Prozessorgeflüster

Von Corporations und Incorporations

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Alle großen Verlustbringer ist IBM los und kann sich so auf Power8, OpenPower und seine Innovationskräfte konzentrieren. Patent-Weltmeister ist man allemal. Samsung und LG bekämpfen sich auf merkwürdige Art und Linus Torvalds poltert gegen Vielkerner und Parallelisierung.

Mit Beginn des neuen Jahres ist nun – nahezu genau zehn Jahre nach dem ersten Deal mit IBM, bei dem Lenovo die Desktop- und Notebook-Sparte übernahm – die offizielle Inkorporation der IBM-x86-Serversparte durch Lenovo auch in Europa erfolgt. Verkäufer IBM powert nun verstärkt mit OpenPower, etwa im Cloud-Bereich. So ist kurz vor Weihnachten auch Rackspace Hosting der nunmehr rund 80 Mitglieder starken OpenPower Foundation beigetreten. Im März 2015 wird die OpenPower Foundation zu ihrem ersten großen Gipfel zusammentreffen und das als Gastveranstaltung auf Nvidias GPU Technology Conference (GTC). Man muss sich allerdings bei der GTC anmelden, um Zugang zum OpenPower Summit zu haben …

IBMs erwähnte Innovationskräfte haben es bekanntlich in sich. So kam im letzten Jahr nun schon der sechste Nobelpreis aus dem IBM-Umfeld hinzu, nämlich mit dem früheren IBM-Forscher Dr. William E. Moerner – jetzt Stanford University –, der zusammen mit dem Göttinger Wissenschaftler Stefan Hell und Eric Betzig vom Howard Hughes Medical Institute den Chemie-Nobelpreis erhielt. Und bei den Patenten konnte sich Big Blue im Vorjahr mal wieder ganz klar die Position des „Weltmeisters“ sichern – jedenfalls gemessen an der Anzahl der US-Patente. Mit rund 7500 Patenten legte der einstige IT-Marktführer noch eine gehörige Schippe gegenüber dem Vorjahr drauf, als etwa 6800 erteilt wurden. Dahinter folgen jetzt wie zuvor die drei großen Asiaten Samsung (5800), Canon (4260) und Sony (3560). Das sind allerdings nur grobe Zahlen einer schnellen Suche in der USPTO-Datenbank. Für genauere Analysen muss man zahlreiche Schreibweisen und Schreibfehler, unterschiedliche Firmenbenennungen, Tochterfirmen und so weiter berücksichtigen.

So findet man zum Beispiel unter „Intel“ 1841 US-Patente. Die umfassen dann aber auch Joint Ventures wie Intel-GE Care Innovations LLC sowie die Tochter Intel Mobile Communications. Diese hat hierzulande ihre eigene recht fruchtbare GmbH, in der die 1700 Mitarbeiter in den Standorten Neubiberg bei München, Ulm, Regensburg, Duisburg, Dresden, Nürnberg und – leider nur bis Ende 2014 – Braunschweig gut 200 Patente beigetragen haben.

Die Intel Corporation allein steht mit 1589 Patenten in der Datenbank, hinzu kommen noch diverse Verschreiber wie „Intel Coporation“ oder Coproration, ja sogar eine lustige „Intel Incorporation“ (US8,862,787) ist anzutreffen.

Das US-Patentbüro IFI macht sich seit vielen Jahren die Mühe, das alles genau aufzuschlüsseln und wird vermutlich in ein, zwei Wochen eine bereinigte Ranking-Tabelle veröffentlichen. Dann wird man genauer erfahren, ob es Google inc. geschafft hat, hinter Microsoft und Toshiba Platz 7 einzunehmen oder ob noch Panasonic dazwischen liegt. Dahinter folgt wahrscheinlich LG Electronics. Der südkoreanische Mischkonzern käme allerdings mit allen Töchtern wie LG Displays, LG Innotek, LG Chem et cetera noch vor Sony. Von den Südkoreanern gibt es derweil noch andere Ereignisse zu berichten.

