Prozessorgeflüster

Von Funkstörern und Funkstille

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Rekordzahlen bei Apple, schlechte Zahlen bei AMD und schräge Zahlen bei Nvidia. Hinzu kommen neue inoffizielle Roadmaps bei Intel und AMD von Skylake und Zen.

Mit einem in der Szene noch nie gesehenen Rekordquartal von 74,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und 18 Milliarden Dollar Gewinn hat Apple es nun geschafft, Samsung Electronics vom Sockel zu stoßen. Mit fast genau 200 Milliarden Dollar Umsatz in den vergangenen vier Quartalen (Apple hat das letzte Quartal schon als 1Q15 bilanziert) ist die kalifornische Firma nun auch im so kumulierten Jahresumsatz die Nummer eins im IT-Business – beim Gewinn ist sie es eh schon lange. Samsung hat zuletzt mit 11 Prozent Umsatzeinbuße ziemlich geschwächelt und bleibt mit einem Jahresumsatz von 206,2 Billionen Won – entspricht beim derzeitigen Dollarkurs etwa 196 Milliarden Dollar – knapp darunter.

Vielleicht sollte Apple jetzt mal netterweise AMD unter die ARMe greifen, denn bei den Nachbarn aus Sunnyvale verlief das letzte Quartal wieder mal recht enttäuschend. Mit 364 Millionen US-Dollar Miesen und mit 1,24 Milliarden Dollar um 22 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahresquartal ist die Erholung des PC-Marktes anders als bei Intel offenbar in Sunnyvale nicht so recht angekommen.

Und Konkurrent Intel will jetzt noch weiter aufdrehen, jedenfalls, wenn die inoffizielle Roadmap zutrifft, die die chinesische Website vr-zone.com ausgegraben, hat. Sie gibt die Notebook/Desktop-Pläne für 2015/2016 wieder und enthält als Leckerli sogar einen nicht übertaktungsgesicherten „unlocked“ Skylake-„K“-Chip mit 95 Watt in der Desktop-S-Klasse (Skylake-S). Und der soll schon in der Jahresmitte herauskommen – kaum zu glauben, warum sollte Intel sich selbst überholen wollen? Kurz vorher soll nämlich noch im zweiten Quartal der schon länger vermisste Broadwell-K als ungelockter Vierkerner mit 65 Watt herauskommen, aber will den dann noch wer?

Als erster Skylake-Chip ist laut Roadmap der Zweikerner Skylake-U für Notebooks mit 15 und 28 Watt TDP vorgesehen. Wir vermuten, dass ihm aber ein Skylake-Y als Nachfolger des aktuellen Core M zuvorkommt – die Y-Typen für Tablets und kleine Notebooks mit etwa 7 Watt TDP sind leider nicht in der Roadmap von vr-zone enthalten. Dafür findet man in der höheren Atom-Klasse „N“ den zwischenzeitlich irgendwie verschüttgegangenen Braswell mit 14-nm-Airmont-Kernen und 10 Watt TDP. Er soll als Nachfolger des Bay-Trail-D-SoC zu Beginn des zweiten Quartals 2015 herauskommen. Vorher dürften die ebenfalls nicht auf der Roadmap verzeichneten Tablet-Atome mit Airmont-Kern namens Cherry Trail debütieren, die man wohl schon auf dem kommenden Mobile World Congress in Barcelona wird bewundern dürfen.

Im High End als Nachfolger des Haswell-E ist der (bezüglich Transactional Memory reparierte) Broadwell-E mit sechs und acht Kernen, DDR4 und mit 140 Watt TDP fürs erste Quartal 2016 vorgesehen.

Intel und DSL

Intel ist unterdessen parallel damit beschäftigt, neue Geschäftsfelder aufzubauen. So hat die amerikanische Firma nun weitere Reste von Infineon eingekauft, nämlich die in München ansässige Firma Lantiq. Lantiqs Schwerpunkt sind DSL-Chips für G.FAST (angeblich eine mögliche Störquelle für UKW und Kurzwelle) und Vectoring, dazu Fiber-Technik und Netzwerkprozessoren. Bis 2009 war Lantiq als „Wireline Communications“ eine Abteilung bei Infineon, wurde dann an eine Investment-Firma für etwa 250 Millionen Dollar verkauft. Was nun Intel dafür berappt hat, weiß man nicht.

