Verschmelzung

Die Integration von Touch und Desktop in Windows 10 schreitet voran

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Obwohl Microsoft mittlerweile recht aufwendige Vorkehrungen trifft, damit inoffizielle Vorabversionen von Windows nicht ins Internet sickern, geistert seit einiger Zeit eine weitere Preview-Version von Windows 10 mit der Build-Nummer 9901 durchs Netz – und die zeigt kleine, aber interessante Fortschritte.

Microsoft verteilt nicht alle Zwischenversionen der Technical Preview von Windows an die Teilnehmer des Insider-Programms, denn oft sind neue Funktionen darin noch sehr rudimentär oder instabil. So hat der Hersteller den Zwischenstand mit der Build-Nummer 9901 bis Redaktionsschluss auch nicht über Windows Update an die Nutzer der Preview verteilt. Das gehört zum Plan: Microsoft-Manager Gabriel Aul bestätigte in einem Blogeintrag (siehe c‘t-Link), dass die nächste offizielle Preview-Ausgabe besser und stabiler sein soll als das, was man mit Build 9901 zu sehen bekommen hat. Daher kann man die Änderungen, die die durchgesickerte Version zeigt, als Vorgeschmack auf das werten, was Microsoft auf dem Live-Event am 21. Januar vorstellen dürfte.

Die Änderungen gegenüber der letzten offiziellen Preview-Build 9879 wirken auf den ersten Blick nicht dramatisch, zeigen aber bei näherer Betrachtung, an welchen Stellen Microsoft an Windows 10 arbeitet. Auf den ersten Blick fallen leichte optische Überarbeitungen auf, beispielsweise die schwarze Taskleiste, auf der sich nun ein Suchfeld befindet. Über die darin enthaltene Mikrofon-Schaltfläche soll sich offenbar künftig auch die Sprachassistentin Cortana starten lassen. Auf Wunsch entfernt Windows das Suchfeld oder stellt es – wie in bisherigen Preview-Versionen – als Fenster dar. Die Integration von Cortana ist auch an anderen Stellen etwas vorangeschritten. Das Hilfecenter „Get started“ zeigt nun einen Eintrag für sie – mit Inhalten ist es allerdings noch nicht befüllt. Der Menüpunkt „Cortana & Search“ in den PC-Einstellungen ist ebenso weitgehend funktionslos. Auch am Aussehen einiger Apps hat Microsoft gearbeitet, beispielsweise am Taschenrechner, der nun dunkler und mit einem schlichteren Design daherkommt.

Mit Windows 10 nimmt sich Microsoft offenbar der Vereinheitlichung der klassischen Desktop-„Systemsteuerung“ und ihres Modern-UI-Pendants namens „PC-Einstellungen“ an (in der englischen Preview-Ausgabe „Settings“). So reichert der Hersteller die Modern-UI-PC-Einstellungen mit mehr Funktionen an – man kann dort nun etwa den Standortverlauf löschen und die Fenster-Einrastfunktion Aero Snap ein- und ausschalten. Abgesehen von solchen Kleinigkeiten gibt es aber auch mehr Funktionen, die nun ausschließlich in den PC-Einstellungen verfügbar sind. Es gibt dort beispielsweise eine Dialogseite zum Einspielen von Provisioning Packages. Diese sollen im fertigen Windows 10 Administratoren helfen, Business-Software und -Einstellungen auf Privat-PCs von Mitarbeitern ohne Neuinstallation bereitzustellen. Microsoft hatte die Funktion bereits im letzten Jahr auf der TechEd Europe vorgestellt (siehe c‘t 25/14, S. 45).

Ein weiteres Beispiel für die Verschmelzung von Touch und Desktop findet sich in der klassischen Systemsteuerung: Wer dort den Windows-Update-Dialog öffnen will, bekommt nur noch einen Hinweis, dass die Funktion veraltet ist und wird freundlich ans Gegenstück in den „PC-Einstellungen“ verwiesen.

Außerdem arbeitet Microsoft offenbar an einer Verbesserung der Touch-Bedienung klassischer Desktop-Elemente. Ruft man auf einem Tablet das Kontextmenü der Taskleiste per Touch auf, wird der Abstand zwischen den einzelnen Menüeinträgen vergrößert. Das verbessert die Treffwahrscheinlichkeit auf den gewünschten Eintrag. Bei Aufruf des Kontextmenüs mittels einer Maus entspricht der Zeilenabstand hingegen dem Desktop-Standard. Sichtbar ist diese Unterscheidung zwischen Maus- und Touch-Bedienung bislang nur im Kontextmenü der Taskleiste. Schafft Microsoft es, dieses Verhalten systemweit zu vereinheitlichen, wäre das ein kleiner, aber wichtiger Schritt in die richtige Richtung: den klassischen Desktop auch per Touch erträglich bedienen zu können. (jss)

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