Prozessorgeflüster

Von Currywürsten und Curie

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Während VW mit Rekorden bei den Currywürstchen aufwartet, brilliert Intel mit Rekordbilanzen. Dem Mobile-Sektor gehts zwar weiterhin schlecht, aber die kleinen Quarks, die PCs und vor allem die dicken Server holens raus.

Mit 6,3 Millionen waren die VW-Currywürsten die meistverkauften VW-Produkte des letzten Jahres, noch vor dem Lupo (6,12 Millionen). Wie viele dieser Würste auf Exbundeskanzler Gerhard Schröder zurückgehen, wurde nicht übermittelt. Auch wie der Jahresreingewinn von VW (inklusive der Würstchen) aussehen wird, weiß man derzeit noch nicht, 2013 lag er bei rund 3 Milliarden Euro. Diese Summe schafft Intel allein in einem Quartal, jedenfalls in dem jetzt bilanzierten vierten Quartal 2014. Über vierzehn Jahre hat Intel gebraucht, um die 3,5 Milliarden US-Dollar vom bisherigen Spitzenquartal im Jahre 2000 – ohne Berücksichtigung von Akquisitionen – zu übertrumpfen. Mit jetzt 3,66 Milliarden Dollar bei 14,7 Milliarden Dollar Umsatz markiert Intel neue Rekordwerte – zumindest in Dollar.

Internet of Things und Wearables, das ist ein neuer Schwerpunkt, den Intel auf der CES in den Vordergrund stellte. Dort präsentierte Intel-CEO Krzanich nun das Modul Curie, auch Quark SE genannt. Nur so groß wie ein Druckknopf, aber lauffähig mit Speicher, 6-Achsen-Sensor und Bluetooth LE.

Rund 1,5 Milliarden Dollar hat Intel im letzten Jahr in Akquisitionen investiert, darunter fiel der Einkauf von LSI Axxia Networks und Cloudera. Zuletzt kam Anfang Januar noch die Vuzix Corporation hinzu, eine Art New Yorker Antwort auf Google Glass. Der Brillenmarkt scheint aber noch nicht so übermäßig erfolgreich zu sein, Google hat jedenfalls den Verkauf der Glass erst einmal eingestellt.

Aber Intel kennt sich im Mobile-Bereich ja mit roten, genauer gesagt mit tiefroten Zahlen aus, auch diesmal lag trotz des Rekordquartals die Sparte für Mobil- und Telecom-Chips im Defizit. Und das nicht nur mit über einer satten Milliarde Dollar Verlust beim operativen „Gewinn“, sondern sogar mit einem irgendwie zusammengerechneten negativen Umsatz von –6 Millionen. Die erfolglose, bislang von Herman Eul geführte Mobile and Communications Group MCG wird ab jetzt als eigenständige Abteilung aufgelöst und verschmilzt mit der von Kirk Skaugen geleiteten PC Client Group zur Client Computing Group.

Skaugen hats gut, der PC-Markt hat sich wieder leicht erholt und trug mit einem Plus von 3 Prozent zum Erfolg bei. Und dann hat man ja noch die Datacenter Unit, und auf die kann sich Intel verlassen. Die legte gleich um ein Viertel zu und spülte so eine gute Milliarde mehr in die Kassen als im Vorjahresquartal. Kein Wunder, kann Intel doch bei den Servern mangels Konkurrenz nach Belieben den Markt dominieren, dirigieren und die Preise gestalten – jedenfalls noch. OpenPower als mögliche Alternative muss erst noch in Schwung kommen. IBM legte jetzt erst einmal bei den Mainframes mit der z13 nach (siehe S. 45) – das ist auch so ein Markt, wo einer allein herrscht und keine wirkliche Konkurrenz fürchten muss.

Broadwell & Skylake

Früher gab es bei Intels neuen Preislisten zumeist auch einige Preissenkungen, diesmal jedoch Fehlanzeige. Auch die neuen Haswell-Prozessoren der 4600-Familie – das sind die für vier Sockel, die aber anders als die EX-Kollegen nur eine sehr schlappe Verbindung untereinander pflegen, sind hier noch außen vor, obwohl sie im aktuellen Specification Update schon verzeichnet sind.

