Rooten gefährdet Ihre Gesundheit?

@ctmagazin | Editorial

Wenn Sie ein Android-Handy besitzen und in den letzten Wochen nicht bloß am Strand gelegen haben, dürfte die Aufregung um die Stagefright-Lücke auch an Ihnen nicht spurlos vorbeigegangen sein (siehe c’t 18/15, S. 38). Der Bug in der Multimedia-Bibliothek ist der Sicherheits-GAU der Android-Welt: eine vielfältig angreifbare Sicherheitslücke, die alle Android-Versionen vom fünf Jahre alten Android 2.2 bis zum aktuellen Lollipop betrifft.

Alle Android-Versionen? Nicht ganz: Die Entwickler des populärsten Custom ROM, CyanogenMod, teilten in ihrem Blog gleich mit, dass in CM 12 und 12.1 (den CyanogenMod-Varianten von Android 5.0 und 5.1) die Lücke bereits seit einigen Wochen gestopft ist. Offenbar hatte ein Mitglied der CyanogenMod-Community den Bug entdeckt und repariert, freilich ohne seine dramatischen Sicherheitskonsequenzen zu erkennen. Inzwischen ist das Loch auch in dem älteren CyanogenMod 11 (Kitkat) gestopft.

Und so waren die allermeisten CyanogenMod-Geräte - darunter auch mein nicht mehr ganz frisches LG G2 mit CM 12 - bereits abgesichert, als die Lücke bekannt wurde. Mein Samsung-Tablet hingegen, erst wenige Monate alt, hat noch kein Stagefright-Update erhalten. Sony, HTC und Konsorten stehen nicht besser da. Das aktuelle CyanogenMod-Lollipop CM 12.1 ist für eine Vielzahl populärer Android-Geräte verfügbar, auch für alte Schätzchen wie das Galaxy S II. Samsung hat dem S II seit über zwei Jahren schon kein Update mehr zukommen lassen.

Wenn ich dann lese, dass das Rooten von Android-Geräten und das Installieren einer alternativen Android-Version ein Sicherheitsrisiko darstellen soll, geht mir der Hut hoch. Was kann denn gefährlicher sein, als die Kontrolle über das persönlichste elektronische Gerät einem Hersteller zu überlassen, der sich nicht kümmert? Da ist mein Vertrauen zur CyanogenMod-Community größer. Und lieber bin ich selbst für die Sicherheit meines Smartphones verantwortlich, als auf Updates vom Hersteller zu warten ... und zu warten ... und zu warten ...

Oliver Diedrich Oliver Diedrich

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