Taschenfreundlich fotografieren

Bildvergleich: Acht Smartphones gegen eine Kompaktkamera

Test & Kaufberatung | Test

Die beste Kamera ist stets die, die man bei sich trägt. Das Smartphone ist eigentlich immer dabei: auf Fahrradtouren, in der Kneipe mit Kumpels oder beim Restaurant-Besuch im Urlaub. Im Test zeigen High-End-Smartphones wie das Samsung Galaxy S6 oder LG G4, ob die Zeit der eigenständigen Digitalkameras abgelaufen ist.

Kameramodule gehören zu den wenigen Komponenten, die bei jeder Smartphone-Generation noch spürbare Entwicklungssprünge machen. Zu Beginn des Handy-Booms waren deren Knipsen immer nur ein Notbehelf, da ähnlich große Kompaktkameras um Längen bessere Bildqualität und mehr Gestaltungsfreiraum boten. Doch mittlerweile haben die Smartphones aufgeholt: Ihre Sensor-Chips sind fast genauso groß und lichtstark, haben Auflösungen von bis zu 20 Megapixel und produzieren rauscharme Bilder mit kräftigen Kontrasten. Die dazugehörigen Kamera-Apps sind ausgeklügelt und bieten zahlreiche Optionen. Bleibt digitalen Kompaktkameras da noch eine Daseinsberechtigung?

Im Labor- und Praxistest haben wir die besten Smartphone-Knipsen gegen eine hochwertige Kompaktkamera antreten lassen. Abseits dieses Systemduells soll der Test die Frage beantworten, welche Handys die besten Fotos schießen. Da die besten Kameras in den Spitzenmodellen stecken, besteht das Testfeld aus den Android-Geräten Samsung Galaxy S6, Galaxy Note 4, Sony Xperia Z3+, Huawei P8, LG G4 und dem Kamera-Handy Panasonic DMC-CM1. Hinzu gesellen sich das Nokia Lumia 930 mit Windows Phone und das Apple iPhone 6 Plus. HTC, Motorola und Google sind im Test nicht vertreten, weil weder das HTC One M9 noch das Motorola Moto X (2. Gen.) oder Google Nexus 6 Kameras haben, die mithalten könnten. Das Nokia Lumia 1020 mit 41 Megapixel ist aus dem Testfeld gefallen, weil es kaum noch erhältlich ist.

Der Exot im Testfeld ist das DMC-CM1, mit dem sich Panasonic auf dem deutschen Handy-Markt zurückmeldet. Handelt es sich dabei nun um ein Android-Telefon oder eine Kompaktkamera? Der Hersteller nennt das Konzept „Smart Camera“. Es ist ein vollwertiges Smartphone, dem aber der Sensor und die Software einer Edelkompaktkamera spendiert wurden. Die Gehäusefront dominiert ein großes Touch-Display mit 4,7 Zoll Diagonale. Als Betriebssystem läuft das aktuelle Android 5 mit Zugang zum App-Store Google Play. Die Gehäuserückseite erinnert hingegen an eine klassische Digitalkamera. Wo bei anderen Telefonen nur eine zierliche Linse sitzt, prangt am DMC-CM1 ein griffiger mechanischer Objektivring samt großer Linse, der das Gerät über 2 Zentimeter dick macht. Der Ring lässt sich unter anderem mit der Belichtungskorrektur oder Blendeneinstellung belegen. Der eingebaute Sensor ist vom Typ 1-Zoll und somit wesentlich größer als der anderer Smartphones. Die Linse stammt von Leica und soll Smartphone-typischen Schwächen wie Verzeichnung und dunklen Bildecken vorbeugen. Schaltet man die Kamera ein, fährt das Objektiv ein kleines Stück aus dem Gehäuse heraus; einen optischen Zoom hat das DMC-CM1 nicht. Das Samsung Galaxy K Zoom verfolgte ein ähnliches Konzept plus Zoom, ist aber fast vom Markt verschwunden und kann bei der Fotoqualität nicht mithalten.

