen müssen. Peer Heinlein, Geschäftsführer von Mailbox.org, erklärt das Konzept: „Umfangreiche Sicherheitsmechanismen und ein nur dem Nutzer bekanntes zusätzliches Schlüssel-Passwort sorgen dafür, dass auch die Administratoren von Mailbox.org keinen Zugriff auf den PGP-Schlüssel oder die damit verschlüsselten E-Mails mehr erhalten können. Selbst während eines aktiven Logins des Nutzers wird dessen PGP-Schlüssel weiterhin nur verschlüsselt im Speicher von mailbox.org verwaltet.“ Der Quellcode des Guard-Moduls könne eingesehen werden, dadurch sei höchste Sicherheit und Transparenz gewährleistet. (hob@ct.de)

Netzneutralität mit Hintertürchen

Die Verhandlungen um die Netzneutralität in der Europäischen Union führten zu einem Abschluss: Bei der Diskussion geht es darum, ob und welche Daten unter welchen Bedingungen Vorrang beim Transport haben dürfen oder sollen. Während Bürgerrechtler hier absolute Neutralität der Provider hinsichtlich der angebotenen Dienste fordern, möchten die Netzanbieter durch verschiedene Diensteklassen zusätzliche Geldquellen erschließen. Die EU will nun einen Kompromiss umsetzen: Zwar sollen Internet-Anbieter künftig verschiedene Arten von Datenverkehr gleich behandeln müssen, das Drosseln und Blockieren von Inhalten soll aber im Ausnahmefall erlaubt bleiben, beispielsweise bei Cyber-Angriffen.

Vorfahrt soll es für bestimmte Spezialdienste geben, etwa für den automatischen Auto-Notruf eCall. Diese Dienste müssten „notwendig“ sein und eine ausreichende Netzkapazität zur Verfügung stehen. Die „generelle Qualität“ für andere Nutzer müsse weiterhin ausreichen, erläuterte Lettland, das derzeit den Vorsitz der EU-Staaten innehat. Die Einigung umfasst nur Grundsätze und muss im Detail noch ausgehandelt werden. Anschließend müssen die EU-Staaten und das Parlament den Kompromiss noch offiziell bestätigen. (uma@ct.de)

CDU plant Rechtsanspruch auf Breitband

Die CDU will einen Rechtsanspruch auf einen schnellen Internetzugang schaffen. Bis 2018 soll es eine flächendeckende Breitbandversorgung mit mindestens 50 MBit/s geben, heißt es in einem Abschlussbericht der zuständigen CDU-Programmkommission. Bislang gehörte ein Breitbandanschluss nicht zur Grundversorgung, wohl auch, weil der Ausbau in ländlichen Gegenden sehr teuer kommt.

An den „Chancen der Informationsgesellschaft“ soll künftig jeder teilhaben können, auch Unternehmen müssten überall in Deutschland über schnelles Internet verfügen, heißt es in dem Papier. Der schnelle Internetzugang gewährleiste gleichwertige Lebensverhältnisse. Zwar hatten SPD und Union in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben, dass die Breitbandversorgung flächendeckend ausgebaut werden solle, die im Haushalt dafür vorgesehene Milliarde Euro pro Jahr fiel anschließend in den Verhandlungen aber weg.

Betroffene sollten sich nicht zu früh freuen, denn ein flächendeckender Ausbau von VDSL, TV-Kabel oder gar Glasfaser ist damit vermutlich nicht beabsichtigt. Aus Sicht der beteiligten Ministerien gilt LTE bis auf Weiteres als vollwertiger Ersatz für einen Festnetzzugang, wie man auch an den Stellungnahmen zur Frequenzversteigerung der 700-MHz-Frequenzen sehen kann. Dass für Mobilfunkzugänge keine Flatrates verfügbar sind und die „Chancen der Informationsgesellschaft“ dort wegen der Transfervolumen-Rationierung nur sehr eingeschränkt genossen werden können, wird sich so bald nicht ändern. (uma@ct.de)

Roaming-Gebühren sollen ab Sommer 2017 entfallen

Am 15. Juni 2017 soll es in der Europäischen Union keine Roaming-Gebühren mehr geben. Nach langem Ringen haben sich die Vertreter der EU-Staaten und des Europaparlaments auf diesen Kompromiss geeinigt, nachdem die Roaming-Gebühren ursprünglich schon in diesem Jahr entfallen sollten. Wenn diese Regelung in Kraft tritt, können Kunden deutscher Mobilfunkunternehmen ihre Verträge im EU-Ausland nutzen, als wären sie zu Hause.

