Prozessorgeflüster

Von Computer-Neid und Geldsorgen

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Hannover und Göttingen streiten weiter um einen 30-Millionen-Superrechner. Der Server-Zulieferer Supermicro hat interne Mauscheleien entdeckt, AMD strukturiert sich wieder einmal um und Intel investiert in Quantenrechner.

Es sind also doch nicht nur die niedrigeren Stromkosten, mit denen Göttingen Hannover einen Supercomputer weggelockt hat. Auch die zahlreichen Nobelpreise, mit denen die Max-Planck-Institute in Göttingen glänzen können, dürften eine Rolle gespielt haben. Und vor dem Ausschuss für Wissenschaft und Kultur des niedersächsischen Landtags war zu hören, das Rechenzentrum Göttingen sei „deutlich breiter aufgestellt und besser bundesweit in der Forschergemeinschaft zu Hochleistungsrechnern vernetzt“. So zitiert die Hannoversche Allgemeine Zeitung den IT-Referenten Peter Waue, der für das niedersächsische Wissenschaftsministerium im Verwaltungsrat des Norddeutschen Verbunds zur Förderung des Hoch- und Höchstleistungsrechnens (HLRN) sitzt. Das sind deutliche Worte, wenn man bedenkt, dass das Rechenzentrum der Uni Hannover schon seit 13 Jahren die Nicht-Berliner Hälften der HLRN-Generationen I bis III beherbergt.

Nun gut, bei der Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung Göttingen (GWDG) steht der Wind derzeit auch besonders günstig: Hier sitzt nicht bloß die Max-Planck-Gesellschaft mit im Boot, die GWDG plant auch schon seit Jahren ein neues 40-Millionen-Rechenzentrum auf dem Nordcampus der Uni. Der Bau soll 2017 starten, 2018 können dann Teile des HLRN-IV einziehen.

Ärger bei Supermicro

Die Supercomputer-Geschäfte laufen gut, wovon auch der Server-Zulieferer Supermicro profitiert. Im zweiten Quartal meldete er sogar Rekordumsätze. Bisher war Supermicro eine Einwanderer-Erfolgsgeschichte, wenn auch nicht gerade vom Tellerwäscher zum Millionär. Der aus Taiwan stammende Elektroingenieur Charles Liang hatte schon vor der Gründung 1993 Erfahrung in Entwicklungs- und Führungspositionen gesammelt, unter anderem bei Osram und der später von Intel geschluckten Chips & Technologies. Doch Liang hob Supermicro fast wie ein Familienunternehmen aus der Taufe, zusammen mit seiner Frau. Teile der Fertigung erfolgen in Taiwan bei Ablecom unter der Regie von Liangs Bruder Steve.

Aber selbst wenn’s gut läuft, kann man stolpern: Seit ihrem 40-Dollar-Hoch im Februar fällt die Supermicro-Aktie – und brach Anfang September um 10 Prozent ein. Da musste Supermicro der Börsenaufsicht gestehen, den Quartalsbericht nicht rechtzeitig fertigstellen zu können. Man habe bei „bestimmten Marketing-Ausgaben“ Unregelmäßigkeiten festgestellt.

Von familiärer Kontinuität kann AMD nur träumen, hier läuft es weiter schlecht. Dass der von Chefin Lisa Su erhoffte Windows-10-Schub schon eingesetzt hat, ist fraglich. Immerhin kann man mittlerweile erste Acer- und HP-Notebooks mit dem neuen Carrizo-Chip A10-8700P kaufen, der Carrizo-L alias A4/A6/A8-7000 ist in (Billig-)Notebooks zu haben. Und die HBM-Grafikkarten bescheren AMD viel Aufmerksamkeit, besonders die eindrucksvoll kompakte Radeon R9 Nano. Doch auch bei den Grafikchips schmolz der AMD-Marktanteil in letzter Zeit ab.

Das GPU-Ruder herumreißen soll der 2013 von Apple zurückgeholte ATI-Veteran Raja Koduri: Er führt jetzt die neue „Radeon Group“, die sich um alle Grafik-Produkte von AMD kümmert. Wie das dem erst im Juni eingestellten Jim Anderson schmecken mag, der zunächst auch das Graphics Business verantworten sollte?

Laut der Webseite Fudzilla.com stehen bei AMD weitere Veränderungen an, etwa der Einstieg des milliardenschweren Investors Silver Lake. Eine 20-Prozent-Beteiligung soll die Schuldenlast senken. Trotzdem sind angeblich weitere Entlassungen geplant. Vermutlich werden wir am 15. Oktober mehr erfahren, dann dürfte AMD die Zahlen für das dritte Quartal verkünden.

Das lukrative Server-Geschäft läuft weiter an AMD vorbei, der ARM-Opteron A1100 (Seattle) ist immer noch nicht aufgetaucht. Da hilft es wenig, dass auch andere ARM-SoCs für Server nicht aus der Tür kommen. Stattdessen findet man eher kuriose Angebote wie das vom Internet-Hoster Hetzner: Dort kann man zu Monatspreisen ab etwa 12 Euro das 80-Euro-Platinchen Odroid-XU4 mieten. Welche Vorteile der 32-bittige Cortex-A15 mit bloß 2 GByte RAM im Vergleich zu einer virtuellen x86-Maschine bringen soll, erschließt sich uns nicht. Doch unzweifelhaft kann man den Odroid als Mikroserver bezeichnen, denn viel kleiner geht es nicht – höchstens schneller.

Intel-Geld für Quantenrechner

Eher zu den Makroservern zählen die bisher höchst unhandlichen Quantencomputer. Sie versprechen jedoch, extreme Leistungen bereitzustellen – zumindest für passende Rechenaufgaben und in ferner Zukunft. Dagegen sehen Beschleuniger wie Xeon Phi oder Nvidia Tesla alt aus. Nun stellt auch Intel bei Quantenrechnern einen Fuß in die Tür: mit 50 Millionen US-Dollar, die Intel in den kommenden 10 Jahren in das Quantencomputer-Labor der TU Delft stecken wird.

Hoffentlich nicht ganz so lang wie auf Quantenrechner muss man wohl auf Intels seit Jahren versprochene Prozessoren mit AVX-512 warten; der erste dürfte der Skylake-EP alias Xeon E5-2600 v5 sein. Doch Intel lässt die Katze nicht aus dem Sack: Manche Präsentationen legen einen Starttermin im Jahr 2016 nahe, andere eher 2017. Bekräftigt hat Intel bloß, dass der zwischenzeitlich totgesagte Broadwell-EP alias Xeon E5-2600 v4 spätestens Anfang 2016 kommen soll. Doch was könnte dessen Vorteil sein? Die Gerüchteküche bleibt merkwürdig kalt, dabei müsste er doch wenigstens mit mehr Kernen oder weniger Stromdurst gegen den aktuellen Haswell-EP antreten. Es wird wirklich höchste Zeit, dass ARM, AMD oder IBM (mit OpenPOWER) wieder Dampf in den Kessel bringen. (ciw@ct.de)

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