Lichtgestalten

Hardware-kalibrierbare Monitore mit großem Farbraum

Test & Kaufberatung | Test

Monitore mit großem Farbraum lassen herkömmliche Displays im wahrsten Sinne des Wortes blass aussehen. Für die Bildbearbeitung reichen knallige Farben alleine aber nicht aus – sie müssen auch der Realität entsprechen.

Einigermaßen satte Farben und eine akzeptable Blickwinkelabhängigkeit bekommt man schon bei IPS-Monitoren in der 250-Euro-Klasse. Das ist gut genug, um die private Fotosammlung zu verwalten und aufzupolieren. Profis genügt das aber nicht: Sie brauchen für die Bildbearbeitung einen Wide-Color-Gamut-Monitor – also ein Display mit großem Farbraum und eine höhere Farbtiefe.

Außerdem muss man sich beim Publishing oder in der Druckvorstufe darauf verlassen können, dass das angezeigte Bild auf dem Display auch wirklich dem späteren Ergebnis entspricht. Das klappt nur bei Schirmen, die sich kalibrieren lassen. Am besten werden die ermittelten Parameter direkt im Monitor gespeichert, denn dann stehen sie direkt nach dem Einschalten und unabhängig von den Einstellungen im Grafikkartentreiber allen Anwendungen zur Verfügung.

Wir haben fünf solcher Profi-Schirme in die Redaktion geholt. Eizo steuert mit dem CS240 den kleinsten Monitor zum Testfeld bei. Er hat eine Diagonale von 24 Zoll (61 Zentimeter) und mit dem Seitenverhältnis von 16:10 eine Auflösung von 1920 × 1200 Bildpunkten. Die übrigen Probanden (Eizo CG277, HP Z27X, LG 27MB85Z und NEC SpectraView Reference 272) zeigen 27 Zoll (69 Zentimeter) in der Diagonalen und lösen mit 2560 × 1440 Bildpunkten (16:9) auf. Zudem steuert LG mit dem 31MU97 einen 4K-Monitor bei, der mit 4096 × 2160 (17:9) die höchste Auflösung und mit einer Diagonalen von 31" (79 Zentimeter) die größte Schirmfläche besitzt.

Messknechte

Ab Werk sind bei unseren Testkandidaten die Presets gängiger Farbräume wie AdobeRGB oder sRGB vorkalibriert – die zugehörigen Messprotokolle liegen allen Schirmen bei. Unsere Messungen zeigten, dass die Testkandidaten die dort definierten Farbparameter auch einhalten. Falls man nicht in diesen Presets, sondern im vollen Farbraum der Displays arbeiten möchte oder sie mit einer anderen Farbtemperatur betreiben will, muss man selbst Hand anlegen.

Bei der Hardware-Kalibrierung lassen sich eigene Bildparameter als Zielwert vorgeben. Anschließend ermittelt ein Messgerät – ein günstiges Colorimeter oder ein teureres und genaueres Spektralphotometer – den Gammawert beziehungsweise die Farbzusammensetzung diverser Grau- und Farbabstufungen. Anhand der Abweichung zwischen Ist- und Soll-Zustand korrigiert die Kalibriersoftware anschließend die Farbdarstellung des Monitors.

Nach Messung und Korrektur der Darstellung im Monitor erzeugt die Kalibriersoftware aller Testkandidaten ein Farbprofil, das die Farbwerte der Monitore exakt beschreibt. Diese sogenannten ICC-Profile werden anschließend in das Farbmanagement des Betriebssystems eingebunden. Erst durch diese Profilierung können profilfähige Grafikanwendungen wie Photoshop Bilder mit anderem Farbumfang exakt auf die Darstellungscharakteristik des Monitors umrechnen. Ohne Profilierung würde beispielsweise ein und derselbe Rot-Ton auf jedem Display etwas anders aussehen. Kalibrieren und Profilieren gehen somit immer Hand in Hand und werden deshalb häufig (nicht ganz korrekt) synonym verwendet [1]. ...

Praxis: Kalibrieren

Kalibrieren, Profilieren, Colorimeter, Farbmanagement – das klingt trocken und als ob man sich wochenlang einarbeiten muss, bis der Monitor ein gutes Bild anzeigt.

In der Praxis ist das Kalibrieren bei unseren Testkandidaten mit wenigen Mausklicks in zehn Minuten erledigt: Man braucht lediglich die mitgelieferte Software zu installieren und Monitor nebst Messkopf per USB an den Rechner anzuschließen. Wer ein anderes Colorimeter als das des Herstellers nutzen will, findet in den Datenblättern oder dem Softwarehandbuch eine Liste der unterstützten Alternativen.

Die Kalibrierung startet per Mausklick und fragt der Reihe nach die gewünschten Bildparameter ab. Wer sich noch nie mit Farbräumen oder -Temperaturen beschäftigt hat, kann die voreingestellten Bildparameter übernehmen. Wichtiger ist, dass sich während der Messung die Lichtverhältnisse im Raum nicht ändern.

Die im Anschluss an die Messung erzeugten Farbprofile bekommt man erst gar nicht zu Gesicht: Die Programme binden sie automatisch in die Farbverwaltung des Betriebssystems ein. Sofern man fortan Software nutzt, die mit Farbprofilen umgehen kann – beispielsweise Photoshop oder Firefox – sollte damit eine Darstellung ohne Farbverfälschungen klappen.

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