Komplett entfallen die Roaming-Gebühren aber nicht. Das hätte nämlich bedeutet, den Mobilfunkmarkt durch die Hintertür europaweit zu öffnen. Nutzt der Kunde den Vertrag häufig im Ausland, dürfen die Anbieter immer noch Einschränkungen machen. Derzeit haben einige Anbieter beispielsweise die Regel, dass der Kunde nach vier Wochen ununterbrochener Auslandsnutzung in einem anderen Tarif abgerechnet wird, bis er sich wieder in ein deutsches Netz einbucht.

Weil die Gebühren in diesem Jahr ursprünglich bereits abgeschafft werden sollten, hatte die EU keine weitere Senkung der Roaming-Gebühren wie in den zurückliegenden Jahren beschlossen. Das wird im kommenden Jahr nachgeholt: Die maximalen Sätze werden ab 30. April 2016 für Telefonate im Ausland auf nur noch 5 Cent pro Minute abgesenkt. Eine SMS darf dann noch 2 Cent und das Megabyte Daten 5 Cent kosten. Hinzu kommt aber noch die Mehrwertsteuer, in Deutschland zurzeit 19 Prozent. (uma@ct.de)

Marit Hansen soll Thilo Weichert beerben

Die stellvertretende Chefin des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD), Marit Hansen, soll an die Spitze der Aufsichtsbehörde wechseln. Darauf haben sich Landtagsabgeordnete der SPD, der Grünen, Piraten und des Wählerverbandes SSW geeinigt, die zusammen eine Mehrheit im Landtag haben. CDU und FDP schickten als Kandidatin Kirsten Bock ins Rennen, die wie Thilo Weichert Mitglied der Grünen ist.

Im vergangenen Sommer war die Wiederwahl von Thilo Weichert gescheitert, weil bei der Abstimmung im Landtag eine Stimme zur erforderlichen Mehrheit gefehlt hatte. Weichert führt das Amt seither kommissarisch weiter, bis eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger gefunden ist. Würde Hansen gewählt, wäre sie die erste Informatikerin in einer solchen Position, die bisher eher eine Domäne für Juristen ist. Das ULD gilt als profilierte Behörde, die bei der Weiterentwicklung des Datenschutzes oft Akzente setzte. (uma@ct.de)

Neuer Microsoft-Browser ohne Silverlight

Microsofts neuer Browser Edge wird das hauseigene Plug-in Silverlight nicht enthalten. Anfang Mai hatte Microsoft bereits bekannt gegeben, dass es die Plug-in-Schnittstelle ActiveX nicht fortführen will, von Silverlight war damals aber keine Rede. Seit 2012 hat Microsoft für den Flash-Konkurrenten keine Updates, sondern nur noch Bugfixes bereitgestellt; bereits seit 2011 kursieren Gerüchte über eine Einstellung.

Wer Silverlight benötigt, kann den Internet Explorer benutzen oder bis auf Weiteres Firefox. Bei Chrome ab Version 42 müssen Silverlight-Nutzer eigens in Flags (chrome://flags) die NPAPI-Plug-ins aktivieren, zu denen auch Silverlight gehört.

Das Verschwinden von Silverlight und mittelfristig wohl auch Flash reißt bei Videostreaming eine Lücke, die HTML5 nicht komplett füllen kann. Streaming mit adaptiven Bitraten, Buffering und Rechte-Management sind für HTML5 noch Neuland, hier sind Erweiterungen wie DASH (Dynamic Adaptive Streaming over HTTP) nötig. (uma@ct.de)

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