Waschmaschinen-Krieg

Am Vortag zur IFA in Berlin wurde nämlich ein LG-Mitarbeiter ertappt, wie er sich im Europa-Center an den Türen von vier Crystal-Blue-Waschmaschinen des koreanischen Konkurrenten Samsung zu schaffen machte. Angestellte zeigten ihn bei der Polizei an, er habe die Türen so lange nach unten gedrückt, bis sie nicht mehr schlossen. LG wiegelte gegenüber der Presseagentur Yonhap News Agency ab, er habe lediglich nachschauen wollen, warum die Türen der Samsung-Maschinen beim Schließen gewackelt hätten. Außerdem habe er den Schaden bezahlt.

Doch Samsung hat das nicht auf sich beruhen lassen, sondern LG und den Chef der LG-Haushaltsgeräteabteilung Jo Seong-Jin angezeigt, den Samsung beschuldigt, die Aktion veranlasst zu haben.

Die wehrten sich mit einer Gegenklage wegen Rufschädigung und Beweisfälschung. Am 26. Dezember fand aber nun eine Hausdurchsuchung in den LG-Headquarters in Seoul sowie in einem Fertigungswerk statt. Festplatten und Dokumente mit IFA-Material wurden beschlagnahmt. Zudem wurde gegen Jo Seong-Jin wegen fehlender Auskunftsbereitschaft ein Reiseverbot verhängt. Falls es hier nicht kurzfristig noch zu einer Einigung kommt, darf er nicht wie geplant zur CES nach Las Vegas fahren.

Gut, Waschmaschinen stehen auf der CES nicht so im Mittelpunkt, allenfalls als Bestandteil des Internet of Things. Eher sind hier Consumer Robotics, intelligente Autos und vor allem 4K-TVs und -Displays zu finden, darunter etwa LGs neuer UltraWide Gaming Monitor (34UM67). Der kommt wie die Geräte der Samsung- und Iiyama-Konkurrenz mit AMDs Freesync via DisplayPort 1.2a zurecht. Nvidias kompliziertes G-Sync soll bei LG und vielen anderen erst später folgen. Vielleicht bringt das einfachere Freesync AMD hier und da leichte Wettbewerbsvorteile.

Kurz vor Weihnachten hörte man auch von bedeutenden neuen Design-Wins, die AMD für „Semi-Custom“ einfahren konnte, mit geplanten APUs des Jahres 2016. Einer der beiden Auftraggeber dürfte Nintendo sein, damit hätte AMD bei CPUs und Grafik alle drei großen Spielkonsolenhersteller „im Sack“. Klar, AMD braucht auch mal gute Nachrichten, an der Börse jedenfalls gehört die jetzt zu Nasdaq gewechselte Firma zu den großen Verlierern des Jahres 2014, ist doch der Aktienkurs 2014 um ein Drittel gefallen. Vielversprechend könnte jedoch die nächste Grafikkartengeneration sein – nur hört man schon wieder von möglichen Verzögerungen, bedingt durch Probleme mit der Fertigung in 20 nm. Das betrifft Nvidia jedoch offenbar gleichermaßen. Bei Nvidia plant man möglicherweise gleich einen „Froschsprung“ auf den TSMC-16-nm-Prozess.

AMD hat zudem versprochen, dass die nächste x86-Prozessorgeneration nach dem Bulldozer-Flop eine ganz erhebliche Verbesserung in der Single-Thread-Leistung bringen soll. Vielleicht wird sie gar versehen mit den VISC-Techniken, wie sie das mit finanzierte Start-up Soft Machines entwickelt hat. So etwas tut offenbar auch not, denn zunehmend regt sich Widerstand gegen die Sache mit dem „let’s parallize it“. Das sei abgesehen von Serverjobs und Grafik eine „ungeheure Zeitverschwendung für jedermann“ – so jedenfalls Wortführer Linus Torvalds in wie üblich drastischen Worten in seinem Lieblingsforum auf Realworldtech.com. Von wegen „paralleles Computing ist die Zukunft“ – alles Unsinn. End-User seien glücklich mit vier Kernen und niemand bei Trost würde die Kerne kleiner und schwächer machen, um mehr davon unterzubringen. Starker Tobak – aber Bill Gates hat ja angeblich auch mal postuliert: 640 KByte Speicher sollten für jedermann genug sein … (as)

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