Alles Schlitzohren!

@ctmagazin | Editorial

Ärger fängt immer klein an: Ich wollte einen Flug buchen. Also ab ins Netz, beim Flug-Preisvergleicher Swoodoo die Wunschdaten eingegeben. Noch schnell die Zahlungsart vorselektiert und dann nur noch aussuchen. Das Angebot mit der kürzesten Reisezeit und dem attraktivsten Preis ist schnell ausgemacht. Ein Klick bringt mich zu Travelgenio. Dort gebe ich meine persönlichen Daten inklusive Adresse, E-Mail und so weiter ein. Nein, keine Reiserücktritts- oder sonstige Versicherung - brauch ich nicht, nützt im Zweifelsfall ohnehin wenig.

Ein Klick auf "weiter", dann geht die Gängelei los: Ohne Versicherung, das wird ganz und gar nicht empfohlen. Ich suche das ausgegraute Feld "nicht Empfohlen" und setze die Buchung fort. Noch schnell Mastercard als Zahlungsart gewählt – und beinahe wäre es passiert: 40 Euro Zahlungskosten lassen meine Rechnung anschwellen. Hatte ich nicht vorher bei der Swoodoo-Suche extra Kreditkarte als Zahlungsoption gewählt, damit mir solche Überraschungen erspart bleiben?

Also ab zum nächsten Buchungsportal. Nachdem ich meine Daten bei Opodo eingegeben und deren Versicherungsklippe umschifft habe, folgt auch hier die böse Überraschung: 15,30 Euro Service-Pauschale plus 8,70 Euro Zahlungskosten soll ich berappen, wenn ich per Mastercard zahlen will. Klar, hätte ich "EntroPay" benutzt, dürfte ich auch zum Suchmaschinenpreis buchen, doch mit dieser Bezahlform kann ich nichts anfangen - wie vermutlich die Mehrheit der Deutschen.

Denselben Mist erlebe ich danach auch bei diversen anderen Flugportalen: Stets versucht man, mir unerwünschte Versicherungen anzuschnacken, überall muss ich erst meine Daten eingeben, bevor ich erfahre, welche Zusatzkosten sich dieser Anbieter ausgedacht hat. Dabei hat der Gesetzgeber solche Schummeleien doch mit §312a BGB explizit untersagt. Dort wird verlangt, dass jeder Anbieter mindestens eine gängige kostenfreie Zahlungsoption vorsehen muss. Auch der Endpreis sollte eigentlich am Anfang der Buchung angezeigt werden und nicht erst, nachdem der Kunde seine Daten eingegeben hat.

Doch kaum trat das Gesetz in Kraft, da hatten es die Winkeladvokaten der Flugportale auch schon durchlöchert. Kaum verbreitete Zahlungsmethoden wurden eigenmächtig für "gängig" erklärt. Anfangs waren solche Praktiken allenfalls bei Grenzgängern im juristischen Graubereich üblich. Inzwischen scheint ein Großteil der Flugportalbranche ihr Heil in genau diesen unseriösen Tricks zu suchen. Mag sein, dass diese Trickserei legal ist, legitim ist diese Art der Abzocke – genau als das empfindet der Kunde so ein Geschäftsgebaren – auf keinen Fall.

Meine Konsequenz in Sachen Flugbuchung ist klar: Ich buche jetzt direkt bei den Airlines. Unterm Strich ist das im konkreten Fall nicht einmal teurer als bei den Portalen. Durch Frechheit und Gier kann man sich auch überflüssig machen, liebe Flugpreisportale.

Georg Schnurer Georg Schnurer

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