Wappnen für Notfalleinsätze

c’t-Notfall-Windows zusammenbauen

Praxis & Tipps | Praxis

Wenn das auf einem PC installierte Windows streikt oder von Schädlingen unterwandert ist, hilft am besten ein von USB-Stick oder DVD startbares Notfallsystem. Mit unserem Paket bauen Sie sich ein solches auf der Grundlage von Windows und sind damit für sämtliche Notfälle gewappnet.

Vieles spricht dafür, als Grundlage für ein Rettungs- und Wartungs-System für Windows-PCs, das von USB-Stick oder DVD startet, auch ein Windows herzunehmen: Es kennt alle Spezialitäten der Windows-Welt wie Bitlocker, EFS, ReFS, Storage Spaces und Registry. Werkzeuge für deren Bearbeitung sind nicht anhand unvollständiger Dokumentation nachprogrammiert, sondern die Originale. Wir stellen auf der Heft-DVD deshalb Software bereit, die ein solches Windows-Notfall-System baut.

Video: Nachgehakt

Das ist auch schon der größte Haken dieser Lösung: Sie müssen das Notfall-Windows aktiv selbst herstellen. Denn auf die sofort bootfähige Minimalversion für Installations- und Wartungszwecke, das Preinstallation Environment (PE) von Windows, hält Microsoft rigoros den Daumen – Lizenzen gibt es inzwischen nicht mal mehr für Antivirus- oder Datenrettungssoftware, selbst wenn ein Hersteller sich das einiges kosten lassen möchte.

Unsere DVD enthält kein direkt startfähiges System. Sie tun deshalb gut daran, das Notfall-Windows in einer ruhigen Minute zu bauen und nicht erst damit anzufangen, wenn Ihr PC erste Ausfallerscheinungen zeigt. Auf einem bereits matschigen PC laufen Sie nicht nur Gefahr, eine Infektion auch auf das Notfall-System zu übertragen, sondern destabilisieren so zusätzlich den ohnehin fragilen Bauvorgang.

Die Software, die dabei das eigentliche Zusammenbauen erledigt, der Winbuilder und die dafür geschriebenen Skripte, stammen nicht sämtlich von uns, sondern sie werden als „Win10PESE“ von ChrisR und weiteren Freiwilligen im Forum auf theoven.org gehegt und gepflegt. Wir haben Skripte ergänzt und die Wunderwaffe abgespeckt, um ein rundes nicht allzu großes, aber dennoch nützliches Paket zu schnüren.

Was Sie brauchen

Außer der von uns zusammengestellten Software, die Sie als ZIP-Archiv ctnotwin15.zip auf der beiliegenden Heft-DVD finden, benötigen Sie die Dateien eines Installationsmediums für Windows 10. Idealerweise benutzen Sie die von Microsoft kostenlos bereitgestellte LTSB-Evaluierungsversion von Windows 10 Enterprise; die entspricht der von Microsoft vor einigen Monaten freigegebenen Fassung. Download-Links finden Sie über den c’t-Link am Ende des Artikels.

Reguläre Versionen von Windows 10, wie sie zum Beispiel Abonnenten des Microsoft Developer Network herunterladen können, eignen sich ebenso; die Variante, also Home, Pro oder Enterprise, ist beliebig. Ungeeignet sind leider die Dateien, die Microsofts Media Creation Toolkit für Windows 10 herunterlädt. Diese Installationsmedien enthalten eine WIM-Datei, die der Winbuilder nicht als Ausgangsmaterial verwenden kann.

Bei Redaktionsschluss erwies sich auch die gerade von Microsoft freigegebene zweite Fassung von Windows 10 (Threshold 2, Build 10586, 1511) als ungeeignet. Mit ihr gelingt zwar das Bauen des Notfall-Windows, aber das erstellte System bleibt beim Booten stecken – ist also unbrauchbar. Sollte sich eine Lösung dafür finden, werden wir auf der Projektseite Hinweise dazu bringen (siehe c’t-Link).

Deswegen: Laden Sie die LTSB-Evaluierungsfassung herunter. Das mag – je nach Internet-Anbindung – dauern, spart jedoch Zeit, die man in irgendwelche Konvertieraktionen stecken müsste. Sie benötigen in jedem Fall lediglich eine vollständige Kopie der Dateien vom Installationsdatenträger, müssen die ISO-Datei also nicht erst auf ein optisches Medium bannen.

Wird das Notfall-Windows unter Windows 8 oder späteren Versionen gebaut, genügt ein Doppelklick, um die Dateien in der ISO-Datei als virtuelles DVD-Laufwerk einzubinden – die Dateien auf dem virtuellen Laufwerk verarbeitet der Winbuilder. Unter Windows 7 gelingt das Einbinden einer ISO-Datei nicht so leicht, dazu ist zusätzliche Software nötig; sollten Sie noch nichts dafür Geeignetes am Start haben, finden Sie einige Empfehlungen dafür über den c’t-Link.

Das Notfall-Windows entsteht passend zum ihm vorgesetzten Original-Windows in einer 32- oder 64-Bit-Fassung. Ob Sie den Bauvorgang unter einem 32- oder 64-bittigen Windows erledigen, ist dabei egal. Wer noch alte PCs bemuttern muss, fährt mit der 32-Bit-Variante besser. Auf modernen PCs muss man allerdings damit rechnen, dass diese die 32-Bit-Fassung erst nach Einwirken auf die UEFI-/Secure-Boot-Konfiguration im BIOS-Setup starten. Hier wirft die 64-Bit-Variante weniger Probleme auf.

Die 64-Bit-Version stellt allerdings höhere Ansprüche an die RAM-Ausstattung. Das Notfall-Windows lädt sich zu großen Teilen in den Hauptspeicher des PC. Um die Virenscanner aktuell zu halten, lässt es diese Updates herunterladen. So läuft die 32-Bit-Variante in 1 GByte RAM noch einigermaßen rund, die 64-Bit-Fassung wird zickig – manche Funktion schlägt fehl, ohne den Speichermangel klar als Ursache zu erkennen zu geben. ...

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