Eine Open-Source-Erfolgsgeschichte

Joomla feiert 10. Geburtstag

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Vor fast genau zehn Jahren, am 17. September 2005, erschien mit Joomla 1.0 die erste Version des freien Content-Management-Systems. Was als überschaubares Open-Source-Projekt mit einer Handvoll Entwicklern begann, bildet heute die Basis vieler Websites weltweit.

Mit über 50 Millionen Downloads ist das auf PHP und MySQL aufsetzende Content Management System Joomla eines der vielen erfolgreichen Open-Source-Projekte. Für den Aufbau einer Website mit Joomla sind keine Programmierkenntnisse nötig, daher reicht sein Einsatzbereich von privaten Homepages über Firmen-Websites bis zu umfangreichen Community-Portalen.

Genau genommen fing die Geschichte von Joomla vor mehr als zehn Jahren an: Um die Jahrtausendwende begann die australische Firma Miro, das proprietäre, Closed-Source-CMS Mambo zu entwickeln. 2001 veröffentlichte Miro den Code auch unter der GPL.

Der Versuch, das Projekt 2005 durch die Gründung einer unabhängigen Stiftung von Miro zu lösen und auf eigene Füße zu stellen, scheiterte: Statt den Stiftungsbeirat mit Community-Mitgliedern zu besetzen, ernannte der damalige CEO von Miro sich selbst zum Vorsitzenden. Das Core-Team des Mambo-Projekts beschloss daraufhin, die Entwicklung des CMS als Fork unter einem anderen Namen fortzusetzen. Mit der Bekanntgabe dieser Entscheidung am 17. August 2005 war Joomla geboren. Einen Monat später erschien die erste eigene Version des Projekts: Joomla 1.0 war praktisch identisch mit der damals aktuellen Mambo-Version – einzig der Name war an diversen Stellen getauscht worden.

Bei der Entwicklung von Joomla 1.5 blieb dann kein Stein auf dem anderen: Das Entwicklerteam brach radikal mit der bisherigen, veralteten Code-Basis. Mit dem Joomla-Framework entstand ein eigenes, PHP-basiertes MVC-Framework samt weiterer Bibliotheken. Die gespannte Community musste sich bis Januar 2008 gedulden, bevor das Projekt mit Joomla 1.5 sein erstes, vollkommen eigenes Produkt veröffentlichte.

In dieser Wachstumsphase übernahm das Core-Team, das nach wie vor aus rund 15 ausschließlich ehrenamtlich tätigen Personen bestand, immer neue Aufgaben. Im Juni 2008 entschied die Community daher, das Core-Team personell zu verstärken und in drei gleichberechtigte Gruppen mit Verantwortung für die Bereiche „Code“, „Finanzen“ und „Community“ aufzuteilen. Im Laufe der Zeit stellte sich jedoch heraus, dass die Teams nicht ausreichend kommunizierten und sich in Zuständigkeitsstreits verloren. Im Mai dieses Jahres entschieden die Projektverantwortlichen daher mit knapper Mehrheit, die Trennung wieder aufzuheben und ein zentrales Leitungsteam aufzustellen.

Neue Funktionen & Strategien

Die nächste Joomla-Version 1.6 führte umfangreiche neue Funktionen ein: unter anderem eine flexible Rechteverwaltung, Unterstützung für mehrsprachige Websites und eine bessere Kategorieverwaltung. Doch zeitliche Engpässe bei den Entwicklern und technische Probleme hatten die Entwicklung um Jahre verzögert. Aufgrund dieser Erfahrungen beschloss das Projekt, zu einem festen Release-Zyklus zu wechseln und alle sechs Monate eine neue Joomla-Version zu veröffentlichen. Sogenannte LTS-Ausgaben sollten dabei besonders lange mit Updates versorgt werden, um Nutzern eine langfristige Perspektive und Sicherheit zu geben. Joomla 1.7 erschien denn auch ein halbes Jahr später und brachte nur kleine Verbesserungen. Mittlerweile wurde dieses steife Modell des Time-Based-Release-Cycle wieder aufgegeben, um schneller und flexibler auf neue Entwicklungen reagieren zu können.

Mit Joomla 2.5 lag ab Januar 2012 eine stabile und fehlerbereinigte Weiterentwicklung der Version 1.6 beziehungsweise 1.7 vor, die das Projekt als LTS-Version noch bis Anfang 2015 mit Patches und Support versorgte. Auf dieser stabilen Basis entstand im nächsten Schritt Joomla 3.0, das als Erstes der „großen“ Open-Source-CMS mit Hilfe des Frontend-Frameworks Bootstrap von Haus aus für Mobilgeräte optimiert war.

Joomla heute

Die ersten zehn Jahre des Open-Source-CMS Joomla sind eine Erfolgsgeschichte. Joomla hat sich in den letzten zehn Jahren immer wieder neu erfunden, sowohl was den Code als auch die Struktur des Projekts und seine strategische Ausrichtung angeht. Noch ist offen, wo die Reise mit der kommenden Joomla-Version 4.x hingeht, ob und falls ja wie stark die neue Version mit dem bisherigen Code des Systems brechen wird und ob fundamentale Anpassungen am Bedienkonzept erforderlich sind. Die Planungen hierzu stecken noch in einer frühen Phase, dürften aber entscheidend für die langfristige Zukunft von Joomla sein. (lmd@ct.de)

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