Roadmaps ausgraben und Gerüchte zusammenbrauen können aber nicht nur die Chinesen, sondern auch gelegentlich Europäer, etwa die schwedische Website sweclockers.com. Sie vermeldete, dass AMD nun genau das machen will, was Ex-Chef Rory Read schon angekündigt hatte: weg von dem eher misslungenen Bulldozer-Design mit seinen geteilten Ressourcen wie FPU, einem überhaupt nicht für Multikernbetrieb vorgesehenen gemeinsamen Instruktionscache und zunächst auch mit geteilten Decodern. Man will zurück zu einem Design mit individuellen Kernen, die weitgehend ihre eigenen Ressourcen haben, so wie es Chefentwickler Jim Keller mal zusammen mit dem späteren AMD-Chef Dirk Meyer erfolgreich beim Athlon realisiert hatte. Nun soll es Zen so ab dem zweiten Halbjahr 2016 richten. Der erste Chip mit Codenamen Summit Ridge, gefertigt in 14-nm-Technik und mit 95 Watt TDP, soll nach den Informationen von sweclockers bis zu acht individuelle Kerne besitzen und wie die Intel-Konkurrenz Zweifach-SMT unterstützen. Ob Jim Keller dabei auch neue Ideen wie die VISC-Technik von Soft Machines vorgesehen hat, bei der mehrere Kerne an einem Thread arbeiten können – auch inverses Hyper-Threading genannt –, bleibt offen. Auch von AVX512 hat man noch nichts gehört, das dürfte aber zu den Pflichtaufgaben gehören.

Ob allerdings ein Erscheinungstermin im zweiten Halbjahr 2016 realistisch ist, erscheint fragwürdig, steht doch 20 nm derzeit bei AMD-Designs noch in den Sternen. Bei den CPUs wartet man erst noch auf den Steamroller mit acht Modulen und 16 Kernen in 28 nm und vor allem auf den Excavator – der auch erst einmal in 28-nm-Technik im Carrizo herauskommen soll und von dem AMD erste Notebooks auf der CES herumgezeigt hatte. Excavator soll eine um 30 Prozent bessere Single-Thread-Leistung bringen und bei Desktops als „Bristol Ridge“ im Sockel FM3 mit DDR4 aufwarten.

Volle 4 GByte?

Nvidia macht derweil andere Schlagzeilen, nämlich mit teils falschen, teils recht missverständlichen Angaben zur Grafikkarte GeForce GTX 970 (siehe Seite 29). 512 MByte des 4-GByte-Kartenspeichers sind zwar vorhanden, aber nur langsam ansprechbar. Nicht wenig Käufer ärgern sich über die Irreführung, andere machen sich darüber lustig, auf YouTube oder in der Werbung von AMD. Dabei ist so was ja so unüblich nicht. Bei nicht wenigen früheren PCs war ein Teil des eingesteckten Speichers – das sogenannte PCI-Loch – bis hin zu 1 GByte nicht nur langsamer, sondern gleich ganz ausgeblendet.

Kollege Fischer hat auf heise online einen kritischen Kommentar zu „Nvidias schmutzigen Kartentricks“ veröffentlicht, da dürfte nun wohl erst einmal eine Zeit lang Funkstille von Nvidia zu uns herrschen.

Apropos Funkstille: Die hört man nun auch beim NDR auf Mittelwelle, Mitte Januar wurden die letzten Sender abgeschaltet. SWR, MDR, HR, Bremen … alle sind schon weg. Vorbei die Zeit, wo man mit einfachen, überschaubaren Detektor-Empfängern Radio hören konnte. Welcher Bastler hat nicht damit angefangen? Und was mache ich jetzt mit meinen schönen, historischen Empfängern? (as@ct.de)

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