Die anderen Hersteller versuchen ihre Smartphone-Kameras eher mit Kleinigkeiten von der Masse abzusetzen. Apple will die Bedienung vereinfachen und baut einen adaptiven Blitz ein, der mit zwei verschiedenfarbigen LEDs arbeitet. Das soll für natürliche Farben auf den Aufnahmen sorgen, indem das Smartphone die Szene analysiert und entsprechend die Blitzfarbe anpasst. Nokia integriert die selbstentwickelte Pure-View-Technik, bei der die Kamera mehrere Sensorpixel zu einem Bildpunkt zusammenrechnet, um Rauschen zu mindern. Im Fall des Lumia 930 reduziert sich die Auflösung der fertigen Fotos so von 18,7 auf 5 Megapixel. Auf Wunsch spuckt die Kamera aber auch Bilder mit voller Auflösung aus. LG stattet den Autofokus des G4 mit einem Laser aus, wodurch die Kamera schnell fokussieren soll. Das funktioniert aber nur bis zu einer Entfernung von rund 40 Zentimetern, dahinter setzt die übliche Kontrastmessung ein. Samsung, Sony und Huawei sparen sich bei ihren Kameras solche Spielereien und werben lieber mit klassischen Tugenden wie lichtempfindlichen Objektiven und optischen Bildstabilisatoren. Das Sony Xperia Z3+ ist außerdem wasser- und staubgeschützt.

Vertreter der alten Zunft

Die klassischen Digitalkameras, genauer gesagt die Kompaktkameras, vertritt die Sony DSC-RX100 III. Sie gilt als eine der besten Kompaktkameras und macht sogar einigen Bridge- und Systemkameras Konkurrenz. Das High-End-Modell zeigt mit einem großen Sensor der 1-Zoll-Klasse, was die besten Kompaktkameras können.

Obwohl sich Smartphones und Kameras technisch immer mehr ähneln, sind einige Features weiterhin reinen Kameras vorbehalten: Die RX100 III hat ein 2,9-faches Zoom-Objektiv und einen mechanischen Objektivring, dessen Funktion konfigurierbar ist. Zur Befestigung auf einem Stativ besitzen fast alle Kameras ein Gewinde mit 1/4 Zoll, während man die Smartphones nur mit Hilfe spezieller Klemmen fixiert bekommt, die meist wackelig und kompliziert zu handhaben sind. Die Sony-Kamera hat einen ausfahrbaren Sucher mit Mini-LCD, der vor allem in der prallen Sonne hilfreich ist, wenn auf dem großen Hauptbildschirm nur noch Spiegelungen zu erkennen sind. Der ausfahrbare Blitz ist wesentlich heller als die winzigen LEDs in den Smartphones. Noch besser wäre ein Blitzschuh, den aber nur größere Kameras haben.

Ein mechanischer Auslöseknopf gehört weiterhin zur Standardausstattung jeder echten Kamera und wurde dort bislang nicht vom Touch-Display verdrängt – die Testkamera hat nicht mal eins. Bei Smartphones ist eine solche Taste eine Besonderheit, nur das Panasonic DMC-CM1, Nokia Lumia 930 und Sony Xperia Z3+ haben eine. Dort funktioniert sie ebenfalls zweistufig: Drückt man den Knopf nur halb herunter, fokussiert die Kamera und stellt die Belichtung ein. Erst wenn man die Taste ganz herunterdrückt, löst die Kamera aus. So kann man ein Objekt fokussieren, die Ausrichtung der Kamera ändern und dennoch das zuvor gewählte Objekt im Fokus behalten.

Bei den anderen Smartphones lassen sich immerhin die Lautstärketasten als einstufiger Ersatz nutzen. Möchte man auf einen bestimmten Bereich fokussieren, muss man den Touch-Fokus nutzen. Das geht bei der RX100 III wiederum nur per Steuertasten. Zudem lösen das Huawei P8, LG G4 und die beiden Samsungs auch per Sprachbefehl aus. Sagt man etwa „Lächeln“ oder „Cheese“, drücken die Geräte ab. Das P8 knipst auf Wunsch auch ab einem bestimmten Lautstärkepegel. Für Selfies und Situationen, in denen man die Kamera nicht in der Hand halten kann, stellte sich das als hilfreich heraus. ...

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