Man findet lediglich eine Handvoll neuer ULV-Mobil-Prozessoren sowie die im November angekündigten Core-M-Prozessoren im Stepping F. Mit jenem hat Intel gleich ein gutes Dutzend Fehler des Vorgängers beseitigt, zumeist solche, die zuvor interessanterweise noch gar nicht aufgelistet waren.

So reagierte der Prozessor unwirsch bei zu häufigem Wechsel zwischen den tiefen Stromsparzuständen oder er initialisierte zuweilen den LPDDR3-Speicher nicht vollständig und blieb beim Booten hängen. Beides konnte und musste man mit BIOS-Workarounds umgehen. Das ging aber nicht bei dem bekannten Fehler BDM53 bei Transactional Memory (TSX), der mit dem neuen Stepping nun endlich repariert wurde – aber der einzig beim Core M-5Y71 freigeschaltet ist.

Bei nur zwei Kernen ist TSX allerdings noch nicht wirklich gefordert – auf den Vierkerner mit Broadwell-Kern (Broadwell-H) wird man allerdings noch bis mindestens Mitte des Jahres warten müssen. Das hat Intel auf der CES bestätigt. Dann sind diese aber fast schon überflüssig, wurde doch für die zweite Jahreshälfte bereits die Skylake-Generation mit neuer Architektur samt AVX512 angekündigt. Und die Szene fragt sich: fällt Broadwell-H vielleicht ganz ins Wasser?

Ähnliche Fragen tauchen bei den Servern auf. Macht ein Broadwell-EP irgendwann im Verlauf von 2016 noch Sinn – wenn schon der Skylake-EP mit seinen Hufen scharrt? Für die HPC-Szene dürfte dessen Sockelkompatibilität zu Intels nächster Xeon-Phi-Generation Knights Landing besonders verlockend sein, und den hat uns Intel ja bereits für die zweite Jahreshälfte 2015 versprochen.

Und wie wirds nach Skylake weitergehen? Man hörte davon, dass die 10-nm-Technik, die immer noch nicht mit EUV, sondern mit weiter verbesserter Laser-193-nm-Technik und schwarzer Magie arbeitet, im Zeitplan läge, aber wer glaubt ernsthaft daran, dass der Cannonlake (ehemals Skymont) genannte „geshrinkte“ Skylake wirklich noch 2016 debütiert? Es sieht ohnehin mittelfristig so aus, dass Intel vom Tick-Tock-Modell so langsam in ein Tick-Tock-Tock-Modell übergehen könnte, also nach einem Tick-Shrink vielleicht zwei Architekturen pro Prozessgeneration herausbringt.

Schlingerkurs

Konkurrent AMD macht derweil weniger durch neue Produkte als vielmehr durch Manager- und Sicherheitslücken auf sich aufmerksam. Gleich drei Top-Manager verlassen das schlingernde Schiff unter Kapitänin Lisa Su, darunter der erste Offizier John Byrne, der seit Juli 2014 die Computing and Graphics Business Unit geleitet hat. Su übernimmt kommissarisch seinen Job, bis ein Nachfolger gefunden ist. Gleichzeitig machen heftige Sicherheitsmängel in der System Management Unit (siehe S. 48) von sich reden

Viel lieber würde man ja was von AMDs ARMv8-Chip Opteron A1100 hören, aber da herrscht Ruhe im Schiff. Der uns mal vor einem Jahr fest versprochene Testchip ist irgendwo im Bermuda-Dreieck zwischen Rory Read, Lisa Su und Andrew Feldman verschollen – Benchmark-Ergebnisse hätten wir ohnehin nicht veröffentlichen dürfen. Vor gut einem Jahr hat die SPEC zwar bereits die CPU2006-Suite für ARMv8 unter Fedora19 herausgegeben, jetzt gibt es dafür bereits Fedora 21 – doch konkrete Benchmark-Eergebnisse von AMD, Applied Micro oder Cavium? Fehlanzeige auf ganzer Linie. Von den seit Oktober 2014 veröffentlichten 2426 CPU2006-Ergebnissen stammen wie viele von Intel-Prozessoren? Genau: 2426 – klarer kann man die Situation auf dem Server-Markt wohl kaum demonstrieren. Davor findet man zwei einsame, wenn auch mächtige Power8-Inseln in den weiten Intel-Fluten. (as)

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