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Volkswagen gibt weltweit das meiste Geld für Forschung aus

Die Europäische Kommission hat im Dezember den „EU-Anzeiger 2014 für Forschungsinvestitionen der Industrie“ veröffentlicht (siehe c’t-Link unten). Danach belegt der Wolfsburger Volkswagen-Konzern mit Ausgaben von 11,7 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung (F&E) erneut Platz 1 im globalen Vergleich. Den zweiten Platz sicherte sich das südkoreanische Unternehmen Samsung Electronics, das seine F&E-Ausgaben gegenüber dem Vorjahr um über 25 Prozent auf 10,2 Milliarden Euro steigerte. Das US-Unternehmen Microsoft kam mit 8,3 Milliarden Euro auf den dritten Rang. Der EU-Anzeiger berücksichtigt die 2500 größten Konzerne weltweit, auf die rund 90 Prozent der gesamten F&E-Aufwendungen entfallen. Die angegebenen Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2013.

In der europäischen Rangliste des EU-Anzeigers 2014 folgen auf Volkswagen zwei weitere deutsche Autobauer: Daimler (5,4 Milliarden Euro) und BMW (4,8 Milliarden Euro). Rang vier nimmt der französische Pharmakonzern Sanofi ein (4,8 Milliarden Euro), gefolgt von der Robert Bosch GmbH (4,7 Milliarden Euro) und der Siemens AG (4,6 Milliarden Euro). Zusammengerechnet investierten die 633 berücksichtigten EU-Unternehmen rund 162 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung (ein Plus von 2,6  Prozent gegenüber dem Vorjahr), während Unternehmen mit Sitz in den USA (804) knapp 194 Milliarden Euro (plus 5 Prozent) und die 387 erfassten japanischen Unternehmen gut 85 Milliarden Euro (plus 5,5 Prozent) für F&E aufwendeten.

Die meisten Forschungsgelder flossen in das Segment „Arzneimittel & Biotechnologie“, gefolgt von „Technology Hardware & Equipment“ sowie „Automobile & Teile“. Gut 50 Milliarden Euro gaben die Unternehmen für Forschungsaktivitäten im Bereich „Software & Computer Services“ aus. Rund 42 Milliarden Euro flossen in das Segment „Electronic & Electrical Equipment“. Laut einer Umfrage des für den EU-Anzeiger verantwortlichen wissenschaftlichen Dienstes der Europäischen Kommission ist bis zum Jahr 2016 insbesondere im Bereich „Electronic & Electrical Equipment“ ein starkes Wachstum der F&E-Ausgaben um bis zu 9 Prozent zu erwarten. Auch dem Segment „Aerospace & Defence“ werden nach Einschätzung der Befragten künftig deutlich mehr F&E-Gelder (plus 8 Prozent) zur Verfügung stehen. (pmz)

Wie Smartphone-Nutzung unser Gehirn verändert

Traditionalisten beklagen häufig, dass eine verstärkte Nutzung digitaler Kommunikationstechniken insbesondere bei jungen Menschen Fingerfertigkeiten wie das Schreiben mit der Hand verkümmern lasse. Umgekehrt prägen moderne Interaktionskonzepte wie die Touch-Bedienung von Smartphones aber ebenfalls das Gehirn. Wie stark der tägliche Gebrauch mobiler Technik die Sinnesverarbeitung im Gehirn tatsächlich beeinflusst, haben Schweizer Forscher jetzt untersucht.

Die Wissenschaftler der Universitäten Zürich und Fribourg konzentrierten sich bei ihrer Arbeit auf den sogenannten somatosensorischen Cortex. In diesem Teil der Großhirnrinde werden vor allem Berührungsreize verarbeitet. Für alle Körperbereiche sind im somatosensorischen Cortex eigene Segmente reserviert – von den Füßen über einzelne Finger bis zur Nase und Zunge. Diese Areale sind aber nicht starr, sondern weisen eine gewisse Plastizität auf, können sich also noch verändern. Bekannt ist unter anderem, dass bei Musikern, die ein Streichinstrument beherrschen, die kortikalen Repräsentationen für die Finger der Spielhand deutlich vergrößert sind.

Um herauszufinden, in welchem Umfang sich die Bedienung von Smartphones im somatosensorischen Cortex manifestiert, erfassten die Wissenschaftler um Dr. Arko Ghosh vom Institut für Neuroinformatik der Universität Zürich bei 37 Probanden die kortikale Hirnaktivität mittels Elektroenzephalografie (EEG). Mehrere Dutzend Elektroden registrierten Potenziale, die bei der Gerätebedienung mit Zeigefinger, Mittelfinger und Daumen hervorgerufen wurden. 26 Teilnehmer nutzten bei den Versuchen Smartphones mit berührungsempfindlichem Display, elf bildeten eine Vergleichsgruppe und bedienten ältere Mobiltelefone ohne Touchscreen.

„Die digitale Technik, die wir im Alltag nutzen, formt die Sinnesverarbeitung in unserem Gehirn, und zwar in einem Ausmaß, das uns überrascht hat“, fasst Neurophysiologe Ghosh die Ergebnisse zusammen (siehe c’t-Link unten). So konnten die Wissenschaftler unter anderem einen Zusammenhang zwischen Nutzungsintensität und Hirnaktivität feststellen: Je häufiger das Smartphone in einem Zeitraum von zehn Tagen mit den Fingern bedient wurde und je kürzer der zeitliche Abstand nach einer intensiven Nutzung war, umso ausgeprägter zeigten sich entsprechende Signale im Gehirn. Für das Cortex-Areal, das den Daumen repräsentiert, sprechen die Forscher sogar von einer direkten Proportionalität.

„Auf den ersten Blick scheint dieser Befund vergleichbar zu sein mit dem, was bei Geigenspielern geschieht“, erklärt Ghosh. Allerdings konnten die Wissenschaftler auch Unterschiede ausmachen. So ist es bei Smartphone-Nutzern offenbar unerheblich, wie lange sie ein Gerät schon besitzen und nutzen. Bei Geigenspielern hingegen war die Aktivität im Gehirn abhängig vom Alter, in dem sie zu spielen begannen. (pmz)

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