Knuddliger Kugelbot

Test & Kaufberatung | Kurztest

Spheros BB-8, die App-gesteuerte Mini-Inkarnation des Kugelroboters aus dem kommenden Star-Wars-Film, dürfte bei vielen Fans den Kaufreflex auslösen. Doch was taugt der kleine Astromech-Droide?

Vor einigen Wochen gingen die Werbevideos durchs Netz: Ein kleiner BB-8-Droide aus Plastik fuhr durch ein Wohnzimmer, einen Hof. Ein Kind steuerte ihn per Smartphone fern. Der Bestellfinger zuckte, obwohl das sonst so gar nicht meine Art ist – schon gar nicht bei einem Spielzeug für 169 Euro.

Der Aufdruck auf der schicken Verpackung und deren Größe täuschen darüber hinweg, dass der Kugelroboter BB-8 inklusive Kopf nur 11,4 cm hoch ist. Außerdem findet man in der Packung eine induktive Ladestation samt USB-Kabel und eine schwarze Karte. Letztere zeigt vier Bilder zur Inbetriebnahme und eine URL, die das Smartphone zur benötigten App weiterleitet.

An das Steuergerät stellt Sphero einige Anforderungen: Bluetooth 4.0 ist Pflicht, sonst kann man ihn direkt wieder zurückschicken; außerdem muss auf dem Gerät mindestens iOS 8 respektive Android 4.4.2 laufen. Mit einem iPad Air klappte die Kontaktaufnahme erst nach mehreren Anläufen, beim Nexus 5 hingegen sofort. Beim Start gönnt sich die App mitunter eine Gedenkminute. Danach lässt sich der Winzling per Touch steuern.

Damit man weiß, wo vorne ist, kann man ihn in der App ausrichten, wobei eine durch BB-8s Hülle leuchtende blaue LED hilft. Per App kann man den Roboter nicht nur mit einem virtuellen Joypad fernsteuern, sondern ihm auch kleine Manöver befehlen: Eine Acht fahren, nicken, Kopf schütteln oder ihn auch auf eine Zufalls-Patrouille schicken. Außerdem hört BB-8 auf eine Handvoll (englischsprachiger) Kommandos: So veranlasst ihn „It’s a trap!“, mit Höchstgeschwindigkeit in eine Richtung abzuhauen.

Einen wichtigen Teil des Star-Wars-Flairs machen die aus der App tönende Star-Wars-Musik und BB-8s Zwitscherlaute aus, die seine enge Verwandtschaft zu R2-D2 verdeutlichen. Auch die hört man nur über die App, der Kugelbot gibt selbst keinen Ton von sich.

Das leichte, weil hohle Köpfchen hält sich per Magnet an der Kugel fest und läuft auf zwei parallelen Rollen, gestützt von Gleitflächen. Bei wilden Manövern passiert es schon mal, dass der Rollmechanismus in der Kugelhülle zu weit nach oben läuft oder sich gar überschlägt und BB-8 den Kopf verliert. BB-8 besitzt nur Gyro- und Beschleunigungssensoren, sodass er seinen Weg „ertasten“ muss. Beim Test klemmte er sich gerne mal den Kopf unter der Couch ein, um den er sich dann dreht. Haustierbesitzer sollten BB-8 nicht in deren Gegenwart herumfahren lassen, sonst ist der Kopf schnell ein gefundenes Fressen.

Auch kopflos rollt BB-8 munter weiter. Allerdings wirkt er dann nicht mehr lebendig. Die putzigen Kopfbewegungen machen einen Großteil des Reizes aus, sich länger als ein paar Stunden mit dem teuren Spielzeug zu beschäftigen. Schickt man BB-8 auf Patrouille, piept und düdelt die App und zeigt lustige Statusmeldungen, während der Kugelbot blinkend durch die Gegend zuckelt. Trifft er auf Hindernisse, markiert er sie als vermeintlich feindliche Lebensformen mit Sturmtruppenhelmen. Dabei simuliert BB-8 ein Level an Persönlichkeit wie kein anderes Spielzeug seiner Preisklasse. Die versprochene „adaptive Persönlichkeit“ konnte ich bisher allerdings nicht feststellen.

Die App spielt auch Videonachrichten ab, in denen sich BB-8 als Werbebotschafter für den neuen X-Wing-Fighter betätigt. Die sehen dann auf dem Bildschirm des Smartphones dank Augmented Reality aus, als würde BB-8 ein Hologramm projizieren. Wer will, kann auch eigene Videobotschaften aufnehmen.

Video: Mit BB-8 auf Patrouille im c't Fotostudio

Als reines Spielzeug ist BB-8 zu teuer. Er lebt von seiner unglaublichen Niedlichkeit, der sich kaum jemand entziehen kann, am allerwenigsten natürlich Star-Wars-Sympathisanten. Wer nur ein wenig Herz hat für die (fast) allerliebste Space Opera, der erlebt BB-8 als künstliche (gut: projizierte, aber trotzdem) Persönlichkeit. Das war wohl auch das Ziel: Mission accomplished! (Clemens Gleich/vza@ct.de)

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