Ausgefuchst Update

Werbelügen und Händler-Flunkereien auf die Schliche kommen

Wissen | Reportage

Absichtlich weggelassene Informationen, irreführende Versprechen und manchmal sogar glatter Betrug: Als Kunde hat man es nicht leicht. Wir zeigen die fiesesten Flunkereien und worauf man beim Technikkauf sonst noch so achten muss.

Der Kunde will so wenig Geld wie möglich ausgeben, der Händler so viel Geld wie möglich verdienen: Diese profane Regel birgt viel Konfliktpotenzial. Da lassen Händler wichtige Informationen weg, Hersteller denken sich irreführende Produktnamen aus, Dienstleister verstecken Vertragsdetails in endlosen Kleinstschriftkolonnen – man fühlt sich wie auf einem Hindernis-Parcours, sobald man einen Prospekt aufschlägt, ein Geschäft betritt oder auf einen Webshop klickt.

Um Ihnen das Leben etwas leichter zu machen, haben wir uns auf die Suche nach den häufigsten Schnäppchenlügen und Sparschweinereien im Technikbereich gemacht – und aufgeschrieben, worauf Sie beim Technikkauf achten sollten.

Video: Nachgehakt

Allgemeine Tipps

Gerade bei Werbeprospekten sind die weggelassenen Informationen am interessantesten: Fehlen bei Geräten so grundlegende Angaben wie Displayauflösung oder Speicherkapazität, sind diese Werte in der Regel schlecht – besonders dann, wenn der Händler die Informationen bei anderen Produkten angibt. Häufig steht dann beim Edel-Notebook „Full-HD-IPS-Display“ und beim Billigmodell auf der gleichen Seite nur „LC-Display“ – Letzteres ist eine totale Nullaussage, denn es gibt keine Notebooks ohne LCD.

Angaben in Webshops und Prospekten sollte man immer ganz genau lesen. Sonst könnte Ihnen das Gleiche passieren wie dem c’t-Kollegen, der ein spottbilliges Angebot für einen Makita-Akkuschrauber gefunden hatte. Dass der Händler die Maschine zu einem deutlich günstigeren Preis anbot als die gesamte Konkurrenz, hätte den Kollegen stutzig machen sollen – die Schnäppchenfreude überwog jedoch. Als das Paket ankam, machte der sparsame Kollege ein langes Gesicht: Es fehlten sowohl Akku als auch Ladestation – im Angebot stand hinter der Typbezeichnung das Wörtchen „Solo“, und das bedeutete offensichtlich, dass hier der nackte Akkuschrauber ohne jegliches Zubehör angeboten wurde. Einige Händler machten das in der Beschreibung auch noch mal gesondert deutlich, bei anderen war der Begriff „Solo“ aber der einzige Indikator für ein ohne Ladegerät und Akku unbrauchbares Gerät.

Apropos Akkus: Smartphone- und Tablet-Akkus bergen extremes Betrugspotenzial. Bei einer Amazon-Testbestellung von c’t im April 2015 entpuppten sich von zwölf „Original Samsung-Akkus“ alle zwölf als Produktfälschungen [1]. Wollen Sie auf Nummer sicher gehen, bleibt Ihnen nur, Akkus direkt beim Hersteller zu kaufen. Fälschungen sind uns obendrein bei Speicherkarten, Smartphone-Netzteilen, Apple-Ersatzdisplays, In-Ear-Kopfhörern und Beamerlampen untergekommen.

Besonders ärgerlich ist die Lieblingsfloskel von Händlern und Dienstleistern: „bis zu“. Begegnen Ihnen diese beiden Wörter, sollten sofort die Alarmglocken schrillen: Hier scheut man sich vor klaren Aussagen. Internetprovider lieben sie: Steht im Angebot „bis zu 100 MBit/s“, können Sie rechtlich auch dann nichts ausrichten, wenn lediglich 20 MBit/s aus der Leitung tröpfeln. Sie sollten deshalb immer nach einer Mindestangabe schauen – die ist im Zweifel viel aussagekräftiger als die werbewirksame „bis zu“-Angabe.

Oft sind vermeintliche Schnäppchen schlicht und ergreifend Ladenhüter. Bei Notebooks kann man das zum Beispiel daran erkennen, dass sie mit Windows 8 ausgeliefert werden – sie sind dann mindestens zwei Jahre alt, schließlich gibt es seit Oktober 2013 Windows 8.1. Um andere olle Kamellen aufzuspüren, helfen Preissuchmaschinen wie Geizhals oder Idealo.

Smartphones und Tablets

Bei Smartphones wird auch die simpelste Technik noch als Highlight verkauft. Zum Glück gibts im Netz zu fast jedem Gerät umfangreiche Datenblätter und Erfahrungsberichte in Foren. Mit ein wenig Hintergrundwissen entlarven Sie viele Blender bereits im Prospekt.

Die meist beworbene Bildschirmgröße sagt nichts über die Qualität aus. Wichtiger ist das Verhältnis von Auflösung zur Display-Diagonale – wächst Erstere nicht mit, wirds schnell pixelig. Für eine scharfe Anzeige sollte es HD-Auflösung (1280 × 720) sein, ab 5 Zoll finden wir 1920×1080-Bildpunkte (Full HD) besser. Bei Tablets dürfen die dpi-Werte etwas niedriger liegen, denn die hält man wegen der größeren Bildschirme etwas weiter weg. Daher sind HD bei 7 Zoll und Full HD bei 10 Zoll noch angenehm scharf. ...

So finden Sie Fallen in Werbeprospekten

Achten Sie in der Produktbeschreibung auf fehlende Angaben wie Auflösung oder Laufzeiten; solche Eigenschaften sind dann meist schlecht oder nur durchschnittlich.

Angaben, die mit „bis zu“ beginnen, sind fast immer unrealistische Maximalwerte, die sich kaum je erreichen lassen.

Gerade, wenn „Neueste Technik“ drüber steht, sollten Sie mit einem Ladenhüter rechnen – eine kurze Internetrecherche gibt Klarheit.

Ergänzungen & Berichtigungen

Der Artikel entspricht dem Stand der gedruckten c't. Folgende Änderung hat sich seitdem ergeben:

UPDATE

Der Artikel befasste sich unter anderem mit dem Schutzversprechen von Antiviren-Software. In der Bildunterschrift zum Testergebnis von Norton Antivirus heißt es, dass bei 100 % Erkennungsrate etwas nicht stimmt. Wir wollten damit keine Manipulation der Testergebnisse unterstellen. Wir gehen im Gegenteil fest davon aus, dass die Testlabors diese Tests sehr sorgfältig und ordentlich durchführen und die Antiviren-Software im zugehörigen Test tatsächlich alle verwendeten Schädlinge erkannte und stoppen konnte.

Allerdings hängt die Aussagekraft eines solchen Tests sehr stark von der Auswahl dieser Schädlinge ab. Unsere Kritik bezog sich darauf, dass man aus hundertprozentiger Trefferquote im Test keinen hundertprozentigen Schutz vor zukünftigen Schädlingen ableiten kann. Wie man beispielhaft im Bild erkennen konnte, wird dem Anwender jedoch genau diese hundertprozentige Schutzwirkung durch die Präsentation der Testergebnisse häufig nahegelegt.

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